Ebola-Viren erreichen Millionenstadt im DR Kongo

Volker Blasek

WHO entscheidet heute, ob ein internationaler Notfall ausgerufen wird

Zur Zeit kämpfen die Regierung der Demokratischen Republik Kongo (DRK) mit Hilfe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und anderen Partnern gegen die Ausbreitung von Ebola-Viren. In der Region wurden kürzlich über 40 Verdachtsfälle gemeldet, drei Fälle wurden bereits im Labor bestätigt. Für großes Aufsehen sorgte der dritte bestätigte Fall. Während die ersten Fällen eher in abgelegenen Gebieten auftraten, kam der jüngste aus Mbandaka, der Hauptstadt der Provinz Équateur im Nordwesten des Landes. Mbandaka zählt mit rund 1,2 Millionen Einwohnern zu den größten Städten des DR Kongo.


In Laboruntersuchungen des „Instituts National de Recherche Biomédicale“ (INRB) wurde zweifelsfrei festgestellt, dass es sich um das gefährliche Ebola-Virus handelt. Die ersten gemeldeten Fälle wurden aus der Bikoro-Gesundheitszone gemeldet, die rund 150 Kilometer von der Hauptstadt entfernt liegt. Wenn sich das Virus in der Stadt ausbreitet, könnte dies katastrophale Folgen nach sich ziehen. Erschwerend kommt hinzu, dass das Gebiet um Bikoro, in der die ersten Gesundheitseinrichtungen aufgebaut wurden, schwer zugänglich ist und viele Straßen wegen der aktuellen Regenzeit unpassierbar sind.

Die Ebola-Viren erreichen die Millionenstadt Mbandaka in der Demokratischen Republik Kongo. Kann eine Epidemie noch verhindert werden? (Bild: Gino Santa Maria/fotolia.com)

Der WHO-Generaldirektor bleibt optimistisch

„Dies ist eine beunruhigende Entwicklung, aber wir haben jetzt bessere Instrumente als jemals zuvor, um Ebola zu bekämpfen“, berichtet Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, WHO-Generaldirektor, in einer Pressemitteilung zu der aktuellen Lage. Die WHO und ihre Partner würden entschlossene Maßnahmen ergreifen, um die weitere Ausbreitung der Viren zu stoppen.

30 Experten überwachen die Stadt

Die WHO setzt rund 30 Experten für die Überwachung in der Hauptstadt ein und arbeitet mit dem Gesundheitsministerium und weiteren Partnern zusammen. Der Fokus liegt in der Prävention weiterer Fälle sowie in der Behandlung akuter Erkrankungen und der Meldung neuer Fälle.

Besorgniserregende Entwicklung

„Die Ankunft von Ebola in einem städtischen Gebiet ist sehr besorgniserregend“, erläutert Dr. Matshidiso Moeti, WHO-Regionaldirektor für Afrika. Die Suche nach allen Kontakten des bestätigten Falles im Gebiet Mbandaka müsse schnell vorangetrieben werden. In speziellen Isolationsabteilungen sollen die Ebola-Patienten behandelt und die weitere Ausbreitung eingedämmt werden. Mit dem Stand vom 15. Mai 2018 berichtet die WHO von 44 Verdachtsfällen, davon 20 wahrscheinlich, 21 vermutet und drei laborbestätigt.

Notfalltreffen

Die WHO wird heute (18. Mai 2018) ein Notfalltreffen abhalten, um das Risiko der weiteren Ausbreitung zu diskutieren und abzuschätzen. Das Gremium wird entscheiden, ob ein Notfall von internationaler Bedeutung ausgerufen wird. Die Millionenstadt Mbandaka gilt als ein Verkehrsknotenpunkt am Kongo, was die Befürchtung aufkommen lässt, dass sich das Virus von hier aus weiter in alle umliegenden Regionen und Länder ausbreiten könnte.

Vergleiche mit früheren Ausbrüchen

„Das Potenzial für eine explosionsartige Zunahme der Fälle ist jetzt da“, warnt Peter Salama, stellvertretender Generaldirektor der WHO für Notfallmaßnahmen gegenüber „BBC News“. Es bestehe die Gefahr, dass sich das Virus bis in die Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo (Kinshasa; 11 Millionen Einwohner) sowie in die Nachbarstaaten Kongo-Brazzaville und die Zentralafrikanischen Republik ausbreitet. In dem tödlichen Ebola-Ausbruch von 2014 bis 2016 in Westafrika hat sich gezeigt, dass es erst zu einer kritischen Entwicklung kam, als sich das Virus in den Hauptstädten Guineas, Sierra Leones und Liberias ausbreitete. Damals kamen 11.000 Menschen ums Leben.

Über Ebola

Ebola ist eine ansteckende Krankheit, die innere Blutungen verursacht und oft tödlich endet. Das Virus breitet sich schnell durch Kontakt mit kleinen Mengen Körperflüssigkeit aus. Ebola-Symtome zeigen sich häufig zunächst durch grippeähnliche Symptome wie Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Halsschmerzen und hohes Fieber. Im weiteren Verlauf leiden die Betroffenen unter massivem Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Hinzu kommen die typischen inneren Blutungen, die durch das sogenannte hämorrhagische Fieber ausgelöst werden. Zusätzlich können Leber- und Nierenfunktionsstörungen mit Ödemen, Schockzuständen und Kreislaufzusammenbrüchen, Krämpfen und Lähmungserscheinungen auftreten. Blutungen im Magen-Darm-Kanal, der Milz und in der Lunge können zum Tod der Betroffenen führen. (vb)