Eltern-Rat: Das sollte beim abendlichen Vorlesen beachtet werden

Fabian Peters
Wie lange und wie spannend darf es sein? Tipps zum Vorlesen für Eltern
Das abendliche Vorlesen kann verschiedene Funktionen erfüllen. Für viele Kinder ist es ein regelrechtes Ritual zum „Runterkommen“. Zudem regt es die Fantasie, Kreativität und Empathie an und fördert die Sprachentwicklung. Manche Eltern fragen sich, wie spannend die Geschichten vor dem Einschlafen sein dürfen und wie lange sie dauern sollen.
Vorlesen stärkt die Sprachentwicklung des Kindes
Für viele Kinder kann das Vorlesen am Abend ein Ritual zum Runterkommen sein. Eine Untersuchung aus dem vergangenen Jahr kam zu dem Schluss: Vorlesen stärkt die Sprachentwicklung und Familienbande. Zudem werden dadurch Fantasie, Kreativität und Empathie angeregt. Wie aus einer nun vorgestellten Studie der Stiftung Lesen hervorgeht, liest mindestens jedes dritte Elternpaar Kindern, die noch nicht selbst lesen und schreiben können, mehrmals in der Woche vor. 18 Prozent der Befragten nehmen demnach sogar täglich ein Buch für ihre Sprösslinge zur Hand. Andererseits lesen jedoch 15 Prozent ihrem Nachwuchs seltener als einmal die Woche vor, weitere 15 Prozent nie.

Das abendliche Vorlesen hat fördert die Sprachentwicklung und ist ein gutes Ritual vor dem Schlafengehen. (Bild: Konstantin Yuganov/fotolia.com)
Das abendliche Vorlesen hat fördert die Sprachentwicklung und ist ein gutes Ritual vor dem Schlafengehen. (Bild: Konstantin Yuganov/fotolia.com)

Zuverlässig und pünktlich
Die Befragung ergab zudem, dass 80 Prozent der belesenen Acht- bis Zwölfjährigen glauben, dass ihre Mitschüler sie als „sehr zuverlässig“ oder als jemanden, der „normalerweise nie zu spät“ kommt, beschreiben würden, erklärte die Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung, Simone Ehmig. „Diese Kinder sind eher bereit, in ihrem späteren Berufsleben Verantwortung zu übernehmen und kreativ Dinge voranzubringen.“ Auf der anderen Seite hielt sich bei den Kindern, deren Eltern selten oder nie Bücher für sie zu Hand nehmen, nicht einmal jedes Zweite für zuverlässig und pünktlich.

Kinder sollten Lesestoff selbst aussuchen
Dana Urban von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung zufolge sei es ideal, wenn Mütter und Väter das Kind selbst aussuchen lassen, was es gerne hören würde. In einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa erklärte sie: „Schön ist, wenn das Kind ein eigenes Bücherregal in Kinderhöhe hat.“ Gerade bei Kinderbüchern kann es sich lohnen, gemeinsam in der Bibliothek zu stöbern und etwas auszuleihen. Viele Eltern fragen sich aber, ob man vor dem Einschlafen auch etwas Spannendes lesen darf. Die Geschichte dürfe laut Urban schon spannend sein. „Damit freut sich das Kind auch gleich auf den nächsten Abend, weil es wissen möchte, wie es weitergeht.“ Allerdings ist vor allem bei kleineren Kindern vielleicht eine beruhigende Geschichte eher das Richtige.

Es darf auch etwas Gruseliges sein
Urban sagte, Eltern dürften dem Alter entsprechend zwar auch etwas Gruseliges lesen, doch sie sollten damit erst mal nachmittags beginnen und schauen, wie das Kind darauf reagiert. Bei der Länge der Vorlesezeit kommt es ebenfalls ganz auf das Kind an. „Vorschulkinder können schon gut eine halbe Stunde im Schnitt konzentriert und aufmerksam zuhören“, so die Expertin. Eltern können dies auch gut durch kleine Nachfragen zwischendurch prüfen. Kinder, denen häufiger vorgelesen wird, sind darin quasi trainierter und können länger konzentriert zuhören.

Wenn die Kleinen zu unterschiedlichen Zeiten ins Bett gehen
In Familien mit mehreren Kindern, die ein paar Jahre auseinander sind, sind Eltern oft unsicher, ob sie allen Kindern ein und dasselbe Buch vorlesen können. Wenn sie abends zeitgleich ins Bett gehen, können sie sich mit dem Aussuchen des Buches vielleicht abwechseln. Eine andere Möglichkeit wäre, dass es zwei kurze Geschichten nacheinander gibt. Wenn das jüngere Kind aber früher ins Bett geht oder der Altersunterschied recht deutlich ist, empfiehlt Urban, dass jedes Kind seine eigene Vorlesezeit bekommt. Das wissen gerade auch die älteren Geschwister zu schätzen. Sie finden es oft toll, wenn sie Mama oder Papa noch mal ganz für sich haben, wenn die Jüngeren schon schlafen. (ad)