Ebola-Top-Virologe aus Sierra Leone ist tot

Heilpraxisnet

Ebola-Experte in Sierra Leone gestorben

30.07.2014

Der Arzt und Top-Virologe Sheik Umar Khan hatte in Westafrika mehr als 100 Ebola-Infizierte behandelt und sich dabei offenbar selbst infiziert. Nun ist er der gefährlichen Infektionskrankheit erlegen. Der in seiner Heimat als „Nationalheld“ titulierte Mediziner hätte möglicherweise in Hamburg behandelt werden sollen.

Arzt hatte mehr als 100 Ebola-Infizierte behandelt
Sheik Umar Khan ist tot. Dies teilten seine Ärzte am Dienstagabend auf Twitter mit. Der Arzt und Top-Virologe, der 39 Jahre alt wurde, hatte in Westafrika mehr als 100 Ebola-Infizierte behandelt und sich dabei vor kurzem offenbar selbst infiziert. Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa erklärten die Mediziner der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“, sie seien traurig über den Verlust von Sheik Umar Khan, ihren Patienten und Kollegen, „einen inspirierenden Mann“. Der in seiner Heimat Sierra Leone als „Nationalheld“ bezeichnete Mediziner hätte unbestätigten Berichten zufolge möglicherweise in Hamburg behandelt werden sollen.

Patient hätte möglicherweise in Hamburg behandelt werden sollen
Am Dienstag lagen den Angaben des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) zufolge Anfragen für die Behandlung von zwei Infizierten vor. Von Seiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) war angefragt worden, ob der Mitarbeiter einer Gesundheitsorganisation dort betreut werden könnte. Es könnte sich dabei um Umar gehandelt haben, der als einer der führenden Ärzte im Kampf gegen die Ebola-Epidemie galt. Zudem gebe es seit Montag eine Anfrage für einen zweiten möglichen Patienten aus Liberia, wie Stefan Schmiedel von der Sektion Tropenmedizin der Bernhard-Nocht-Klinik in Hamburg am Dienstagnachmittag mitteilte.

Viele helfende Ärzte und Krankenschwestern sind bereits gestorben
Auch zahlreiche andere Ärzte und Krankenschwestern haben sich bei ihrer Arbeit angesteckt, der Großteil von ihnen überlebte dies nicht. So war bereits vor wenigen Wochen ein ugandischer Arzt in Liberia gestorben und am Wochenende erlag einer der führenden Mediziner des John F. Kennedy Medical Center in Monrovia der Krankheit. Des Weiteren sind zwei Amerikaner, die für eine Hilfsorganisation arbeiten, erkrankt. Übertragen werden können die Ebola-Viren über Fäkalien, Blut und andere Körperflüssigkeiten. Da Durchfall, Erbrechen sowie innere und äußere Blutungen als typische Ebola-Symptome gelten, ist die Gefahr einer Infektion der Mitmenschen besonders groß. Für medizinisches Personal ist der Kontakt mit den Körperflüssigkeiten nur schwer vermeidbar.

Fehlende Kooperation der Bevölkerung
Die fehlende Kooperation der Bevölkerung sei das Hauptproblem der aktuellen Epidemie in Westafrika. „Da haben sie keine Chance“, meinte der Leiter der Virologie am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, Professor Stefan Günter. Zudem hätten Aberglaube, Wunderdoktoren und Voodoo-Zauber ihr Übriges getan und gehörten zu den wohl mächtigsten Gegner der Ärzte, wie vor kurzem mitgeteilt wurde. Die Sprecherin des Roten Kreuzes in Afrika, Katherine Mueller, erklärte vor wenigen Wochen: „Hier in Sierra Leone wenden sich viele Menschen zunächst an traditionelle Heiler, um behandelt zu werden.“ Nach dem Besuch in Sierra Leone sagte sie, dass die Skepsis der Menschen gegenüber den Ärzten weiterhin das größte Problem bleibe. Zudem blieben viele Westafrikaner der Auffassung, dass Ebola gar nicht existiert.

Einem medizinischen Desaster zuvorkommen
Die Möglichkeit einer intensivmedizinischen Behandlung sei ein psychologisches Signal an die Helfer in Afrika aber das könne man nicht für alle Betroffenen machen. Das Kinderhilfswerk Plan fordert am Dienstag gemeinsame internationale Anstrengungen, „um die Ausbreitung der Ebola-Epidemie zu stoppen und einem medizinischen Desaster zuvorzukommen.“ Der Katastrophenschutz-Experte bei Plan, Unni Krishnan, erklärte: „Ebola ist nicht mehr nur ein regionales Problem, das Virus ist zu einer medizinischen Krise von weitreichendem Ausmaß geworden.“ Er forderte: „Jetzt muss die internationale Gemeinschaft dagegen vorgehen, ehe es zu spät ist.“

Schwerste Ebola-Epidemie der Geschichte
Im März war die bislang schwerste Ebola-Epidemie der Geschichte in Guinea ausgebrochen und hatte sich rasch in die Nachbarländer Liberia und Sierra Leone ausgebreitet. Erst kürzlich wurde ein erster Fall in Nigeria bekannt, woraufhin die staatliche Luftaufsichtsbehörde Konsequenzen zog und der Airline ASky mit sofortiger Wirkung untersagte, Ziele in dem Land anzusteuern. Ein Mann aus Liberia war in der vergangen Woche mit Ebola-Symptomen in einer ASky-Maschine nach Lagos gereist. Am Flughafen der größten Stadt Nigerias brach er zusammen und starb wenige Tage später in Quarantäne. Bei dem aktuellen Ausbruch handelt es sich um den ersten der Krankheit in Westafrika. Laut neuen Zahlen der WHO gab es es bis zum 23. Juli insgesamt 1.201 Fälle, 672 Menschen starben an der Seuche. (ad)

Bild: Cornelia Menichelli / pixelio.de