Durchbruch: Wissenschaftler behandeln erfolgreich Erdnussallergie bei Kleinkindern

Alexander Stindt
Neue Behandlung kann Kinder vor gefährlicher Erdnussallergie schützen
Eine Erdnussallergie kann für Betroffene im schlimmsten Fall tödliche Auswirkungen haben. Forschern ist es jetzt gelungen, eine Behandlung für Kinder mit einer Erdnussallergie zu entwickeln, welche so langfristige Auswirkungen hat, dass Patienten auch vier Jahre später noch vor der Allergie geschützt sind.

Die Wissenschaftler des Murdoch Children’s Research Institute entwickelten bei ihrer Untersuchung eine neue Therapie, welche Kinder vielleicht dauerhaft von einer Erdnussallergie schützen könnte. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „The Lancet, Child and Adolescent Health“.

Es gibt viele Menschen auf der Welt, die gegen Erdnüsse allergisch sind. Der Konsum kann für die Betroffenen sogar zum Tod führen. Jetzt scheint es eine Therapie zu geben, welche langfristig zu einer Toleranz von Betroffenen gegenüber Erdnüssen führt. (Bild: atoss/fotolia.com)

Was ist Anaphylaxie?
Möglicherweise ist es Forschern gelungen, eine dauerhafte Heilung für eine Erdnussallergie zu entwickeln. Erdnussallergien sind die häufigste Ursache der sogenannten Anaphylaxie – lebensbedrohliche allergische Reaktion und häufigste Todesursachen bei Nahrungsmittelallergien.

Probanden waren nach der Therapie tolerant gegenüber Erdnüssen
Am Ende von ihrer ersten Untersuchung im Jahr 2013 konnte festgestellt werden, dass 82 Prozent der Kinder, welche die sogenannte probiotic and peanut oral immunotherapy (PPOIT) erhalten hatten, schließlich tolerant gegenüber Erdnüssen waren und ohne eine gefährliche Erdnussallergie nach Hause gehen konnten.

Langfristige Toleranz gegenüber Erdnüssen wurde bestätigt
Nach einem Zeitraum von vier Jahren bestand die Toleranz bei vielen Probanden immer noch, erläutern die Experten. 80 Prozent der Kinder konnten zu diesem Zeitraum immer noch Erdnüsse als Teil ihrer normalen Ernährung zu sich nehmen. 70 Prozent der Teilnehmer absolvierten einen weiteren Test, welcher eine langfristige Toleranz gegenüber Erdnüssen bestätigte.

Ursprüngliche Untersuchung ging über den Zeitraum von 18 Monaten
Die Probanden der Studie wurden insgesamt vier Jahre lang medizinisch überwacht. Die Kinder in der ursprünglichen randomisierten Studie erhielten täglich über einen Zeitraum von 18 Monaten entweder eine Kombination des Probiotikums Lactobacillus rhamnosus zusammen mit Erdnussproteinen in steigenden Mengen oder nur ein Placebo. Es wurde dann untersucht, ob die Kinder eine Toleranz gegenüber Erdnüssen entwickelten, erklären die Wissenschaftler.

Probanden verzehrten nach Therapie Erdnüsse als Teil ihrer normalen Ernährung
Erstaunlicherweise waren mehr als 80 Prozent der Kinder, welche die kombinierte Erdnusstherapie erhalten hatten, am Ende des Versuchs in der Lage, Erdnüsse zu tolerieren, verglichen mit weniger als vier Prozent in der Placebo-Gruppe. Wenn die Kinder in der ersten Untersuchung eine Toleranz gegenüber Erdnüssen entwickelt hatten, wurden sie nach der Studie angewiesen, Erdnüsse als Teil ihrer normalen Ernährung einzuführen. Die Mehrheit der mit PPOIT behandelten Kinder, welche am Ende der Therapie Erdnüsse zu sich nehmen konnten, konnten auch noch vier Jahre später Erdnüsse ohne eine allergische Reaktion zu sich nehmen, erklärt Autorin Professor Mimi Tang in einer Pressemitteilung des Murdoch Children’s Research Institute.

Kinder waren auch Jahre später noch vor einer gefährlichen Reaktion gegenüber Erdnüssen geschützt
Die Kinder hatten die Erdnüsse in den Jahren nach der Behandlung als einen normalen Teil ihrer Ernährung gegessen, ohne dafür eine bestimmte Behandlung zu erhalten. Über die Hälfte der Betroffenen verzehrte regelmäßig moderate bis große Mengen von Erdnüssen, die anderen konsumierten nur selten Erdnüsse. Mit anderen Worten waren die Kinder in der Lage, Erdnüsse zu verzehren, als wenn sie keine Erdnussallergie hatten, sagen die Experten. Dr tolerante Zustand gegenüber Erdnüssen blieb erhalten und die Kinder waren vor einer gefährlichen Reaktion gegenüber Erdnüssen geschützt. Weitere Untersuchungen müssen jetzt herausfinden, ob die neuartige Behandlung zu einer verbesserten Lebensqualität führt.

Toleranz ist ein realistisches Ziel der Behandlung von Nahrungsmittelallergien
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass eine Toleranz ein realistisches Ziel bei der Behandlung von Nahrungsmittelallergien ist. „Dies ist ein wichtiger Schritt bei der Ermittlung einer wirksamen Behandlung, um das Problem der Nahrungsmittelallergien in den westlichen Gesellschaften zu bekämpfen“, erläutert Professor Tang weiter. Anstatt eine Therapie zu verwenden, die vor versehentlicher Einnahme von Erdnüssen schützt, ziele die neue Behandlung darauf ab, nachhaltige langfristige Effekte zu liefern. So sollen die Betroffenen dazu in der Lage sein, Erdnüsse als einen normalen Teil ihrer Ernährung einzubeziehen. (as)