Durch Stress ausgelöste Depressionen

Alfred Domke

DAK-Gesundheitsreport zu Stress im Job

13.10.2013

Psychische Probleme nehmen einen immer größeren Anteil bei den Krankschreibungen von Arbeitnehmern ein. So haben etwa Depressionen stark zugenommen. Dies geht aus dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport hervor.

Stress im Job
Den Menschen in Deutschland geht es eigentlich dank Gesundheitsprävention und guter medizinischer Versorgung besser als je zuvor. So seien etwa die Fehltage von Arbeitnehmern aufgrund von Herz-Kreislauf-Leiden und Erkältungen, den eigentlich häufigsten Krankheitsursachen, deutlich zurückgegangen. Andererseits seien in den letzten zwölf Jahren die durch psychische Erkrankungen verursachten Fehltage um 83 Prozent angestiegen. Ein Grund für die DAK-Gesundheit, das Thema „Stress im Job“ zu thematisieren.

Ständig erreichbar sein
Die gestiegene Arbeitsleistung sei laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund ein Grund für die Zunahme von stressbedingten Ausfällen. Bei einer Umfrage hätten rund 50 Prozent eine Wochenarbeitszeit von 45 Stunden angegeben und 60 Prozent der Befragten klagten über die ständige Erreichbarkeit durch Smartphones und Notebooks. Auch die DAK hat bei einer Befragung ihrer Versicherten, wie oft sie in der Freizeit vom Chef kontaktiert werden, festgestellt, dass Menschen die ständig erreichbar sind, anfälliger für Depressionen seien. Dr. Jens Wenke, Leitender Arzt der psychiatrischen Ambulanz im Waldkrankenhaus Köppern, dazu: „Der Mensch hat eben seine Leistungsgrenzen, und wenn die überschritten werden, wird er krank.“

Ein gesundes Betriebsklima schaffen
Experten sehen als einen Grund für die starke Zunahme von Krankschreibungen wegen psychischer Leiden, dass Betroffene und Ärzte mittlerweile anders damit umgehen, als noch vor einigen Jahren. So meinte der Chef der DAK-Gesundheit Mainz, Steffen Kilian: „Viele Arbeitnehmer werden heute mit einem psychischen Problem krank geschrieben, während sie früher zum Beispiel mit der Diagnose ,chronische Rückenschmerzen‘ arbeitsunfähig gewesen wären.“ Der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz, Klaus Lieb, hat die Zunahme ebenfalls festgestellt: „Wir sehen schon einen Trend. Und es wird weiter ein großes Thema sein.“ Er meinte, Betriebe sollten eine andere Unternehmenskultur entwickeln und ein gesundes Betriebsklima schaffen. Laut Claus Uebel von der DAK Südwest hätten einige Arbeitgeber die Problematik erkannt und nutzen das DAK-Gesundheitsmanagment. Denn nicht nur für die Kassen, sonder auch für die Arbeitgeber sei ein hoher Krankenstand ein immenser Kostenfaktor.

Burnout ist kein Massenphänomen
Durch den Gesundheitsreport wird auch ein gängiges Vorurteil widerlegt. „Burnout ist kein Massenphänomen. Depressionen kommen achtmal häufiger vor“, so Kilian. Burnout sei im übrigen auch keine Diagnose im klassischen Sinn, erklärte Professor Lieb: „Es handelt sich vielmehr um einen chronischen Stresszustand, der zu einer psychischen Erkrankung führen kann.“ Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten durch Präventionsmodelle, wie die Verbesserung der sozialen Kommunikation, Supervisionskonzepte oder einen Ruheraum im Betrieb entlastet werden. „Wichtig ist, früh anzufangen, bevor es aus dem Ruder läuft“, so der Experte.

Psychische Krankheiten in Hessen stark zugenommen
Die DAK rechnet die Werte, wann, wie oft und warum ihre Mitglieder krankgeschrieben waren, auch auf die Landkreise herunter. An der Studie, die dieses Jahr zum fünften Mal herausgegeben wurde, lasse sich ablesen, dass Arbeitnehmer in ländlichen Regionen viel öfter krank geschrieben seien. In Hessen haben die Fehltage wegen psychischen Krankheiten von 2000 bis 2012 um 83 Prozent zugenommen. Dr. Wenke meint: „Die Menschen trauen sich eher zu sagen, dass sie überlastet sind.“ Einen „dringenden Handlungsbedarf“ in den Betrieben sieht der DAK-Bereichsleiter in Bad Homburg, Erhard Waldmann. Er meint, dass das Thema aus der Tabuzone geholt gehöre und dass mit der nächsten Rezession das Problem noch vergrößert: „Früher hatte man den Frühstücksdirektor, heute gibt’s keine Jobs für Menschen mehr, die nicht so stark belastbar sind.“ (ad)

Bild: Schemmi / pixelio.de