Ebola-Epidemie nimmt massive Ausmaße an

Heilpraxisnet

Ebola-Epidemie nimmt erschreckende Ausmaße an

16.07.2014

Die Ebola-Epidemie in Westafrika nimmt immer erschreckendere Ausmaße an. Bereits über 600 Menschen sind der gefährlichen Infektionskrankheit zum Opfer gefallen. Die Bekämpfung der Seuche falle schwer, auch weil viele Menschen abergläubisch seien oder glaubten, die Krankheit erledige sich von selbst.

„Ebola! Ebola! Ebola!“
Helfer des Roten Kreuzes, die derzeit in den Ebola-Gebieten in Westafrika unterwegs sind, werden in ihren Autos wie so oft von Kindern belagert. Doch statt „Red Cross!“ rufen die Kleinen, einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa zufolge, plötzlich „Ebola! Ebola! Ebola!“. Beispielsweisegeschehen in Kailahun, im äußersten Osten von Sierra Leone, wo die Seuche besonders heftig grassiert. „Ich glaube, dass die Menschen ganz langsam zu begreifen beginnen, dass es Ebola wirklich gibt und die Krankheit ganz real existiert“, meinte Katherine Mueller, die Sprecherin der Organisation in Afrika, während einer Reise in die Region. Zumindest sei der Name des gefährlichen Virus nun auch Kindern geläufig.

Aberglaube und Voodoo-Zauber sind mächtige Gegner der Ärzte
Dies war lange nicht so, da es sich schließlich um die erste Ebola-Epidemie in diesem Teil des Kontinents handelt. Aberglaube, Wunderdoktoren und Voodoo-Zauber hätten ihr Übriges getan und seien seit dem Ausbruch der Krankheit im vergangenen März die wohl mächtigsten Gegner der Ärzte. „Hier in Sierra Leone wenden sich viele Menschen zunächst an traditionelle Heiler, um behandelt zu werden“, so Mueller. „Oft ist es für sie zu spät, wenn sie endlich in eine der Krankenstationen kommen.“ Das Rote Kreuz musste erst wenige Stunden zuvor vier neue Leichen abholen. „Am frühen Nachmittag bekamen wir einen Anruf, dass sieben neue Patienten ins Behandlungszentrum gebracht würden.“ Es werde befürchtet, dass es noch viele weitere Menschen mit Symptomen gibt, die entweder von ihren Familienangehörigen versteckt werden oder in so abgelegenen Gegenden leben, dass sie noch nicht entdeckt wurden.

Keine verlässliche Behandlungsmethode bekannt
Symptome, die nach einer Inkubationszeit von zwei Tagen bis drei Wochen bei Infizierten auftreten können, ähneln denen einer beginnenden Grippe. So kommt es etwa zu plötzlichem Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen, zu einem allgemeinen Schwächegefühl und Halsschmerzen. Im Verlauf der Krankheit gehen auch Nieren- und Leberfunktion zurück und es können Symptome wie blutiger Durchfall, Übelkeit und Erbrechen sowie Blutungen aus den Schleimhäuten, Einblutungen in der Haut und vermehrte innere Blutungen auftreten. Etwa 60 bis 90 Prozent der Infizierten sterben an der Erkrankung. Übertragen wird der Erreger über Körperflüssigkeiten und kann daher leicht an Gesunde weitergegeben werden. Eine verlässliche Behandlungsmethode ist bislang nicht bekannt; daher beschränken sich Ärzte in der Regel darauf, das Immunsystem der Infizierten zu stärken und eine weitere Ausbreitung zu unterbinden.

Über 600 Menschen sind bereits gestorben
Lange waren die Nachbarländer Guinea und Liberia am heftigsten von dem Virus betroffen, doch nun dringen aus Sierra Leone die beunruhigendsten Zahlen vor. So wurden nach Angaben der WHO allein zwischen dem 8. und 12. Juli in allen drei Ländern 85 neue Ebola-Fälle verzeichnet, 49 von ihnen stammen aus Sierra Leone. In diesem kurzen Zeitraum starben in der gesamten Region 68 Patienten, 52 davon in der ehemaligen britischen Kolonie. Den Statistiken zufolge ist die Zahl der Fälle in Westafrika damit insgesamt auf 964 gestiegen. 603 Menschen sind bereits gestorben. „Und ich glaube nicht, dass wir schon den Höhepunkt der Epidemie erreicht haben“, sagte Mueller.

Experten mit pessimistischen Prognosen
Auch ihre Kollegen von „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) und den Vereinten Nationen stimmen der pessimistischen Prognose zu. „Es gibt immer noch Leute, die behaupten, dass es die Krankheit gar nicht gibt, und wieder andere denken, dass sie nicht behandelt werden muss“, erläuterte Manuel Fontaine, der Unicef-Regionaldirektor für West- und Zentralafrika. „Wenn wir die Übertragungskette von Ebola durchbrechen wollen, dann müssen wir mehr tun, als Patienten behandeln: Wir müssen an jede Tür klopfen, jeden Markt besuchen und in jeder Kirche und Moschee von Ebola erzählen.“ Allerdings seien dafür nicht nur dringend mehr Personal und Partner nötig, sondern auch finanzielle Mittel.

Epidemie kann noch monatelang andauern
Beobachter rechnen deshalb trotz aller Bemühungen und Maßnahmen damit, dass es noch Wochen oder sogar Monate dauern kann, bis die Epidemie unter Kontrolle gebracht wird. Die Bevölkerung träte den Helfern häufig geradezu feindlich gegenüber. So gebe es etwa rund um Guéckédou in Guinea mehr als 20 Dörfer, die den Medizinern den Zutritt verwehren, warnt „Ärzte ohne Grenzen“. Die Ärztin Hilde de Clerck, die für MSF bereits bei Ebola-Ausbrüchen unter anderem im Kongo und in Uganda im Einsatz war, berichtete: „In Macenta in Guinea sind 15 Mitglieder einer Familie an Ebola gestorben.“ Familienmitglieder hatten ihre Angehörigen, unter denen auch Kinder waren, vor dem Zugriff der Helfer versteckt. Nur das Familienoberhaupt und seine Frau konnten gerettet werden. „Es reicht eben nicht, einzelne Mitglieder einer Familie von unserer Arbeit zu überzeugen, wir müssen das Vertrauen jedes einzelnen gewinnen.“

Auch Helfer leiden – physisch und psychisch
Am meisten haben natürlich die Kranken und ihre Familien zu leiden, doch auch für die Helfer ist die Arbeit in den Einsatzgebieten nicht leicht, weder physisch noch psychisch. Wie Ärzte und Pfleger berichteten, seien die futuristischen Anzüge, die den ganzen Körper bedecken, bei den hohen Temperaturen in der Region nur schwer zu ertragen. Doch vor allem sei der Umgang mit Ebola-Patienten emotional enorm schwierig. „Die Patienten sind hochgradig verängstigt“, so de Clerck. „Wir sind die letzten Menschen, die sie berühren, und viele von ihnen bitten uns, ihre Hand zu halten.“ Es sei eine schwere Entscheidung, einem Sterbenden eine letzte Berührung zu verweigern. Doch bei Ebola handelt es sich um einen unsichtbaren, unter der Haut lauernden Gegner, der nur durch harte Maßnahmen besiegt werden könne. (ad)

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