Durch Zeckenbiss Borreliose und FSME

Fabian Peters

Zeckenbisse können Borreliose und FSME auslösen

16.06.2011

Sommerzeit ist Zeckenzeit. Bei den warmen Wetterlagen steigt die Aktivität der kleinen Blutsauger und da sich gleichzeitig mehr Menschen im Freien aufhalten, nimmt die Anzahl der Zeckenbisse in den Sommermonaten deutlich zu. Entdecken Betroffene eine anhaften Zecke, reagieren sie häufig geekelt und leicht panisch. Sie versuchen, die Blutsauger möglichst schnell zu entfernen, machen dabei jedoch regelmäßig Fehler, die das gesundheitliche Risiko des Zeckenbisses deutlich erhöhen.

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Denn Zecken können Krankheiten wie Borreliose und die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Die Erreger gelangen über die Einstichwunde in den menschlichen Organismus und können hier schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen auslösen. Um das Übertragungsrisiko der Borreliose- und FSME-Erreger zu minimieren, sollten die Zecken möglichst zeitnah mit einer schmalen Pinzette oder Zeckenzange entfernt werden, so die jährlich wiederkehrende Warnung des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Quetschungen des Zeckenkörpers sind laut Aussage der Experten beim Entfernen auf jeden Fall zu vermeiden, da ansonsten umso mehr Erreger in die Wunde abgegeben werden.

Gesundheitliche Risiken von Zeckenbissen nicht unterschätzen
Aufgrund des Übertragungsrisikos von Borreliose und FSME sollten die gesundheitlichen Folgen eines Zeckenbisses nicht unterschätzt werden, mahnen die Experten des BVKJ. Allerdings ist die Infektionsgefahr durch einen Zeckenbisse bei FSME nicht überall in Deutschland gegeben. Auf den sogenannten Zeckenkarten sind Risikogebiet verzeichnet, in denen die Zecken potentiell FSME übertragen. Borreliose-Erreger hingegen können Zecken in ganz Deutschland in sich tragen. Außerdem können sich Menschen bei Bedarf durch eine Impfung vor der gefürchteten Frühsommer-Meningoenzephalitis schützen, eine Impfung gegen Borreliose besteht bisher jedoch nicht. So werden nach Aussage der Experten in Deutschland deutlich mehr Menschen durch einen Zeckenbiss mit Borreliose infiziert als mit FSME. Sowohl die Symptome eine Borreliose-Infektion als auch die Anzeichen einer FSME, sollten für die Betroffenen einen dringenden Anlass für einen Arztbesuch bilden, mahnen die Gesundheitsbehörden und Mediziner.

Gesundheitliche Folgen der Frühsommer-Meningoenzephalitis
Die gesundheitlichen Folgen der Frühsommer-Meningoenzephalitis sind häufig sehr viel schwerwiegender als bei Borreliose und zudem schwieriger zu behandeln. Der Krankheitsverlauf der Frühsommer-Meningoenzephalitis lässt sich dabei in zwei Phasen unterteile. Das Anfangsstadium der viralen Infektion in dem grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen begleitet von Müdigkeit, Beschwerden im Verdauungstrakt sowie Übelkeit und Appetitlosigkeit auftreten können. Gefolgt von einem beschwerdefreien Zeitraum von bis zu zwei Wochen, der den Betroffenen leicht der Eindruck vermittelt, sie hätten die Erkrankung bereits überstanden. Anschließend geht die FSEM in eine zweite Krankheitsphase über, in der neben den ursprünglichen Symptomen weitere erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen auftreten können. Dabei wird häufig auch das neuronale System der Betroffenen in Mitleidenschaft gezogen und die Patienten zeigen die typischen Symptome der Meningitis (Hirnhautentzündung) und Enzephalitis (Entzündung des Gehirns). Motorische Störungen, Schwindel, Sprachstörungen, Gefühlsstörungen, massive Müdigkeit und Lichtempfindlichkeit sind in der zweiten Phase der FSME ebenso häufige Symptome wie Lähmungen, Atemprobleme und Bewusstseinsstörungen. Bei besonders schwerwiegendem Krankheitsverlauf kann die Frühsommer-Meningoenzephalitis auch zum Koma oder schlimmstenfalls zum Tod der Patienten führen. Die Möglichkeiten der medizinischen Behandlung sind dabei äußerst begrenzt und rund 70 Prozent der FSME-Patienten leiden unter langwierigen Folgeschäden, berichtete der Experte Dr. Reinhard Kaiser, Chefarzt der Neurologie an der Städtischen Klinik Pforzheim im März auf einer Pressekonferenz der Universität Hohenheim.

