Ebola-Panne bei der US-Seuchenschutzbehörde

Heilpraxisnet

Erneute Sicherheitspanne bei der CDC – Mitarbeiter möglicherweise mit Ebola infiziert

25.12.2014

Die Seuchenschutzbehörde der USA (Centers for Disease Control and Prevention; CDC) steht nach einer schweren Sicherheitspanne beim Umgang mit dem Ebola-Virus derzeit massiv in der Kritik. Wie die US-amerikanische Nachrichtenagentur „The Associated Press“ (AP) berichtet, ist mindestens ein Labormitarbeiter fälschlicherweise mit Proben in Kontakt gekommen, die lebende Ebola-Viren enthielten. Schlimmstenfalls könnte sich der CDC-Mitarbeiter dabei mit dem tödlichen Virus infiziert haben.

Die Panne ereignete sich am Montag, als eine Probe der Ebola-Viren von einem Hochsicherheitslabor der CDC in ein anderes Labor auf der gleichen Etage geschickt werden sollte. Eine falsche Probe, in der möglicherweise noch lebende Ebola-Viren enthalten waren, wurde auf den Weg gebracht. Das zweite Labor verfügte allerdings nicht über die Ausrüstung, um Lebendviren sicher zu handhaben, berichtet die „AP“. Zwar habe der Mitarbeiter Handschuhe und einen Schutzanzug getragen, aber keinen Gesichtsschutz, so die Mitteilung der US-amerikanischen Tageszeitung „The Seattle Times“. Demnach könnte sich der Labortechniker mit dem Virus infiziert haben. Auch weitere Mitarbeiter seien möglicherweise in Kontakt mit den Viren gekommen. Der Vorfall reiht sich ein in eine Reihe von Sicherheitspannen bei der CDC während der vergangenen Monate. Hier scheinen zusätzliche Anpassungen der internen Sicherheitsmaßnahmen bei der US-amerikanischen Seuchenschutzbehörde dringend erforderlich.

Mitarbeiter werden für 21 Tage beobachtet
Entdeckt wurde die Verwechslung der Proben laut Mitteilung der „AP“ am Dienstag. Im Interview erklärte Dr. Stuart Nichol, Chef der CDC „Viral Special Pathogens Branch“, die Panne sei auf menschliches Versagen zurückzuführen. CDC-Pressesprecherin Barbara Reynolds betonte, dass Labor sei nach dem Vorfall zweimal dekontaminiert worden und die mögliche Exposition der Mitarbeiter sei der nationalen Gesundheitsministerin Sylvia Burwell gemeldet worden. Der betroffene Labortechniker werde 21 Tage (Inkubationszeit des Virus) auf die typischen Ebola-Symptomeüberwacht und andere Mitarbeiter (weniger als ein Dutzend), die in dem Labor tätig waren, werden auf eine mögliche Exposition überprüft. Laut CDC-Sprecher, Thomas Skinner, scheinen bislang jedoch keine weiteren Personen betroffen. Für die Öffentlichkeit bestehe kein Risiko, da die falschen Proben das CDC-Gelände nicht verlassen haben.

Vermehrte Sicherheitspannen bei den CDC
Die aktuelle Sicherheitspanne ist laut Angaben der „Seattle Times“ besonders beunruhigend, weil der Seuchenschutzbehörde CDC in den vergangenen Monaten beim Umgang mit gefährlichen Proben von Anthrax- (Milzbrand) und Grippeerregern ähnliche Missgeschicke unterliefen. So hatten CDC-Wissenschaftler im Juni Anthrax-Proben, die statt abgetöteter Viren lebende Milzbranderreger enthielten, versehentlich an Laboratorien versandt, die für den Umgang mit den gefährliche Krankheitserregern nicht ausgerüstet waren. Dutzende von Mitarbeitern mussten daraufhin vorsorglich mit Antibiotika behandelt werden. In einer anderen Panne hatte ein CDC-Labor eine relativ harmlose Probe von Grippeviren versehentlich mit dem gefährlichen H5N1-Grippevirus kontaminiert und die Probe anschließend an das Landwirtschaftsministerium geschickt. Dort wurde der Fehler glücklicherweise beim Empfang der Probe entdeckt und daher niemand infiziert.

Verbesserungen der Sicherheitsvorkehrungen lassen auf sich warten
Der CDC-Direktor Dr. Thomas Frieden wurde nach den Vorfällen mit den Grippe- und Milzbrandproben bereits vor den Kongress geladen und musste hier schwere Fehler der CDC einräumen. Auch hatte Dr. Frieden bestätigt, dass die Fehler nicht als nicht isolierte Pannen, sondern als Folge der insgesamt unsicheren Praktiken zu bewerten seien. Der CDC-Direktor erklärte, dass allen Verantwortlichen der Handlungsbedarf bewusst sei und kündigte an, die Sicherheitsverfahren deutlich zu verbessern. Hierfür wurde auch eine Gruppe von externen Beratern hinzugezogen. „Ich arbeite daran, bis das Problem behoben ist“, betonte Dr. Thomas Frieden noch im Juli. Offenbar hat sich seither jedoch nur wenig getan und so geht das Vertrauen in die CDC, welche seit langem als eines der angesehensten wissenschaftlichen Forschungszentren der Welt galten, zunehmend verloren.

Sicherheitsexperten entsetzt
Der Molekularbiologe und Experte für biologische Waffen Richard Ebright von der Rutgers University zeigte sich angesichts der aktuellen Sicherheitspanne mit dem Ebola-Virus empört und erklärte gegenüber der Presse: „Sie scheinen zum Lernen nicht in der Lage zu sein.“ Der Vorfall sei unentschuldbar. Seiner Auffassung nach sollten alle Labore, die Proben von abgetöteten Viren produzieren, diese vor Versendung testen, um sicherzustellen, dass die Erreger tot sind. Zudem müssten Labore, welche die Proben erhalten, diese beim Eingang testen. Ansonsten bestehe weiterhin die Gefahr, dass vermeintlich inaktivierte Proben bei Sicherheitsvorkehrungen „ähnlich denen in einer Zahnarztpraxis“ bearbeitet werden, so Ebright. Auch der Professor für Industrie- und Anlagentechnik an der University of Southern California und Experte für Sicherheitsmängel durch menschliches Versagen, Najemddin Meshkati, betonte, er sei „sprachlos“. Dies sei ein weiterer Hinweis darauf, dass die CDC ihre Sicherheitskultur dringend verbessern müssen.

Die aktuelle Panne beim Umgang mit dem Ebola-Virus ist zudem besonders kritisch zu bewerten, weil sämtliche Infektionen, die im Zuge der aktuellen Ebola-Epidemie auf amerikanischem Boden erfolgten, Labormitarbeiter beziehungsweise medizinische Angestellte betrafen. Dies kann durchaus als Hinweis auf die Schwächen in den Sicherheitsvorkehrungen gewertet werden. Im Sinne der Mitarbeiter, aber auch des allgemeinen Infektionsschutzes, scheinen daher Verbesserungen zwingend erforderlich. (fp)

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