Ein Drittel der Frührenten psychisch bedingt

Fabian Peters

Psychische Erkrankungen im Nordosten Deutschlands häufig Ursache für vorzeitigen Ruhestand

28.12.2012

Psychische Erkrankungen sind häufig Ursache für Berufsunfähigkeit und Frührente. Im Nordosten Deutschlands ist laut Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) mittlerweile „mehr als jede dritte Frührente psychisch bedingt.“ Zwischen dem Jahr 2009 und 2011 sei ein Anstieg der Frühverrentungen in Folge psychischer Erkrankungen um 15 Prozent zu verzeichnen gewesen.

Im Jahr 2011 gingen in Mecklenburg-Vorpommern rund 2.300 Frauen und Männer aufgrund psychischer Probleme in Frührente, so die Mitteilung der Techniker Krankenkassen am Donnerstag in Schwerin. Die Betroffenen hatten mit derart schweren psychischen Störungen zu kämpfen, dass ihre Berufsfähigkeit nicht mehr gewährleistet war und ein frühzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben erforderlich wurde. Welche Ursachen der deutliche Anstieg bei der Berufsunfähigkeit in Folge psychischer Beschwerden haben könnte, wird von der Techniker Krankenkasse in der aktuellen Pressemitteilung nur angedeutet. „Termindruck, ständige Erreichbarkeit und die Angst um den Arbeitsplatz gehen an vielen Menschen nicht spurlos vorbei“, erläuterte Wiebke Arps, Beraterin für Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der Techniker Krankenkasse in Mecklenburg-Vorpommern.

Psychische Belastungen am Arbeitsplatz erkennen
Rund 1.200 Frauen und 1.100 Männer sind in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2011 aufgrund psychischer Probleme aus ihrem Beruf ausgeschieden. Die Betroffenen hatten dabei ein Durchschnittsalter von 48 Jahren. Insgesamt mussten im vergangenen Jahr rund 6.200 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern krankheitsbedingt vorzeitig in Rente gehen. Angesichts des Anstiegs der Berufsunfähigkeit in Folge psychischer Probleme sei es für die Unternehmen „wichtig, rechtzeitig Belastungen im Arbeitsumfeld zu erkennen und den gesundheitlichen Folgen wie Burnout oder Sucht entgegenzuwirken“, berichtet die TK. Der TK-Beraterin für Betriebliches Gesundheitsmanagement zufolge, sollten auch „Führungskräfte das Thema psychische Erkrankungen nicht tabuisieren und bei Anzeichen einer Fehlbeanspruchung mit ihren Mitarbeitern sprechen.“ Auf diese Weise „können arbeitsbedingte Ursachen ermittelt und Lösungen gefunden werden", so die Sprecherin der Techniker Krankenkasse weiter.

Betriebliches Gesundheitsmanagement wird oft vernachlässigt
Bisher wird dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement nach Auffassung der TK-Expertin zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Eine Untersuchung der Initiative Gesundheit und Arbeit habe ergeben, dass sich „zwei Drittel der deutschen Betriebe bis 200 Beschäftigte und die Hälfte der Firmen bis 500 Beschäftigte nicht um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter am Arbeitsplatz“ kümmern, berichtet die Krankenkasse in ihrer aktuellen Mitteilung. Dabei hätten neun von zehn Unternehmen als Grund für die mangelnde Gesundheitsvorsorge den Vorrang des Tagesgeschäfts angegeben. Dies scheint jedoch eine äußerst kurzsichtige Herangehensweise, denn fallen Mitarbeiter aufgrund von Erkrankungen längerfristig aus, leidet auch das Tagesgeschäft erheblich. Das Betrieblichen Gesundheitsmanagement sollte daher dringend mehr Berücksichtigung finden, wobei die Ausrichtung auch anhand des speziellen Gesundheitsrisiko in den einzelnen Unternehmen erfolgen kann. Die Techniker Krankenkasse bietet nach eigenen Angaben seit über zehn Jahren Beratungen zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement und hat bisher „in 840 Unternehmen deutschlandweit die Geschäftsführung sowie die Mitarbeiter im Betrieblichen Gesundheitsmanagement“ geschult. (fp)

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Bild: Gerd Altmann / pixelio.de