Deutschlandweit 850.000 Borreliose-Infektionen jährlich
Auf den ersten Blick weniger dramatisch für die Gesundheit sind die Folgen einer Borreliose-Infektion. Doch der Eindruck kann auch hier täuschen. Denn obwohl Borreliose im Anfangsstadium mit Antibiotika relativ effizient bekämpft werden kann, geht die Erkrankung häufig in ein chronisches Stadium über und kann dann erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen für die Betroffenen zur Folge haben. Den Experten der Deutschen Borreliose-Gesellschaft zufolge erkranken jährliche in Deutschland etwa 850.000 Menschen an Borreliose, wobei die Diagnose der Erkrankung durch die äußerst variablen Symptome erheblich erschwert wird. So erklärt sich auch, dass eine Vielzahl der Borreliose-Erkrankungen in ein chronisches Krankheitsstadium übergeht, bevor mit einer entsprechenden Behandlung begonnen wurde. Borreliose-Infektionen lassen sich ebenfalls in verschiedene Krankheitsstadien untergliedern, wobei in der Anfangsphase unmittelbar nach dem Zeckenbiss relativ häufig ein roter sich ausweitender Hautausschlag (Erythema migrans) um die Einstichstelle zu verzeichnen ist. Dieser gilt als typisches Anzeichen einer Borreliose-Infektion. Des weiteren treten im Anfangsstadium der Borreliose-Erkrankung ebenfalls grippeähnliche Symptome wie generelle Müdigkeit, Fieber, Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen auf. Die unspezifischen Symptome werden oft begleitet von entzündlichen Symptomen wie Bindehautentzündung, Lymphknoten- und Lymphstrangschwellungen, Entzündung der Rachenschleimhaut (Pharyngitis) und Bronchitis.

Chronische Borreliose verursacht massive gesundheitliche Beeinträchtigungen
Wird die Borreliose-Infektion in der Anfangsphase nicht behandelt, setzt nach Wochen – manchmal erst nach Monaten – das zweite Stadium der Erkrankung ein. Die Erreger beginnen sich im Körper auszubreiten und können zahlreiche weitere Organe befallen. Als Symptomen treten dabei zum Beispiel wechselnde Gelenkschmerzen, Sehstörungen, Störungen des Tastsinns und Herzproblemen auf. Auch Rückenmark-Erkrankungen, Nervenentzündungen in peripheren Gebieten und weitere neuronalen Störungen sind mögliche Folgen der Borreliose-Infektion. Die Borreliose-Erreger befallen im zweiten Krankheitsstadium nicht nur weitere Organe, Gelenke und Muskeln sondern auch das zentralen und peripheren Nervensystem. Sollte in dieser schwerwiegenden Krankheitsphase keine erfolgreiche Behandlung erfolgen, droht die Borreliose in ein chronisches Krankheitsstadium überzugehen. Die chronische Borreliose bringt für die Betroffenen massive gesundheitlich Beschwerden mit sich und kann weitreichende Beeinträchtigungen im Alltag auslösen. Die bisherigen Symptome verstärken sich und es kommen neue hinzu. Insbesondere die Nervenbahnen und –enden sowie die Gelenke – vor allem Knie und Sprunggelenke – werden in Mitleidenschaft gezogen. Durch die Schädigungen des zentralen Nervensystems können des weiteren Begleiterscheinungen wie Sprachstörungen, Sehstörungen, Schlafstörungen, Ohrenschmerzen oder Zysten ausgelöste werden.

Infektionen durch Zeckenbisse vermeiden – aber wie?
Zur Vermeidung der Infektion durch einen Zeckenbiss, empfehlen die Experten gewisse Vorsichtsmaßnahmen beim Aufenthalt im Grünen einzuhalten. Körperbedeckende Kleidung, festes Schuhwerk und das gründliche Absuchen des ganzen Körpers bei der Rückkehr aus der Natur bilden hier die Grundlage. Wer eine anhaftende Zecke bei sich entdeckt, sollte keinesfalls versuchen, diese mit vermeintlichen Tricks wie Öl, Klebstoff oder Alkohol zu entfernen, sondern stattdessen mit einer feinen Pinzette möglichst ohne Drehbewegungen oder Quetschung des Zeckenkörpers die Blutsauger vorsichtig lösen, mahnen die Experten. Reist der Kopf des Tieres ab und bleibt in der Wunde stecken, steigt das Risiko einer Entzündung der Wunde. Daher ist Fingerspitzengefühl gefragt. Wer sich dies nicht zutraut findet jederzeit Hilfe beim Arzt, der die Zecke mit entsprechenden Hilfswerkzeugen sicher entfernen kann. Allerdings sollten die Betroffenen damit nicht zu lange warten, denn je kürzer die Tiere anhaften, umso geringer ist das Infektions-Risiko bei einem Zeckenbiss. (fp)