Eine frühe Pubertät bei Mädchen Warnsignal für spätere Depressionen?

Alexander Stindt

Wie wirkt sich eine frühzeitige erste Menstruation auf die Wahrscheinlichkeit für Depressionen aus?

Wenn Mädchen bereits früh in ihre Pubertät kommen, führt dies dazu, dass sie mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit Depressionen und Verhaltensprobleme entwickeln. Dieser gilt solange, bis das Mädchen ein Alter von knapp 30 Jahren erreicht hat.

Die Wissenschaftler der Cornell University in Ithaca, New York stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass der frühe Beginn der Pubertät bei Mädchen zu einem erhöhten Risiko für Depressionen und Verhaltensprobleme führt, verglichen mit Mädchen, bei denen erst später die Menstruation beginnt. Die Forscher veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Pediatrics“.

Wenn Mädchen bereits frühzeitig in die Pubertät kommen, wirkt sich dies auf die Wahrscheinlichkeit aus, dass die Betroffenen im späteren Leben als Erwachsene unter Depressionen leiden und andere Verhaltensauffälligkeiten aufweisen. (Bild: Sergey Nivens/fotolia.com)

Mediziner untersuchen für ihre Studie knapp 7.800 Probandinnen

Für ihre Studie untersuchten die Experten fast 7.800 Frauen, welche ihren ersten Menstruationszyklus in einem Durchschnittsalter von zwölf Jahren bekommen hatten. Diese Frauen wurden insgesamt vier Mal befragt, beginnend mit dem Alter von 16 Jahren, bis etwa zum 28. Lebensjahr. Dabei konnten die Wissenschaftler feststellen, dass wenn Mädchen früher in die Pubertät kamen, sie auch häufiger depressiv waren.

Frühere Pubertät führt bei Mädchen oft zu Verhaltensauffälligkeiten

Je früher Mädchen ihre erste Periode bekommen, desto stärker ist der Zusammenhang zwischen früher Pubertät und psychischen Problemen, erläutern die Autoren der Untersuchung. Die Auswirkungen sind stärker, wenn bei einem Mädchen beispielsweise bereits im Alter von acht Jahren die Menstruation begann, verglichen mit Mädchen deren Menstruation im Alter von zehn Jahren anfing. Durch eine frühe Pubertät wiesen die betroffenen Mädchen auch häufiger Verhaltensauffälligkeiten auf. Die Auswirkungen sind vielfältig: Die Mädchen logen und stahlen beispielsweise häufiger, sie brachen außerdem öfter in Häuser ein und standen auch häufiger mit Drogen in Kontakt. Diese negativen Auswirkungen hielten oft bis zum jungen Erwachsenenalter an, erläutern die Autoren.

Pubertät hat einen starken Einfluss auf spätere Depressionen im Erwachsenenalter

Interessanterweise bleibt das Ausmaß der Assoziation zwischen Pubertät und diesen psychologischen Schwierigkeiten stabil, sagen die Mediziner. Dies bedeutet, dass die Pubertät genauso stark mit depressiven Symptomen und antisozialem Verhalten im Erwachsenenalter wie in der Adoleszenz in Verbindung steht, erklärt Autorin Jane Mendle von der Cornell Universität. Dies weise darauf hin, dass die psychologische Vulnerabilität(Verwundbarkeit) der früheren Pubertät länger anhält als wir es früher erwartet haben, fügt die Expertin hinzu.

Die Pubertät ist eine sehr schwierige Zeit

Umfangreiche Veränderungen in Biologie, Aussehen, Selbstwahrnehmung und Emotion machen die Pubertät zu einer der wichtigsten Entwicklungsphasen während der gesamten Lebensspanne. Obwohl die Pubertät für alle Jugendlichen eine schwierige Zeit sein kann, können Mädchen, welche körperlich älter sind als ihre Gleichaltrigen, besonders hart von den Auswirkungen betroffen sein. Da die körperliche Reifung mit Veränderungen der sozialen Rollen und Beziehungen verbunden ist, wurde dies bisher mit bestimmten Faktoren im Leben sowie Veränderungen im Gehirn verbunden, welche die Jugend besonders anfällig für Verhaltensschwierigkeiten und Probleme mit der psychischen Gesundheit machen könnten, sagen die Mediziner.

Teilnehmende Frauen mussten verschiedene Fragen beantworten

Die Forscher untersuchten für ihre Studie die Daten der National Longitudinal Study of Adolescent Health. Die landesweit repräsentative Untersuchung umfasst Jugendliche aus einem breiten Spektrum von ethnischen und sozioökonomischen Hintergründen. Die in der vorliegenden Studie untersuchten Befragungen wurden vom Jahr 1994 bis zum Jahr 2008 durchgeführt. Die gestellten Fragen konzentrierten sich dabei auf den Eintritt der Menstruation und umfassten auch einige Symptome von Depressionen, welche Heranwachsende in der vergangenen Woche erlebt hatten. Außerdem wurde die Häufigkeit von so genannten antisozialen Verhaltensweisen wie Lügen, Stehlen und Drogenhandel erfragt.

Frauen sind nach einer frühen Pubertät besonders gefährdet

Wenn Frauen als Erwachsene unter Depressionen leiden, könnten dies daran liegen, dass sie Symptome der Depressionen bereits während der Adoleszenz erlebt hatten, mutmaßen die Mediziner. Dadurch blieben sie im Laufe der Zeit auch weiterhin besonders gefährdet. Die Wissenschaftler fanden außerdem heraus, dass nach einer frühzeitigen Pubertät das Risiko für antisoziale Verhaltensweisen im Erwachsenenalter nicht so ausgeprägt war, verglichen mit dem Risiko für Depressionen.

Frühreife Mädchen werden häufig so behandelt, als wenn sie tatsächlich älter wären

Es ist möglich, dass eine Vielzahl von Faktoren, welche in der Studie nicht untersucht wurden, zumindest teilweise der Grund für das Auftreten einer frühzeitigen Pubertät im Zusammenhang mit dem Risiko von Depressionen und Verhaltensproblemen sein könnten. Aus sozialer Sicht werden sich früh entwickelnde Mädchen häufig so behandelt, als wären sie älter. Dies kann dazu führen, dass solche Mädchen Kontakt zu älteren Kindern suchen, um sich besser anzupassen. Das bedeutet allerdings auch, dass die betroffenen Mädchen in Dinge involviert werden, für die sie in Wirklichkeit noch nicht reif genug sind. Das Gefühl nicht wirklich dazugehören zu können, kann dann zu Stimmungsschwankungen und Verhaltensauffälligkeiten führen, welche sich als Verhaltensmuster einprägen, die auch Probleme im Erwachsenenalter auslösen können. (as)