Eigenes Dorf für Menschen mit Demenz eröffnet

In Dänemark wurde nun das landesweit erste Dorf für Menschen mit Demenz eröffnet. In Deutschland gibt es ein solches Projekt schon seit Jahren. (Bild: Ocskay Bence/fotolia.com)
Alfred Domke
Dorf für Demenzkranke eröffnet
In Dänemark wurde am Montag ein Dorf für Menschen mit Demenz eröffnet. Die Bewohner können dort laut dem Bürgermeister „fast so leben wie vor ihrer Erkrankung“. In anderen Ländern gibt es solche Dörfer schon länger, auch in Deutschland.

Zahl der Demenzkranken steigt
In Deutschland leben derzeit etwa 1,5 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung, die meisten von ihnen haben Alzheimer. Die Zahl der Betroffenen steigt immer weiter. Gesundheitsexperten warnen daher seit Jahren, dass das deutsche Gesundheitssystem nicht ausreichend auf Demenz eingestellt ist. Eine Möglichkeit, um Betroffene besser zu versorgen, könnten Lebensgemeinschaften sein, die speziell auf die Bedürfnisse von Demenzkranken zugeschnitten sind.

In Dänemark wurde nun das landesweit erste Dorf für Menschen mit Demenz eröffnet. In Deutschland gibt es ein solches Projekt schon seit Jahren. (Bild: Ocskay Bence/fotolia.com)
In Dänemark wurde nun das landesweit erste Dorf für Menschen mit Demenz eröffnet. In Deutschland gibt es ein solches Projekt schon seit Jahren. (Bild: Ocskay Bence/fotolia.com)

Dorf für Menschen mit Demenz eröffnet
Der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) zufolge werden rund 80 Prozent aller Demenzkranken hierzulande von ihren Angehörigen versorgt und begleitet. Manche werden aber auch in Pflegeheimen betreut.

In Dänemark wurde nun ein Dorf eröffnet, in dem Demenzpatienten in 125 Wohnungen leben und je nach Bedarf betreut werden. Zur Anlage im 27.000-Einwohner-Städtchen Svendborg auf der Insel Fünen gehören ein großer Park, eine Musikbibliothek, ein Restaurant, Läden, ein Wellness-Salon und andere Beschäftigungsmöglichkeiten.

Fast so leben wie vor der Erkrankung
„Die Bewohner können hier fast so leben wie vor ihrer Erkrankung“, sagte Bürgermeister Lars Erik Hornemann laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa. Das Areal der Anlage, die von der Gemeinde betrieben wird, sei so groß, dass sie sich nicht eingesperrt fühlen müssten. Außerdem seien sie dort sicher.

Die Dänische Alzheimer Gesellschaft hat die Initiative zwar vorsichtig begrüßt, aber auch Bedenken darüber geäußert, dass die Bewohner des Dorfes von der Außenwelt abgeschnitten werden. „Es beunruhigt uns, wenn spezielle Demenzdörfer gebaut werden, in denen Demenzkranke vom Rest der Gesellschaft ausgeschlossen werden“ sagte der Präsident der Gesellschaft, Nis Peter Nissen, laut der „Copenhagen Post“.

Niederländisches Dorf als Vorbild
Begleitet wird das Projekt von Forschern des University College Lillebælt und einer Sozial- und Gesundheitsschule. Den Angaben zufolge sollen die Erfahrungen bei der Entwicklung weiterer Demenzdörfer in Dänemark helfen. Wie der Bürgermeister erklärte, sei die Gemeinde von ähnlichen Projekten in den Niederlanden inspiriert worden.

Vor allem das Alzheimer-Dorf „De Hogeweyk“ bei Amsterdam hat internationale Beachtung gefunden. Es war auch Vorbild für das erste deutsche Demenzdorf südlich von Hannover, das 2014 eröffnet wurde.

Auch damals äußerten Kritiker Bedenken über die Gefahr, dass Alzheimerkranke dort in einer isolierten Welt leben. Der Nürnberger Altersforscher Wolf Dieter Oswald meinte laut dpa: „Es darf kein Disneyland für Demenzkranke werden.“ (ad)

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