Einige Schmerzmittel können hemmenden Einfluss auf unsere Emotionen haben

Alexander Stindt

Schmerzhafte Erinnerungen und Gefühle können durch Schmerzmittel verringert werden

Die Einnahme von handelsüblichen Schmerzmitteln führt nicht nur zur Linderung von körperlichen Schmerzen, sie scheint Frauen auch bei der Bewältigung von emotional schmerzhaften Erfahrungen zu helfen. Der gleiche Effekt konnte aber bei Männern nicht festgestellt werden.


Die Wissenschaftler der University of California stellten fest, dass die Einnahme von Schmerzmitteln scheinbar auch emotionale Schmerzen zu verringern scheint, dies gilt allerdings nur für Frauen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Policy Insights from the Behavioral and Brain Sciences“.

Wenn Frauen Schmerzmittel einnehmen, reduziert dies nicht nur die körperlichen Schmerzen, sondern auch deren Mitgefühl gegenüber anderen Menschen, Trauer und unangenehme Gefühle. (Bild: BestForYou/fotolia.com)

Frauen verkraften schmerzhafte Erinnerungen besser mit Schmerzmitteln

Bei einer Überprüfung von verschiedenen Studien konnten die Experten feststellen, dass Ibuprofen und Paracetamol einnehmende Frauen weniger Trauer oder unangenehme Gefühle aufgrund von emotional schmerzhaften Erfahrungen erlebten, verglichen mit Placebo einnehmenden Patientinnen. Das gleiche Ergebnis konnten bei Männer jedoch nicht festgestellt werden, wenn diese nicht verschreibungspflichtige Schmerzmittel einnahmen.

Schmerzmittel wirken sich massiv auf die Gefühle aus

Rezeptfreie Schmerzmittel beeinflussen, wie Menschen Informationen verarbeiten, auf emotional evokative Bilder reagieren und verletzte Gefühle erleben. Die Ergebnisse der Studie haben gezeigt, dass Menschen durch die Einnahme von Schmerzmitteln weniger einfühlsam reagieren, wenn sie beispielsweise mit Schmerzen von Fremden konfrontiert werden. Also scheinen solche Schmerzmittel bestimmte Gefühle im Gehirn zu blockieren, mutmaßen die Mediziner.

Die psychologischen Nebenwirkungen könnten die Konsumenten überraschen

In vielerlei Hinsicht sind die überprüften Ergebnisse durchaus alarmierend, sagen die Forscher. Die Verbraucher gehen bei der Einnahme von einem rezeptfreien Schmerzmittel davon aus, dass dieses ihre körperlichen Symptome lindern wird. Die Betroffenen erwarten sicherlich nicht, dass größere psychologische Auswirkungen die Folge sein könnten, erklärt Studienautor Dr. Kyle Ratner.

Psychologische Auswirkungen der Einnahme von Ibuprofen

Die Einnahme von Ibuprofen führte bei den Frauen dazu, dass diese weniger unangenehme Gefühle aufgrund von emotional schmerzhaften Erfahrungen erlitten. Zu solchen Erfahrungen gehörte beispielsweise das Niederschreiben von Fällen in denen die Betroffenen betrogen wurden. Die Forscher fanden außerdem heraus, dass die Pillen die Fähigkeit beeinflussen, sich in die Schmerzen anderer Menschen einzufühlen.

Psychologische Auswirkungen der Einnahme von Paracetamol

Wenn Patienten Paracetamol einnahmen, zeigten sie weniger Rücksicht gegenüber anderen Personen und reagierten weniger emotional betrübt, wenn sie mit den Schmerzen eines anderen Menschen konfrontiert wurden. Das Schmerzmittel scheint auch die Reaktionen auf emotionale Objekte zu vermindern, beispielsweise werden unangenehme Fotos als weniger störend bewertet, verglichen mit Placebo einnehmenden Probanden. Paracetamol scheint es Menschen auch einfacher zu machen, sich von bestimmten Objekten zu trennen. Wenn die Teilnehmer gebeten wurden, einen Verkaufspreis für solch ein Objekt in ihrem Besitz festzulegen, legten sie durch die Einnahme von Paracetamol niedrigere Preise fest.

Weitere Forschung ist nötig

Es müsse jetzt bei anderen Untersuchungen festgestellt werden, ob die Schmerzmittel negative Auswirkungen auf Menschen haben, welche sie in Kombination mit anderen Medikamenten einnehmen oder depressiv sind, sagt Dr. Ratner. Wenn sich die vorläufigen Ergebnisse bestätigen, sollten politische Entscheidungsträger eventuell neue Regelungen in Betracht ziehen, welche die potenziellen Risiken und Vorteile für die öffentliche Gesundheit berücksichtigen. (as)