Ein Drittel der Menschen leidet an Übergewicht

Heilpraxisnet

Studie: 2,1 Milliarden Menschen weltweit sind zu dick

29.05.2014

Wie eine neue Studie zeigt, ist die Zahl übergewichtiger Menschen weltweit in den vergangenen Jahrzehnten drastisch gestiegen. Etwa ein Drittel der Menschheit ist zu dick. In Deutschland ist es jeder Zweite. Wer zu viel wiegt, erhöht sein Risiko für Erkrankungen wie Diabetes, Krebs oder Herz-Kreislauf-Leiden.

Anteil der Übergewichtigen weltweit gestiegen
Rund ein Drittel der Menschen weltweit ist zu dick. Einem aktuellen Report zufolge sind bundesweit mehr als die Hälfte der Erwachsenen zu dick, wobei vor allem Männer betroffen sind. Demnach wiegen 49 Prozent der Frauen und 64 Prozent der Männer in Deutschland zu viel. Wie die Forscher im Fachblatt „The Lancet“ berichten, „ist der Anteil der Übergewichtigen weltweit deutlich angestiegen“. Die Wissenschaftler haben in der von der Bill und Melinda Gates Foundation finanzierten Studie die Daten zu Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) aus 188 Ländern von 1980 und 2013 miteinander verglichen.

Deutschland gehört zu den Top Ten
Wie die Forscher um Marie Ng vom Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) der Universität von Washington schreiben, wogen 2013 weltweit 2,1 Milliarden Menschen zu viel. 1980 waren es noch 857 Millionen gewesen. Durch das Bevölkerungswachstum allein sei der Anstieg nicht zu erklären. Der Anteil der Dicken habe sich sowohl in den Industrie- als auch den Entwicklungsländern erhöht, wobei in den industrialisierten Nationen mehr Männer und in den armen Ländern mehr Frauen betroffen sind. Wie die Forscher berichten, lebe mehr als die Hälfte der besonders stark übergewichtigen Menschen in zehn Ländern. Dazu gehören die USA, China, Indien, Russland, Brasilien Mexiko, Ägypten, Pakistan, Indonesien sowie Deutschland. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl liegen die beiden Südsee-Nationen Tonga und Samoa sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen auf den obersten Plätzen der Übergewichtigen.

Übergewicht erhöht Krankheitsrisiken
Die Wissenschaftler nutzten in ihrer Studie den sogenannten Body-Mass-Index (BMI) als ein Kriterium für Übergewicht. Dieser leitet sich aus der Körpergröße und dem Körpergewicht eines Menschen ab. Dabei wird das Gewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Größe (Meter). Als übergewichtig gilt, wer einen BMI über 25 hat und ab einem BMI über 30 beginnt Fettleibigkeit. Mit steigendem Gewicht erhöhen sich auch die Risiken für Krankheiten wie Diabetes, Krebs oder Herz-Kreislauf-Leiden wie Bluthochdruck oder Herzinfarkt. „Fettleibigkeit ist ein Problem, das Menschen jeden Alters und Einkommens betrifft – überall“, sagte IHME-Direktor Christopher Murray. Der größte Teil von den insgesamt 671 Millionen Menschen, die einen BMI von 30 oder höher haben, lebt in den USA. Den stärksten Adipositas-Anstieg gab es in den vergangenen drei Jahrzehnten jedoch in Ländern des Nahen Ostens, darunter Ägypten, Saudi-Arabien und Oman.

Besorgniserregende Zunahme bei Kindern und Jugendlichen
Emmanuela Gakidou von der University of Washington erklärte: „Unsere Daten zeigen einen deutlichen und umfassenden Anstieg in einer kurzen Zeit.“ Doch es gebe Anzeichen, dass der Anteil der Übergewichtigen in einigen Industrienationen nicht weiter steige. Besorgniserregend sei aber, dass auch immer mehr Kinder und Jugendliche übergewichtig oder fettleibig sind. „Wir wissen, dass Adipositas im Kindesalter ernsthafte nachgeschaltete Gesundheitseffekte hat, etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und viele Krebsformen“, so die Autorin Marie Ng. Laut der Studie ist bei den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland etwa jeder fünfte übergewichtig und rund jeder zwanzigste sogar fettleibig. Bei den über 20-Jährigen ist der Anteil der Deutschen mit einem zu hohen BMI noch größer. Gemäß der Untersuchung sind hierzulande 64 Prozent dieser Männer und 49 Prozent dieser Frauen übergewichtig.

Politik zum Handeln aufgerufen
Zu den Ursachen von Übergewicht und Fettleibigkeit zählen neben falscher Ernährung und zu wenig Bewegung auch bestimmte Medikamente, Stress, Schlafmangel und genetische Veranlagungen. Die Wissenschaftler appellieren an die Politik, sich der Probleme anzunehmen. Auch Klim McPherson von der Oxford-Universität, der in einem begleitenden Kommentar zur Studie die Arbeit von Marie Ng und Kollegen würdigt, ruft die Politik auf, mehr gegen das zunehmende Problem Adipositas zu unternehmen. Auch in Deutschland wünschen sich Experten mehr Engagement des Staates. Da Appelle an die Vernunft gescheitert seien, fordert etwa die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) eine Zucker-Fett-Steuer gegen Übergewicht. Diese könne auch für die Lebensmittelindustrie eine Anregung sein, ihre Rezepturen zu verändern und beispielsweise weniger Zucker zu verwenden. (sb)

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