240.000 Einträge im AOK Online-Arztvergleich

Sebastian

Der Online-Arztvergleich von AOK, BARMER GEK, TK und Weisse Liste zählt immer mehr Bewertungen und Mitglieder

06.08.2012

Das Ärzte-Bewertungsportal wird von den Krankenkassen Barmer GEK, Techniker-Krankenkasse und AOK seit über einem Jahr online betrieben. Bis zum heutigen Tag haben aktive Patienten rund 240.000 Ärzte-Beurteilungen abgegeben, wie ein Sprecher des Gemeinschaftsprojektes am Montag erklärte. Bei einem Vergleich der Bewertungsportale von Ärzten erreichte der AOK-Arztnavigator die besten Ergebnisse.

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Immer mehr Versicherte bewerten Ärzte
Immer mehr gesetzlich Versicherte beteiligen ich am Projekt Arztnavigator und bewerten ihren Haus- oder Facharzt. Das von der Bertelsmann Stiftung und den Dachverbänden großer Verbraucher- und Patientenorganisationen gestützte Projekt besteht mittlerweile seit mehr als einem Jahr und findet immer mehr Zuspruch. Jens Baar, Vorsitzender der Techniker-Kasse, forderte dazu auf, an dem Online-Bewertungsportal mitzuwirken. "Wir ermuntern die Versicherten, sich weiter aktiv zu beteiligen. Mit ihrer Stimme helfen sie anderen Patienten, leichter einen passenden Arzt zu finden", so Baas.

Bestnoten für Arztnavigator
War der Online-Arztvergleich in der Planungsphase vor allem von Seiten der Ärzteschaft heftig umstritten, so hat sich der Wind mit der Zeit etwas gelegt. Denn eine Untersuchung des Ärztlichen Zentrums für Qualität (ÄZQ) hatte bereits im Jahre 2011 kaum Beanstandungen und bewertete den AOK-Arztnavigator fast durchweg positiv. „85 Prozent der von der Ärzteschaft aufgestellten Kriterien werden erfüllt“, lautete das Resümee des Gutachtens. Die Analyse wurde seinerzeit von Seiten Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung in Auftrag gegeben. Neben dem Arztnavigator wurden noch elf weitere Ärztebewertungsportale getestet. Der Navigator konnte sich in allen Fragestellungen durchsetzen und erreichte unter allen Angeboten den ersten Platz.

In einer weiteren Analyse konnten im Nachhinein drei weitere Arztbewertungsportale mehr als 80 Prozent der Richtlinien des Qualitätsinstituts erreichen. Zu ihnen gehörten „Arzt-Auskunft“, „Imedo“ und „Jameda“.

Das zeigt, dass „die Ärzteschaft dem AOK-Arztnavigator einen hohen Qualitätsstandard bestätigt", erklärte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Jürgen Graalmann. Die hohe Beteiligung zeige aber auch, dass sich „die Versicherten nicht scheuen, den behandelnden Ärzten eine Rückmeldung zu geben“.

Allerdings gebe es aus Sicht des ÄZQ noch einige Punkte, die verbessert werden müssten. So seien nach Ansicht der Experten vor allem die Kriterien zur Aktualität der Arzteinträge und zur Information über Widerspruchsmöglichkeiten gegen die Aufnahme in das Arzt-Verzeichnis noch verbesserungswürdig. Zudem sollten auch Blinde einen Zugang erhalten. Dies könne durch einen barrierefreien Zugang zum Portal ermöglicht werden, so das ärztliche Qualitätsinstitut.

Frei von Werbung und gekauften Einträgen
Im Gegensatz zu anderen Portalen ist der AOK-Arztnavigator frei von Werbung. Zudem können sich Ärzte auch keine bessere Positionierung erkaufen. Um Falscheinträge und Manipulationen zu verhindern, muss sich jeder Nutzer zunächst registrieren. Zusätzlich muss ein Arzt mindestens zehn Bewertungen von unterschiedlichen Usern erhalten, bis der Eintrag freigeschaltet wird. „Das Portal schafft Orientierung für Patienten unter fairen Bedingungen für Ärzte“, erklärte Dr. Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte bei der Bertelsmann Stiftung. „Wir hatten von Anfang an den Anspruch, ein Portal neuer Qualität zu etablieren: mit einem wissenschaftlich fundierten Fragebogen und einem wirksamen Schutz vor Manipulationen“, ergänze Dr. Ilona Köster-Steinebach, Referentin für Qualität und Transparenz im Gesundheitswesen beim Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung warnte jedoch davor, derlei Portale bei Wahl des Mediziners zu überschätzen. Eine Befragung unter Krankenversicherten habe ergeben, dass nur zehn Prozent der Patienten Portale dafür nutzen, um den „richtigen Arzt“ auszuwählen. Dieser Position widersprach der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der BARMER GEK, Dr. Rolf-Ulrich Schlenker. Seiner Ansicht nach wird sich der Online-Arztvergleich „mittelfristig durchsetzen“. Es werde noch ein wenig dauern, bis flächendeckend alle Ärzte eingetragen sind, aber „Seriosität hat Vorrang“, betonte Schlenker. Neuerdings können auch Zahnärzte online bewertet werden. (sb)