Eifersucht evolutionär sinnvoll – aber macht blind

Astrid Goldmayer

Forschung: Eifersucht ist evolutionärer Sicht sinnvoll

05.04.2012

Eifersucht ist in vielen Beziehungen ein schwieriges Thema, denn dominiert sie in einer Partnerschaft, kann sie diese zerstören. Deutsche Wissenschaftler zeigten jetzt anhand von Tierbeobachtungen auf, dass Eifersucht evolutionsbiologisch sinnvoll ist.

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Auch Tiere sind eifersüchtig
Unverhältnismäßige Eifersucht kann zum Beziehungskiller werden. Tiere nutzen dieses Gefühl, um die eigene Stellung innerhalb einer Gruppe zu sichern. Inzwischen scheint unter Experten klar zu sein, dass Eifersucht evolutionär sinnvoll ist. In der Fachzeitschrift „Animal Behaviour“ wurde jüngst eine Studie zu diesem Thema zweier Zoologinnen der Universitäten Regensburg und Greifswald veröffentlicht.

Konstanze Krüger und ihre Kollegin Gudrun Schneider beobachteten für ihre Studie vier Gruppen von verwilderten Pferden mit insgesamt 84 Esperia-Ponys in den italienischen Abruzzen. Es zeigte sich, dass vor allem hierarchisch höher gestellte Stuten immer dann dazwischen gingen, wenn Gruppenmitglieder, zu denen sie engen Kontakt hatten, andere Pferde „beknabberten“. „Knabbern“ ist ein Zeichen für Zuneigung unter Pferden. Die ranghohen Stuten scheuchten die Konkurrenten weg und „beknabberten“ sich dann selbst mit dem ihnen nahestehenden Tier. Die Reaktion der Stute galt dabei immer dem fremden Tier und nicht dem Sozialpartner. Die Wissenschaftlerinnen schlossen daraus, dass es für hierarchisch hochgestellte Pferde vorteilhaft ist, ihre Sozialpartner innerhalb der Gruppe von anderen Tieren fernzuhalten.

„Hier geht es um Ressourcen – nämlich um die Zahl der Sozialpartner, mit denen weitere Ressourcen und Nachkommen verteidigt und die Stellung in der Hierarchie der Gruppe gesichert werden kann“, berichtet Konstanze Krüger. „Die ranghohen Stuten wollen ohne größeren Aufwand und ohne allzu hohes Risiko verhindern, dass ihre niedriger gestellten Sozialpartner zu anderen Pferden abwandern können.“ Partnerschaften und soziale Kontakte seien unter Tieren eine Strategie, gemeinsame Ressourcen zu sichern, die Hierarchie innerhalb der Gruppe stabil zu halten und Angriffen von Feinden abzuwehren.

Männer und Frauen sind unterschiedlich eifersüchtig
Eifersucht ist genetisch angelegt. Frauen und Männer unterscheiden sich jedoch in ihrer Eifersucht. Das konnten Psychologen der University of Sunderland in England bereits vor einigen Jahren nachweisen. Es zeigte sich, dass Männer vor allem dann eifersüchtig waren, wenn die Partnerin sexuelle Kontakte mit anderen Männern hatte.

Frauen hingegen ist der emotionale Aspekt wesentlich wichtiger. „Männer wollen wissen, ob ihre Rivalen gut im Bett waren“, fasst Studienleiter George Brase zusammen „Frauen wollen in erster Linie wissen, ob ihr Partner eine andere Frau liebt oder nicht.“ Dieser Unterschied ist leicht zu erklären. Während sich Männer nie ganz sicher sein können, ob sie die eigenen Kinder oder die eines anderen, sogenannte Kuckuckskinder, großziehen, liegt es in der Natur der Sache, dass sich Frauen darüber keine Gedanken machen müssen. Sie suchen vielmehr nach einem dauerhaften Partner, der die Familie ernähren kann. Evolutionär betrachtet, steht Sex deshalb für Frauen nicht an erster Stelle.

Nicht nur die Evolution auch der kulturelle Hintergrund spielt eine entscheidende Rolle bei der Ausprägung der Eifersucht, wie die britische Studie aufzeigte. Es stellte sich heraus, dass brasilianische Männer am eifersüchtigsten waren. Japaner hingegen zeigten am wenigsten Eifersucht. Die Wissenschaftler erklärten dieses Ungleichgewicht damit, dass die Fruchtbarkeit in der japanischen Kultur eine wesentlich untergeordnetere Rolle spiele als in der brasilianischen.

Liebe und Eifersucht "machen blind"
US-amerikanische Psychologen der University of Delaware veröffentlichten ihre Studienergebnisse im Fachblatt „Emotion“. Demnach macht nicht nur Liebe sondern auch Eifersucht blind. Für die Untersuchungen setzen die Forscher Paare im gleichen Raum an unterschiedliche Computer. Die Frauen hatten die Aufgabe, verschiedene Ziele in Bildern zu identifizieren. Emotional unangenehme Bilder, die dazwischen angezeigt wurden, sollten sie ignorieren. Den Männer wurden zeitgleich Landschaftsbilder vorgeführt, deren Schönhit sie bewerten sollten. Um künstlich Eifersucht bei den Frauen hervorzurufen, wurde ihnen jedoch gesagt, dass ihre Männer Fotos von anderen Frauen ansehen, die sie nach ihrer Attraktivität beurteilen. Anschließend sollten die Studienteilnehmerinnen berichten, wie unangenehm es für sie war, dass der Partner andere Frauen beurteilt hatte. Es stellte sich heraus, dass je stärker die Eifersucht war, die Frauen umso verstörter waren. Einige konnten sogar die Zielobjekte in den Bildern nicht mehr erkennen.

Was hilft gegen Eifersucht?
Psychologen raten Betroffenen bei übertriebener Eifersucht sich zunächst selbst zu sagen, dass kein Grund für Misstrauen besteht. Zudem helfen Gespräche mit dem Partner, um diese Gewissheit zu bekommen. Das gelingt jedoch nicht immer. Einige Betroffene wissen zwar vom Kopf her, dass sie keinen Anlass zur Eifersucht haben, können aber trotzdem die negativen Gefühle nicht ausblenden. Eifersüchte sollten dann versuchen, alle negativen Gedanken beiseite zu schieben.

In schwerwiegenderen Fällen ist die Konsultation eines Therapeuten notwendig. Das ist beispielsweise der Fall, wenn ein Betroffener an nichts anderes mehr denken kann, seinem Partner hinterher spioniert und versucht ihn zu kontrollieren. Das sei keine normale Form von Eifersucht, berichtet Gritli Bertram, Sozialpädagogin aus Hannover. In besonders schlimmen Fällen könne es sogar zu Gewalttätigkeiten zwischen den Partnern kommen. Deshalb sei es ratsam, bereits bei den ersten Anzeichen von krankhafter Eifersucht, einen Fachmann zu Rate zu ziehen. Häufig würden überdimensionale Verlustängste und ein geringes Selbstwertgefühl dahinter stecken, erklärt die Expertin. (ag)