EHEC-Epidemie überstanden

Fabian Peters

Keine EHEC-Neuinfektion seit zwei Wochen

21.07.2011

Die EHEC-Epidemie in Deutschland scheint den Angaben der Gesundheitsbehörden zufolge überstanden. Die während der Infektionswelle erlassenen Verzehr-Warnungen wurden aufgehoben. Sprossen und Keimlinge können wieder unbesorgt gegessen werden. Lediglich für die Bockshornkleesamen aus Ägypten sowie die daraus gezogene Sprossen gelten weiterhin die Warnungen der Behörden. Da diese als Quelle der neuen besonders aggressiven EHEC-Erreger vermutet werden, sollen sie auch weiterhin nicht roh verzehrt werden.

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In einer gemeinsamen Mitteilung haben das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die wegen der EHEC-Epidemie erlassenen Verzehr-Warnungen aufgehoben. Die letzte EHEC-Infektion in Deutschland sei am 07. Juli zu verzeichnen gewesen. Seither zeigten keine weiteren Personen hierzulande entsprechende EHEC-Symptome, berichtet das RKI. Nachdem die EHEC-Infektionswelle mehr als zwei Monate lang vor allem in Norddeutschland grassierte, scheint die Epidemie nun überstanden, so die Behörden weiter. Insgesamt waren den Angaben des RKI zufolge in Deutschland seit Mai mehr als 4.300 Menschen an einer Infektion mit dem neuen, besonders gefährlichen EHEC-Erreger H104:O4 und der Folgeerkrankung des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) erkrankt. 49 Personen verstarben in Folge der EHEC-Infektion.

Warnung für Sprossen aufgehoben
Obwohl die letzte EHEC-Infektion bereits Wochen zurückliegt und die Epidemie insgesamt als überstanden gewertet werden kann, gaben die Behörden keine generelle Entwarnung. Denn auch in Zukunft könne es zu vereinzelten Infektionsausbrüchen kommen, da sich die Erreger in unserer Umwelt eingenistet haben und bereits infizierte Personen die Bakterien unwissentlich an ihre Mitmenschen weitergeben können. Die als vermeintlich Ursache der EHEC-Infektionen identifizierten Bockshornkleesamen aus Ägypten, die zwischen 2009 und 2011 in die EU importiert wurden, müssten jedoch vom Markt genommen und vernichtet werden, so dass von ihnen keine direkte Gefahr mehr ausgehen könne. Außerdem hätten die Ermittlungen in den einzelnen Bundesländern gezeigt, dass die EHEC-Erreger bei Importeuren, Zuchtbetrieben oder Zwischenhändler nicht auf andere Sprossen-Sorten überspringen können. Die Bockshornkleesprossen seien zudem die einzige Quelle der EHEC-Infektionen (abgesehen von der anschließenden Übertragung durch Menschen), eine Infektion durch andere Sprossen-Sorten sei nicht bekannt. Daher können die Verzehr-Warnungen für alle anderen Sprossen aufgehoben werden, berichteten das BfR, RKI und BVL.

EHEC-Erreger auch in Zukunft ein Risiko
Die neuen, besonders aggressiven EHEC-Erreger sind jedoch nicht einfach verschwunden. Sie könnten auch in Zukunft erneut ähnlich gravierende Epidemien auslösen, wenn die Keime in die Lebensmittelerzeugung und -verarbeitung gelangen. So stellt sich für die Zukunft die Frage nach einer verbesserten Kontrolle insbesondere bei Risikoprodukten, wie den roh verzehrten Sprossen. Hier scheinen unter Umständen auch gesetzliche Nachbesserungen erforderlich, um die Kontrolle auf EHEC-Erreger künftig zu institutionalisieren. Allerdings bedürfte es entsprechender Regelungen für den Import von Produkten, da die Quelle der Keime – wie die überstandenen EHEC-Epidemie verdeutlicht – auch im Ausland liegen kann. Insgesamt bleibt bei den Verbrauchern nach der EHEC-Infektionswelle ein Gefühl der Verunsicherung bestehen, nicht zuletzt weil das Krisenmanagement nach dem Auftreten der ersten Infektionsschübe eher ungenügend funktionierte. Abwechselnd wurden Gurken, Tomaten oder Salat als mögliche Infektionsquellen genannt, bevor der Verdacht auf die Sprossen fiel. Je schneller die tatsächliche Quelle der Infektionen jedoch gefunden ist, desto geringer ist das Ausbreitungsrisiko einer möglichen EHEC-Epidemie. (fp)