Einfache Diagnose: Beschaffenheit der Fingernägel kann auf Erkrankungen hinweisen

Sebastian
Fingernägel: Flecken und Verfärbungen können auf Krankheiten hindeuten
In der täglichen Praxis finden Fingernägel bei der Diagnostik kaum bis keine Beachtung. Dabei können sie viel über unsere Gesundheit aussagen. Verfärbungen oder Flecken auf Erkrankungen hinweisen. Und bröckelige oder brüchige Nägel können auf eine Erkrankung hinweisen. Experten erklären im Interview, worauf zu achten ist und wann es notwendig ist, einen Arzt aufzusuchen.

Flecken, Verfärbungen und Rillen

Barbara Weigel vom Bundesverband für Kosmetik- und Fußpflegebetriebe weiß wie ein gesunder Fingernagel aussehen sollte: „Er ist fest und dabei trotzdem biegsam, hat eine ebenmäßige Oberfläche, die leicht gewölbt ist, und ist etwa 0,5 Millimeter dick.“ Der Nagel ist normalerweise matt-transparent und scheint aufgrund des gut durchbluteten Nagelbetts hellrosa. Doch diese Beschreibung trifft längst nicht immer zu. Oft sind auf den Nägeln Flecken, Verfärbungen oder Rillen zu sehen. Diese Veränderungen können uns einiges über die Gesundheit sagen.

Fingernägel zeigen Krankheiten an. (Bild: bmf-foto.de/fotolia.com)

Bei Verdacht auf Nährstoffmangel zur Blutanalyse

Es wird zwar oft behauptet, dass Flecken in den Nägeln auf einen Vitamin-, Eisen– oder Kalziummangel zurückzuführen sei, doch wissenschaftlich belegt ist dies nicht.

Wer hinter seinen Nagelproblemen dennoch einen Nährstoffmangel vermutet, sollte sich an einen Mediziner wenden und eine Blutanalyse durchführen lassen. Bei einigen Veränderungen an den Nägeln sollte man aber in jedem Fall zu einem Arzt gehen.

In einem Beitrag des Norddeutschen Rundfunks wird erklärt, wann dies empfohlen wird. Der NDR sprach dafür mit der Fachärztin für Dermatologie, Dr. Melanie Hartmann, vom
DermoCosmetic Center Hamburg.

Hinweise auf Hautkrebs

Weiße Flecken in den Nägeln sind in der Regel nur harmlose Lufteinschlüsse, die beim Wachsen des Nagels entstehen.

Auch gelbliche Verfärbungen sind oft unverfänglich. Sie können unter anderem durch den Kontakt mit Putzmitteln oder rotem Nagellack auftreten.

Bei hellbraunen Verfärbungen ist laut der Expertin allerdings ein Arztbesuch ratsam, da diese der Beginn eines Nagelpilzes sein könne, der unbehandelt den ganzen Nagel zerstört und sich zudem ausbreiten kann.

Ebenfalls zum Hautarzt muss man, wenn sich dunkelbraune bis schwarze Flecken einstellen, die nicht herauswachsen. Dabei kann es sich um schwarzen Hautkrebs handeln. Melanome können wie einfacher Hautpilz wirken.

Völlig normale Alterserscheinung

Andere Probleme sind zwar oft lästig, aber nicht gefährlich. So können etwa brüchige und splitternde Nägel auf eine ausgelaugte, poröse Nagelplatte zurückzuführen sein, beispielsweise durch häufiges Händewaschen oder Geschirrspülen.

Wenn die Nägel jedoch über Monate hinweg immer wieder brechen oder splittern, kann tatsächlich ein Vitaminmangel (Biotin) oder eine Schilddrüsenunterfunktion vorliegen.

Wie es in dem Beitrag weiter heißt, können Längsrillen gelegentlich bei Rheuma oder Lebererkrankungen auftreten. In den meisten Fällen sind sie jedoch eine völlig normale Alterserscheinung.

Querrillen hingegen treten häufig längere Zeit nach schweren Magen-Darm-Infekten, Grippe mit hohem Fieber, einer Chemotherapie oder extremen Stress-Phasen auf.

Wissenschaftliche Belege fehlen

Zwar werden auf dem Markt zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel, Cremes und Lacke damit beworben, durch ihre Inhaltsstoffe für gesunde Nägel zu sorgen, doch wissenschaftlichen Belege dafür fehlen.

Experten raten zur Vorsicht mit solchen Präparaten. Überdosierungen, Neben- und Wechselwirkungen können nicht ausgeschlossen werden. Beispielsweise könne ein Zuviel an Biotin (Vitamin B7) die Aufnahme von Vitamin C stören.

Manche Cremes und Öle können aber einen Beitrag zur Nagelgesundheit leisten, indem sie die Nagelhaut geschmeidig halten. Diese wiederum schützt die Nagelwurzeln vor Fremdkörpern und Keimen.

Tipps für schöne und gesunde Nägel

In diesem Zusammenhang sollte man wissen, dass die Nagelhaut – entgegen der verbreiteten Meinung – nicht stärker wächst, wenn man sie öfter schneidet.

(Bild: eyetronic/fotolia.com)

Statt sie zu schneiden, ist es laut Experten schonender, die Nagelhaut zurückzuschieben. Idealerweise mit einem feinen Holzstäbchen.

Kleinere Unebenheiten oder Verfärbungen an den Nägeln kann man mit einer feinen Manikürefeile vorsichtig entfernen. Im Beitrag des NDR gibt es noch einen Tipp, wie man seinen Fingernägeln etwas besonders Gutes tun kann:

Vor dem Zubettgehen eine feuchtigkeitsspendende Handcreme auch auf den Nägeln und Nagelhäutchen einmassieren und dann mit Handschuhen schlafen. Am nächsten Morgen hat man samtweiche Hände mit schönen, glänzenden Nägeln. (ad)