EHEC-Erreger im Erlenbach

Fabian Peters

EHEC-Erreger im Frankfurter Erlenbach

20.06.2011

Frankfurt. Der EHEC-Fund im Frankfurter Erlenbach ist klaut Aussage des EHEC-Experten Professor Doktor Helge Karch vom Institut für Hygiene der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ein Anzeichen dafür, dass die gefährlichen Keime derzeit vermehrt von Menschen ausgeschieden werden und sich anschließend in unserer Umwelt einnisten. Zwar geht die Anzahl der EHEC-Neuinfektionen seit Tagen deutlich zurück, doch in der Umwelt bleibe der gefährliche Erreger weiterhin erhalten. „Daher müssen wir jetzt auch Strategien entwickeln, wie wir ihn dauerhaft wieder beseitigen können“, erklärte Helge Karch.

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Insgesamt wurden seit dem Ausbruch der EHEC-Epidemie 3.494 EHEC-Infektionen und 39 EHEC bedingte Todesfälle in Deutschland beim Robert-Koch-Institut gemeldet. Als eindeutige Infektionsquelle haben die zuständigen Behörden einen Biohof im Landkreis Uelzen identifiziert. Doch nun scheinen sich die gefährlichen Keime auch in der allgemeinen Umwelt auszubreiten, wie der EHEC-Fund im Frankfurter Erlenbach vermuten lässt. Obwohl keine eindeutigen Bestätigungen aus dem Labor vorliegen, gehen Experten davon aus, dass sich die neuen EHEC-Erreger des Stammes HUESC 041 vom Serotyp O104:H4 durch die menschlichen Ausscheidungen derzeit massiv in der Umwelt verbreiten.

EHEC-Erreger verbreiten sich in der Umwelt
Die neuen, besonders aggressiven EHEC-Erreger sind laut Aussage des Münsteraner EHEC-Experten Helge Karch besonders widerstandsfähig und können so nach der Ausscheidung auch unter ungünstigen Bedingungen über einen relativ langen Zeitraum überleben. Damit steigt das Verbreitungsrisiko deutlich. Dass die Erreger nun offenbar im Erlenbach nachgewiesen wurden, könnte demnach ein Hinweis auf die wachsende Ausbreitung der gefährlichen Erreger sein, vermuten die Experten. Dem Münsteraner EHEC-Fachmann Helge Karch zufolge scheiden derzeit „viele Menschen den Erreger aus“, so dass nicht ausgeschlossen werden könne, „dass er sich in unserer Umwelt bereits eingenistet hat“. Da die Probe des Erlenbachs in Nähe einer Kläranlage entnommen wurde, könnte das Wasser über die menschlichen Ausscheidungen kontaminiert worden sein. Durch Kläranlagen werde das Abwasser generell nicht auf einen hygienisch unbedenklichen Zustand gereinigt, sondern die Abflüsse enthaltenen grundsätzlich eine erhöhtes Maß an Keimen, weshalb die zuständigen Behörden in Hessen grundsätzlich vom Baden in Fließgewässern abraten, erklärte eine Sprecherin des hessischen Sozialministeriums. Auch der Sprecher des Umweltbundesamtes, Stephan Gabriel Haufe, erklärte am Montag in Dessau, dass eine derartige Keimbelastung „für Gewässer direkt im Anschluss zur Kläranlage nichts Ungewöhnliches“ sei.

EHEC-Kontamination des Trinkwassers ausgeschlossen?
Eine mögliche Kontamination des Trinkwassers durch die neuen, besonders gefährlichen EHEC-Erreger schlossen das hessische Sozialministerium und das hessische Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz jedoch aus. Bei einer gemeinsamen Presseerklärung teilte die Sprecherin des Hessischen Sozialministeriums mit, dass keine „Verbindung des Baches zur öffentlichen Trinkwasserversorgung besteht“ und daher „keine Gefahr einer Kontamination des Trinkwassers“ vorliege. In dem Frankfurter Erlenbach seien auch schon bei früheren Proben gelegentlich Keime nachgewiesen worden – auch Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC). Die Ergebnisse der neuen, am Freitag genommenen Proben werden in den kommenden Tagen erwartet. Da von einer zunehmenden Verbreitung der Erreger in der Umwelt auszugehen sei, hatte das Hessische Sozialministerium erneut eindringliche auf die Einhaltung bestimmter Hygienestandards hingewiesen. Zum Beispiel sollte beim Umgang mit EHEC-Infizierten besonders auf die Hygiene geachtet werden, weil die Betroffenen auch noch längere Zeit nach dem Abklingen der EHEC-Symptome die gefährlichen Erreger übertragen können, so die Mitteilung des Sozialministeriums. Dem Münsteraner EHEC-Papst Helge Karch zufolge ist jedoch davon auszugehen, dass sich der neue EHEC-Erreger ohnehin derzeit vermehrt in der Umwelt ausbreitet, so dass jetzt auch Strategien entwickelt werden müssen, „wie wir ihn dauerhaft wieder beseitigen können.“ (fp)