Eigener Fernseher im Schlafzimmer fördert Übergewicht bei Kindern

Alexander Stindt
Führt ein Fernseher im Kinderzimmer bei Kindern zu Problemen mit dem Gewicht?
Wenn Kinder im Schlafzimmern ihren eigenen Fernseher haben, verstärkt sich dadurch ihr Risiko, im späteren Leben Übergewicht zu entwickeln. Mädchen sind besonders stark von diesem negativen Effekt betroffen. Es ist noch unklar, ob ähnliche Muster durch Laptops und Handys ausgelöst werden.

Die Wissenschaftler des University College London stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass Kinder mit eigenem Fernseher im Kinderzimmer eher übergewichtig werden, verglichen mit Kindern ohne eigenen Fernseher. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „International Journal of Obesity“.

Wenn Kinder ihren eigenen Fernseher in ihrem Schlafzimmer haben, steigt dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass diese Übergewicht oder Fettleibigkeit entwickeln. (Bild: Myst/fotolia.com)

Mehr als die Hälfte der Probanden hatte bereits mit sieben Jahren einen eigenen Fernseher
Wenn Kinder viel Zeit vorm Bildschirm des Fernsehers verbringen, führt dies zu einer schädlichen Kombination von Risiken für die menschliche Gesundheit. Für ihre Studie analysierten die Experten die Daten von mehr als 12.000 Kleinkindern in Großbritannien. Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass mehr als die Hälfte der Kinder mit sieben Jahren einen Fernseher in ihrem Schlafzimmer hatte.

Eltern mussten einschätzen, wie viel Zeit ihre Kinder vor dem Fernseher verbrachten
Die Eltern der teilnehmenden Kinder wurden gebeten zu bewerten, wie viele Stunden pro Tag ihre Kinder in der Regel vor dem Fernseher verbrachten. Im Alter von elf Jahren überprüften die Forscher dann den Body-Mass-Index (ein Verhältnis von Größe und Gewicht) und betrachteten besonders den Prozentsatz des Körperfetts.

Mädchen haben ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko übergewichtig zu werden
Besonders auffällig war, dass Mädchen mit einem eigenen Fernseher in ihrem Schlafzimmer im Alter von sieben Jahren ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Übergewicht hatten, erläutern die Autoren. Bei Jungen mit einem eigenen Fernseher sei das Risiko um etwa zwanzig Prozent erhöht gewesen.

Was genau führt zu dem festgestellten Risiko für Übergewicht?
Unsere Studie zeigt, dass es eine klare Verbindung zwischen einem Fernseher im Schlafzimmer und jungen Kindern mit Übergewicht gibt, welche dann einige Jahre später auftritt, sagen die Experten. Die Wissenschaftler sind sich noch nicht sicher, wie der Zusammenhang zwischen Fernsehapparaten und Übergewicht zustande kommt. Ein Grund dafür könnte sein, dass Kinder mit einem Fernseher in ihrem Schlafzimmer weniger Schlaf bekommen. Es ist auch möglich, dass Naschen vor dem Fernseher zu dem Übergewicht führt, mutmaßen die Forscher.

Bildschirme werden flacher aber Kinder werden immer dicker
Die stärkeren Auswirkungen der Fernsehzeit bei Mädchen auf entstehendes Übergewicht liegt wahrscheinlich daran, dass Mädchen weniger körperlich aktiv in diesem Alter sind, erklären die Wissenschaftler. Sie fordern zudem, dass spezielle Strategien zur Verhinderung der Korpulenz von Kindern entwickelt werden. Unsere Bildschirme werden immer flacher, aber unsere Kinder werden immer dicker, mahnen die Autoren.

Übergewicht unter Kindern ist weitverbreitet
Es ist gut vorstellbar, dass Eltern mögliches Übergewicht bei ihren Kindern verhindern möchten und deswegen keinen Fernseher mehr in das Kinderzimmer stellen. Die Ergebnisse der aktuellen Studie sollten hier durchaus ernst genommen werden, sagen die Wissenschaftler. Fast ein Drittel der elfjährigen Kinder in England leide unter Übergewicht. Etwa eins von fünf Kindern sei sogar fettleibig. Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, dass das Problem der Fettleibigkeit in der Kindheit ernst genommen und bekämpft wird, fügen die Experten hinzu. Wir wissen, dass ein hohes Maß an Bildschirmzeit bei Kindern zu erhöhten Risiken für Übergewicht führt. Durch den eigenen Fernseher entsteht zusammen mit einem sesshafteren Lebensstil, Schlafstörungen und ungesunden Essgewohnheiten eine besonders schädliche Kombination, warnen die Autoren. (as)