Einfacher Netzhaut-Test kann Alzheimer bereits 20 Jahre vor dem Ausbruch diagnostizieren

Alexander Stindt
Medizinern gelingt Durchbruch bei der frühzeitigen Diagnose von Alzheimer
Die sogenannte Alzheimer-Erkrankung ist eine auf der ganzen Welt weit verbreitete neurodegenerative Krankheit. Die Erkrankung tritt in den meisten Fällen bei älteren Menschen auf. Forscher haben jetzt einen neuen Test für die Augen entwickelt, welcher eine Alzheimer-Erkrankung bereits zwei Jahrzehnte vor den ersten Symptomen feststellen kann.

Die Wissenschaftler des Cedars-Sinai Medical Center stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass ein simpler Test der Augen darauf hinweisen kann, ob Menschen im späteren Leben einmal Alzheimer entwickeln. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „JCI Insight“.

Eine Untersuchung der Netzhaut kann zu einer zuverlässigen Diagnose der Alzheimer-Erkrankung verwendet werden. Durch die Entdeckung von Amyloid-Plaques kann ein erhöhtes Risiko für Alzheimer bereits 20 Jahre vor der Entstehung der Krankheit festgestellt werden. (Bild: vicu9/fotolia.com)

Was ist Alzheimer?
Weltweit gibt es Millionen Menschen mit einer Alzheimer-Erkrankung. Die Krankheit betrifft meist Personen im Alter über 65 Jahren. Typisch für die Erkrankung ist, dass sich bei Betroffenen die kognitive Leistung immer weiter verschlechtert.

Untersuchung der Augen ein zuverlässiger und kostengünstiger Test für Alzheimer
Die Experten verglichen die Ergebnisse des Netzhaut-Tests mit den Ergebnissen von Scans des Gehirns der Betroffenen. Beide Tests konnten erfolgreich feststellen, welche Menschen eine stark erhöhte Menge an Plaque-Aufbau in ihrem Gehirn aufwiesen. Die Ergebnisse sind das erste Anzeichen dafür, dass die Untersuchung an den Augen einen zuverlässigen kostengünstigen und nicht-invasiven Test zur Feststellung von Alzheimer darstellen kann, erläutern die Wissenschaftler.

Test der Netzhaut ermöglicht einfachere Überwachung der Erkrankung
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Netzhaut als zuverlässige Quelle für die Diagnose der Alzheimer-Krankheit nutzbar ist, beton die Studienautorin Dr. Maya Koronyo-Hamaoui. Ein großer Vorteil dieser Untersuchung sei die einfache Wiederholbarkeit der Analyse der Netzhaut. So werde es den Mediziner ermöglicht, das Fortschreiten der Erkrankung einfacher zu überwachen.

Teilnehmer der Studie nahmen Curcumin zu sich
Für die Entwicklung des neuen Tests wurden 16 Probanden untersucht und medizinisch überwacht. Die Teilnehmer nahmen eine Lösung zu sich, welche Curcumin enthielt. Curcumin ist eine natürliche Komponente des Gewürzes Kurkuma. Diese Pflanze stammt eigentlich aus Südasien und wird oft auch als gelber Ingwer oder Gelbwurz bezeichnet.

Curcumin macht Amyloid-Plaque in der Netzhaut sichtbar
Das Curcumin bewirkt, dass die Amyloid-Plaques sozusagen in der Netzhaut leuchten. So kann es dann durch einen Scan der Netzhaut erkannt werden. Die Ergebnisse der Tests an den Patienten wurden mit den Ergebnissen einer Gruppe von jüngeren und kognitiv gesunden Individuen verglichen, erläutern die Wissenschaftler.

Weitere Forschung ist notwendig
Bei ihrer Untersuchung fanden die Experten heraus, dass die Diagnose-Ergebnisse so genau wie bei der invasiven Standardmethode waren. Ein sehr wichtiger Befund der neuen Studie sei zudem die Entdeckung von sogenannten Amyloid-Plaques in zuvor übersehenen peripheren Regionen der Netzhaut, betonen die Forscher. Die Plaque-Menge in der Netzhaut korreliere mit der Menge von Plaques in bestimmten Bereichen des Gehirns, erklären die Forscher. Die Untersuchung umfasste allerdings nur eine sehr kleine Anzahl von Probanden und weitere Forschung zu diesem Thema sei jetzt dringend notwendig. (as)