Ein Bier täglich beugt schweren Herzleiden vor?

Alexander Stindt
Mediziner untersuchen die Auswirkungen von mäßigen Alkoholkonsum
In Deutschland trinken viele Menschen gerne ein sogenanntes Feierabendbier. Ist es möglich, dass der Konsum von einem Bier am Tag positive gesundheitliche Auswirkungen auf den menschlichen Körper hat? Forscher fanden heraus, dass mäßiges Trinken von Alkohol das Risiko für Herzinfarkt, Angina oder Herzinsuffizienz vermindern kann.

Die Wissenschaftler der international anerkannten University of Cambridge und des University College London stellten bei einer Untersuchung fest, dass der Konsum von ungefähr einem Bier am Tag dazu führt, dass das Risiko für mehrere schwere Herzerkrankungen reduziert wird. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „British Medical Journal“ (BMJ).

Die meisten Menschen trinken gerne ab und zu ein Bier in geselliger Runde. Der regelmäßige moderate Konsum von Alkohol scheint sogar eine schützende Wirkung auf die Herzgesundheit zu haben. (Bild: GChristo/fotolia)

Auswirkungen des mäßigen Konsums von Alkohol
Für ihre Studie untersuchten die Experten über 1,93 Millionen Menschen in Großbritannien. Englische Mediziner raten allgemein in Richtlinien dazu, dass Menschen nicht mehr als 14 Einheiten Alkohol pro Woche verzehren sollten. „Durch den mäßigen Konsum entsteht eine schützende Wirkung für das menschliche Herz, verglichen mit nicht trinkenden Menschen“, erläutern die Wissenschaftler. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Alkohol durchaus einen positiven Effekt auf gesundes Cholesterin (HDL-Cholesterin) im Blut hat. Auch seien Effekte auf Proteine, welche mit der Blutgerinnung verbunden sind, beobachtet worden.

Menschen mit moderatem Alkoholkonsum haben seltener Herzprobleme
Moderate Trinker tauchen nicht so häufig wegen Problemen am Herzen bei ihrem Arzt auf. Solche Menschen leiden seltener an Angina pectoris, Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, ischämischem Schlaganfall und Kreislauf-Problemen, erläutern die Wissenschaftler. „Wir haben festgestellt, dass mäßige Trinker seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, verglichen mit Nicht-Trinkern“, berichten die Experten weiter. Trotzdem sollten wir jetzt nicht Einzelpersonen dazu ermutigen, dass diese zur Senkung ihres Risikos mit dem regelmäßigen Trinken anfangen, sagt Studienautor Steven Bell von der University of Cambridge.

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Es gibt bessere Wege als Alkoholkonsum zur Prävention von Herzerkrankungen
Es gibt eindeutig sicherere und effektivere Möglichkeiten zur Verringerung des kardiovaskulären Risikos – beispielsweise zunehmende körperliche Aktivität und Raucherentwöhnung, erklären die Mediziner. Diese funktionieren ohne erhöhten Risiken für alkoholbedingte Schäden (beispielsweise Lebererkrankungen und Krebs), wie sie bei einer Alkoholabhängigkeit häufig auftreten, so die Studienautoren weiter.

Alkoholrichtlinien sollten überarbeitet werden
Die aktuelle Untersuchung war eine sogenannte Beobachtungsstudie. Aus diesem Grund können keine definitiven Schlussfolgerungen gezogen werden. Die Ergebnisse stehen allerdings im Einklang mit bereits durchgeführten früheren Studien. Vier Jahrzehnte epidemiologische Studien haben weitgehend das gleiche festgestellt. Die Ergebnisse sollten zu einer Überarbeitung der generellen Alkoholrichtlinien führen, so das Fazit der Forscher.

Die Risiken des Alkoholkonsums überwiegen dessen Vorteile
Moderater Alkoholkonsum kann durchaus einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben. „Aber es ist wichtig sich daran zu erinnern, dass die Risiken des Alkoholkonsums den Vorteilen überwiegen“, warnen die Autoren. Die Ergebnisse sind sicherlich kein Grund, mit dem Alkoholkonsum anzufangen, wenn Sie nicht bereits schon Alkohol trinken, erklären die Experten. Es gibt weit mehr wirksamere Möglichkeiten zur Verbesserung Ihrer Herzgesundheit, zu diesen gehören beispielsweise regelmäßige Bewegung, eine gesunde Ernährung und das Aufhören mit dem Rauchen, betonen die Mediziner. (as)