EKG-Anomalien Risikomarker für Herzinfarkte

Fabian Peters

Drohende Herzinfarkte anhand von Langzeit-EKG erkennen

30.09.2011

Herzinfarkt-Patienten erleiden relativ häufig in den kommenden Jahren nach ihrem ersten Herzinfarkt einen zweiten. Anhand computergestützter Auswertungen der Elektrokardiogramm-Daten von mehr als 4.500 Herzinfarkt-Patienten konnten US-Forscher um Zeeshan Syed von der University of Michigan in Ann Arbor nun drei Risikomarker nachweisen, die als Anomalien bei Langzeit-EKG auftreten und bereits frühzeitig auf einen weiteren Herzinfarkt hinweisen.

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Versteckte Anomalien im EKG bei Herzinfarkt-Patienten
Wie die US-Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Science Translational Medicine“ berichten, weisen versteckte Anomalien im EKG der Herzinfarkt-Patienten bereits sehr früh auf einen bevorstehenden zweiten, potenziell tödlichen Infarkt hin. Bei der Analyse der EKG-Daten von 4.557 Herzinfarkt-Patienten, die routinemäßig im Krankenhaus mit einem 24-Stunden-EKG überwacht wurden, nutzten die US-Forscher die Methoden des sogenannten Data-Minings und der künstlichen Intelligenz (KI), um die extrem große Datenmenge sinnvoll zu bearbeiten und eventuelle Muster zu erkennen. Dabei stellten sie fest, dass drei Marker für das Risiko weiterer Herzinfarkte bestehen, welche allerdings bei der normalen Auswertungen der EKG-Daten registriert werden können. Die Risikomarker seien bei dem 24-Stunden-EKG weder hörbar, noch auf dem Ausdruck erkennbar, zumal die meisten Ärzte ohnehin nur einen Abschnitt des EKG betrachten, erklärten die US-Wissenschaftler in dem Fachmagazin „Science Translational Medicine“.

Drei Risikomarker für weitere Herzinfarkte
Die drei Risikomarker, die in den Langzeit-EKG bereits im Vorfeld eines drohenden tödlichen Herzinfarktes nachzuweisen waren, sind laut Aussage der US-Forscher erstens winzige Variationen über lange Zeiträume in der an sich normalen Herzfrequenz, zweitens bestimmte Veränderungen in der Herzschlagrate, welche zum Ausdruck bringen, ob das Herz der Patienten normal auf die Nervensignale reagiert und drittens Abweichungen der Langzeit-EKG von denen anderer Patienten mit vergleichbarer Krankheitsgeschichte. Diese Risikomarker seien mit den herkömmlichen Untersuchungsmethoden kaum erkennbar und würden daher nicht als Alarmsignale wahrgenommen, erklärten die US-Wissenschaftler der Universität von Michigan. Wie der Forschungsleiter Zeeshan Syed ergänzte, können „heutige Methoden zur Identifizierung von Infarktopfern, die die aggressivste Therapie benötigen, zwar einige Patientengruppen mit hohem Komplikationsrisiko aufspüren“, doch die Fehlerquote liege deutlich zu hoch. So würden die bisherigen Früherkennungsmethoden „bis zu 70 Prozent“ der Todesfälle verfehlen, erklärte Syed. Bei einem Großteil der Herzinfarkt-Patienten, die einen Defibrillator eingesetzt bekamen, um einen plötzlichen Herzstillstand zu vermeiden, wurden die Geräte niemals benötigt und bei der Mehrheit der Patienten, die an einem weiteren Herzinfarkt starben, konnte dieses Risiko mit den bisherigen Verfahren nicht erkannt werden, erläuterten die US-Wissenschaftler.

Neue Erkenntnisse erlauben bessere vorbeugende Behandlung
Auch die nun nachgewiesenen Anomalien würden sich normalerweise in einer Art Hintergrundrauschen verbergen und ließen sich daher nur mit Hilfe der äußerst umständlichen computergestützten Analyse erkennen, so die Aussage der Experten. Die nachträgliche Auswertung der EKG-Daten von mehr als 4.500 Herzinfarkt-Patienten habe jedoch gezeigt, dass Patienten, die mindestens einen der drei Risikomarker aufwiesen, einem zwei- bis dreifachen Risiko unterlagen, binnen der nächsten zwölf Monate nach dem EKG an einem plötzlichen Herzstillstand zu versterben. Herzinfarkt-Patienten, die sämtliche Marker aufwiesen, unterlagen sogar einem um 50 Prozent erhöhten Risiko eines tödlichen zweiten Infarkts, betonten die US-Wissenschaftler. Dies entspreche „tausenden oder zehntausenden Patienten, für die Ärzte potenziell eine effektiv vorbeugende Behandlung verschreiben könnten, basierend auf der individuelleren Bewertung ihres Komplikationsrisikos”, unterstrich Zeeshan Syed die Bedeutung der aktuellen Untersuchungsergebnisse. (fp)