EHEC: Ermittlungen gegen Biobauernhof

Sebastian

EHEC: Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungsverfahren gegen Biohof Bienenbüttel

27.06.2011

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Oldenburg wird gegen den Biohof in Bienenbüttel in Niedersachsen aufgrund der mit EHEC Bakterien kontaminierten Sprossen ermittelt. Zum Teil erheben die Ermittlungsbehörden schwere Straftatbestände gegen den Biobauernhof. Währenddessen haben einige Wissenschaftler vor einer EHEC Übertragung durch das Trinkwasser gewarnt.

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Zahlreiche Straftatbestände werden überprüft
Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat gegen den niedersächsischen Biohof in Bienenbüttel ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Aufgrund der mit EHEC verseuchten Sprossen habe sich der Hof wohl möglich gleich mehrerer Vergehen schuldig gemacht. So prüfen die Ermittlungsbehörden derzeit den Vorwurf aufgrund eines „Verstoßes gegen das Lebensmittelrecht“, das „Inverkehrbringen toxischer Substanzen“ sowie der „fahrlässigen Körperverletzung“. Da die Infektionskrankheit insgesamt 42 Todesopfer verursacht hatte, wird auch der Tatvorwurf „fahrlässige Tötung“ geprüft. Die Ermittlungen wurden allerdings nicht aufgrund einer Behördenermittlung in Gang gesetzt, sondern durch eine Anzeige eines einzelnen Bürgers. So betonte der leitende Staatsanwalt Rainer du Mesnil de Rochemont, die Ermittlungen beruhen auf einer Strafanzeige eines „gut informierten Bürgers“. Mittlerweile bestätigt ist die Annahme der Gesundheitsbehörden, die Sprossen haben den gefährlichen Erreger in Umlauf gebracht. Als Quelle der Infektionswelle wurde der Biohof ausfindig gemacht.

Strafantrag liegt schon länger vor
Bereits kurz nach dem EHEC Fund in dem Betrieb hatte die Staatsanwaltschaft in Lüneburg mitgeteilt, dass ein Strafantrag aufgrund der fahrlässigen Tötung sowie der „gemeinschaftlichen Vergiftung“ vorliege. Die Anzeige wurde daraufhin an die Zentralstelle für Landwirtschaftsstrafsachen in Oldenburg weitergeleitet. Dort werden die Anschuldigungen mit dem Wissen der Verbreitungsursache geprüft. Ist die Prüfung abgeschlossen, wird auch über eine eventuelle Einleitung eines Strafverfahrens entschieden. Die Anzeige wurde durch einen Privatbürger eingereicht, der selbst nicht von der Erkrankung betroffen war, aber fundiertes Wissen über die Materie verfügt. Einige Tage vor der Anzeige war bekannt geworden, dass der Biobetrieb unter dem Verdacht steht, die Sprossen mir dem Erregertyp O104 zu verbreiten. In dem Produktionsbetrieb selbst war eine Mitarbeiterin erkrankt und zeigte die typischen EHEC Symptome.

Biobauernhof schon 25 Jahre ohne Probleme am Markt
Der Betrieb verkauft seit dem behördlichen Fund keinerlei Waren mehr. Seit 25 Jahren wurden von dem Biobauernhof Sprossen verschiedenster Sorten gezüchtet. Erst im Januar diesen Jahres hatte man die Erzeugnisse auf bakterielle Verunreinigungen prüfen lassen. Dabei sei es zu keinerlei Negativfunden gekommen, wie die Geschäftsführung betont. Aufgrund der EHEC Vorfälle habe der Betrieb selbstständig im Mai Sprossen-Mischungen und Sprossen auf EHEC Keime untersuchen lassen. Auch diese Testungen waren nach Angaben des Betriebs negativ. Zu den Ermittlungen wollte der Betrieb keine Stellung nehmen. Auf der Internetseite des Unternehmens zeigt man sich über die Funde zutiefst „erschüttert“. Die Behörden werden zu prüfen haben, ob der Betrieb fahrlässig gehandelt hat und die Hygiene-Bestimmungen eingehalten wurden.

EHEC Verbreitung durch das Trinkwasser?
Unterdessen warnen einige Wissenschaftler vor EHEC Verunreinigungen im Trinkwasser. So sagte Martin Exner, Direktor des Hygiene-Instituts der Uni-Klinik Bonn und Vorsitzender der Trinkwasser-Kommission des Umweltbundesamts gegenüber dem „Spiegel“, dass die „Gefahr durch eine mikrobiologische Belastung des Trinkwassers“ bislang unterschätzt wurde. Die Forscher gehen der Annahme nach, dass der Keim die Fähigkeit besitzt, sich auch außerhalb des Darms in der Umwelt einzunisten. Das Bakterium werde so versuchen, irgendwann in den Menschen zu kommen, warnte Helge Karch, Vorsitzender des Instituts für Hygiene des Universitätsklinikums Münster. Allerdings sei die Gefahr in Großstädten eher gering, weil dort das Trinkwasser mehrmals täglich getestet werde. Anders ist die Lage auf dem Land. Dort existieren nur kleine Anlagen. Laut einer Analyse der Weltgesundheitsorganisation WHO seien in 5 Prozent der Proben aus kleinen Wasserwerken Bakterien gefunden worden. Und in jedem zweiten Brunnen waren Darmbakterien enthalten.

Umweltbundesamt warnt vor Panikmache einzelner Wissenschaftler
Das Bundesumweltamt warnt indes vor vorschnellen Analysen und Panikmache. Eine Gefahr ausgehend des Trinkwassers schließe man aus. Gegenüber der Zeitung warnte der Präsident Jochen Flasbarth vor „Panikmache. Unabhängige Forscher der Trinkwasser-Kommission des Umweltbundesamtes hatten eine EHEC Gefahr durch das Trinkwasser ausgeschlossen. EHEC Bakterien kommen sehr selten im Abwasser oder Gewässern vor. „Da der Anteil an EHEC- Kranken in der Bevölkerung sehr gering ist, gibt es unter den im Abwasser vorkommenden Darmbakterien nur in Ausnahmen EHEC.“, so Flasbarth. „Bislang gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass der EHEC-Stamm, der die aktuelle Erkrankungswelle auslöste, sich in Gewässern vermehren kann.“ Dies würden auch alle vorliegenden Daten bestätigten. (sb)