Eine kalte Nase Hinweis auf mentale Überbelastung?

Alexander Stindt

Experten entwickeln eine neue Methode zur Feststellung der mentalen Belastung

Forscher fanden jetzt heraus, dass die Überprüfung der Körpertemperatur darauf schließen lässt, ob Menschen unter einer zu starken mentalen Belastung leiden. Wenn Personen beispielsweise eine kalte Nase haben, könnte dies darauf hindeuten, dass Betroffene mental überfordert sind.


Die Wissenschaftler der Bioengineering Research Group an der University of Nottingham stellten bei ihrer Studie fest, dass die Körpertemperatur auf eine mentale Überforderung hinweisen kann. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Human Factors“.

Heutzutage leiden immer mehr Menschen unter einer zu hohen mentalen Belastung. Ursache dafür ist nicht selten der Arbeitsplatz. Eine neue Methode kann durch Messung der Körpertemperatur feststellen, ob Betroffene mental überfordert sind. Dies geschieht mit der Hilfe von Wärmebildkameras. (Bild: Korta/fotolia.com)

Studie nutzte Wärmebildkameras zur Feststellung der Körpertemperatur

Wenn Sie das nächste Mal eine kalte Nase haben, sollten Sie dies nicht als Lapalie abtun. Es könnte sein, dass die kalte Nase ein wichtiger Indikator für eine zu starke mentale Belastung ist. Bei ihr Studie untersuchten die Experten mit der Hilfe von Wärmebildkameras die Gesichter von 14 freiwilligen Probanden, während diese stark mental fordernde Aufgaben erfüllen mussten. Dabei stellten die Forscher fest, dass die Temperatur der Nase der sich überfordert fühlenden Menschen um etwa ein Grad Celsius absank.

Kalte Nase kann auf überbelastetes Gehirn hinweisen

Die Wissenschaftler erklärten, dass die kalte Nase ein Zeichen dafür sein kann, wenn unser Gehirn überlastet ist. Das Blut wird in diesem Fall umgeleitet, um die Neuronen besser zu unterstützen. Extremitäten, wie beispielsweise die Nase, sind zuerst betroffen, weil der Körper mehr Energie zur Versorgung mit Blut benötigt. „Wir erwarteten, dass mentale Anforderung bei einem Betroffenen zu physiologischen Veränderungen führen würden, aber die direkte Korrelation zwischen der Arbeitsbelastung und der Hauttemperatur war sehr beeindruckend“, erklärt der Autor Alastair Ritchie von der University of Nottingham in einer Pressemitteilung. „Wir hatten nicht erwartet, dass das Gesicht kälter wird. Mit dieser genauen Methode zur Schätzung der Arbeitsbelastung können wir Maßnahmen entwickeln, die Betroffene in Zeiten maximaler Belastung unterstützen“, fügt der Experte hinzu.

Wärmebildkameras könnten in Zukunft zur Überwachung von Piloten eingesetzt werden

Die neue Technik könnte in Zukunft zum Beispiel dazu verwendet werden, die Körpertemperatur von Mitarbeitern aus der Entfernung zu überwachen. So könnte schnell und unkompliziert festgestellt werden, ob Betroffene mental überlastet sind, ohne dass diese Mitarbeiter bei ihrer Tätigkeit gestört werden, erläutern die Wissenschaftler. Die Experten schlagen zum Beispiels vor, dass Wärmebildkameras in Flugzeugcockpits eingesetzt werden, um den mentalen Druck auf die Piloten zu überprüfen. Das Team arbeitet bereits gemeinsam mit Airbus an solch einem Projekt.

Wärmebildkameras könnten die Sicherheit bei Flügen erhöhen

Wenn Piloten unter erhöhtem Stress oder Müdigkeit leiden, kann dies zu schwerwiegenden Auswirkungen führen. Gerade in den letzten Jahren ist dieses Problem immer wieder aufgetreten. Besonders in Erinnerung dürften den meisten Menschen dabei ein Unfall der Fluggesellschaft Germanwings im Jahr 2015 sein. Dieser wurde durch einen Piloten verursacht, welcher bereits wegen Selbstmordgedanken behandelt wurde. Der Betroffene wurde von seinem Arzt für seine Arbeit untauglich erklärt, diese Information hatte er allerdings nicht an seinen Arbeitgeber weitergegeben. Die Entwicklung eines fortschrittlichen Systems zur Überwachung der mentalen Belastung von Piloten wäre hier ein bedeutender Schritt in einem Sektor, in dem Sicherheit an erster Stelle steht.

Arbeitsbelastung mit nicht-invasiven Methoden festzustellen

Spezialisten sind bereits seit einigen Jahren damit beschäftigt, Maßnahmen zur Messung der Arbeitsbelastung zu finden, ohne die arbeitende Person unterbrechen zu müssen. Mittlerweile haben die Experten ein viel besseres Verständnis darüber entwickelt, welche physischen Veränderungen mit der Arbeitsbelastungen verbunden sind, wie sie sich als physiologische Symptome manifestieren und wie diese Symptome in messbare Parameter übersetzt werden können. Das Ziel ist es, die Arbeitsbelastung mit nicht-invasiven Methoden festzustellen. Von allen Ansätzen ist die Gesichtsthermografie am wenigsten aufdringlich und hat sich als eine ausgezeichnete Methode erwiesen, erklären die Autoren. (as)