E-Zigarette weniger schädlich als Zigaretten?

Fabian Peters

Studie: E-Zigarette weniger schädliche als herkömmliche Glimmstängel

20.12.2010

Die elektronische Zigarette (E-Zigarette) ist seit einigen Jahren auch in Deutschland erhältlich, doch aufgrund fehlender Studien über ihre gesundheitlichen Auswirkungen bislang stark umstritten. US-Forscher haben im Rahmen einer umfassenden Studie nun erstmal nachgewiesen, dass die E-Zigarette weit weniger schädlich ist als herkömmlicher Tabak.

Nikotin-Dampf statt Tabak-Qualm
Bei der sogenannten E-Zigarette wird kein Tabak verbrannt, sondern stattdessen flüssiges Nikotin-Konzentrat mit Hilfe eine Akkus verdampft und anschließend inhaliert. Das elektronische Imitat gleicht dabei einer herkömmlichen Zigarette bis in Detail. Der Geschmack wird mittels Aromastoffen simuliert und sogar die „Glut“ beginnt bei jedem Zug zu leuchten. Kritiker bemängeln allerdings, dass bislang die Risiken nicht ausreichend erforscht sind und Richtwerte für die Hersteller fehlen. Die EU-Kommission hat sich daher dazu entschieden, die Zulassung der E-Zigarette noch einmal zu überprüfen und die elektronischen Glimmstängel gegebenenfalls zu verbieten. Die US-Wissenschaftler Zachary Cahn von der University of California in Berkeley und Michael Siegel von der Boston University School of Public Health sprechen sich angesichts ihrer aktuellen Studienergebnisse jedoch eindeutig gegen ein Verbot der E-Zigarette aus. Sie sei weniger schädlich als herkömmlicher Tabak und könne einen schrittweisen, langsamen Ausstieg aus der Sucht ermöglichen, erklärten die US-Forscher.

E-Zigarette tausendmal weniger schädlich
Bei der Veröffentlichung ihrer Studienergebnisse in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Journal of Public Health Policy“ verweisen die US-Wissenschaftler darauf, dass der Rauch einer Zigarette etwa tausendmal mehr krebserregende Stoffe enthalte, als der Nikotin-Dampf einer elektronischen Zigarette. Zachary Cahn und Michael Siegel hatten für ihre jetzt veröffentlichte Untersuchung 16 verschiedenen Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen elektronischer Zigaretten und ihren Inhaltsstoffen ausgewertet. Zwar haben sie dabei nicht immer genau feststellen können, welche Beimischungen das Nikotin-Konzentrat der elektronischen Zigaretten enthielt, doch dies sei bei den herkömmlichen Tabakwaren ähnlich und „eigentlich wissen wir sogar genauer, was in den E-Zigaretten drin ist“, betonte Michael Siegel. Der inhalierte Nikotin-Dampf biete mit nur einem Tausendstel der krebserregenden Stoffe in jedem Fall eine gesündere Alternative zum herkömmlichen Tabak-Rauch, so das Fazit der US-Forscher. Außerdem habe die Auswertung der Studien Hinweise darauf ergeben, dass die E-Zigaretten Raucher bei der Entwöhnung unterstützen können. So könne die E-Zigarette das Rauchverlangen erheblich mindern und einen wirksamem Ersatz für Nikotin-Pflaster oder Kaugummis bilden, erklärten die Forscher. Denn mit dem imitierten Rauchen können Raucher ihre Gewohnheiten zunächst beibehalten, und gleichzeitig leichter die tägliche Dosis reduzieren. So werde in kleinen und verkraftbaren Schritten die Loslösung vom Tabak erhebliche erleichtert und die E-Zigarette biete eine gute Übergangsmöglichkeit zur Rauchfreiheit, erklärten die US-Wissenschaftler.

US-Forscher gegen Verbot der E-Zigarette
Angesichts ihrer Studienergebnisse sprechen sich Zachary Cahn und Michael Siegel massiv gegen ein mögliches Verbot der E-Zigarette aus. Dies wäre einerseits ungünstig für die betroffenen Raucher und würde anderseits ausschließlich der Tabakindustrie dienen, erklärten die beiden Wissenschaftler im „Journal of Public Health Policy“. Cahn und Siegel zufolge ist der gesundheitliche Nutzen der E-Zigaretten höher einzustufen als die offenen Fragen, die von den Kritiker der E-Zigarette bis heute angebracht werden. Ihre Studien würden eine objektive Beurteilung der gesundheitlichen Risiken von E-Zigaretten bieten und gewährleisten, dass die Tabakhersteller keinen Einfluss im Rahmen der Untersuchung nehmen konnten, erklärten die US-Forscher. Denn die einzigen, die von einem Verbot profitieren würden, seien „die Zigarettenhersteller, für deren Umsätze die tabakfreie Alternative eine Bedrohung darstellt“, betonte Michael Siegel. Obwohl auch nach Ansicht von Cahn und Siegel weitere Untersuchungen und Studien folgen müssen, um eindeutige Aussagen treffen zu können, wäre ein Verbot nach Einschätzung der beiden US-Wissenschaftler kontraproduktiv.

Kritiker sehen Risiko des steigenden Nikotinkonsums
Auch wenn die US-Forscher das Argument der E-Zigaretten-Kritiker, es würden Untersuchungen über die Inhaltsstoffe und deren Wirkungen fehlen, nun ein wenig entkräftet haben, bemängeln die Gegner der elektronischen Glimmstängel weiterhin zurecht die fehlenden Richtlinien und Vorschriften. Außerdem sehen sie trotz anderer Hinweise in der aktuellen Studie, die E-Zigarette eher als Einstiegsdroge und nicht als Ausstiegsmittel. Es bestünde große Gefahr, dass beispielsweise Jugendliche mit der E-Zigarette geködert werden könnten und so die Zahl der neuen Konsumenten bzw. das Problem des Nikotinkonsums noch verstärkt werde, so die Sorge der E-Zigaretten-Kritiker. Eine Entscheidung über den gesetzlichen Umgang mit den E-Zigaretten wird sowohl in den USA als auch in Europa für das kommende Jahr erwartet. (fp)

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