Emotionen: Psyche kann das Herz schnell aus dem Takt gleiten

Sebastian
Emotionaler Stress kann das Herz schädigen
Nicht wenigen Menschen schlägt der Stress nicht nur sprichwörtlich sondern auch körperlich aufs Herz. Patienten reagieren dann mit Beschwerden, die einem Infarkt sehr ähnlich sind. Das sogenannte Broken-Heart-Syndrom ist gefährlicher als bislang angenommen. Es kann sogar lebensgefährlich werden.

„Es hat ihr das Herz gebrochen“ – sagt man so. Wer unter Liebeskummer leidet, leidet an einem Herzschmerz. Es gibt in einigen älteren Filmen Szenen, in denen ein Mensch vor Trauer mit der Hand auf dem Herz zusammenbricht. Dass das auch in der Realität passieren kann, wissen die Ärzte erst seit kurzem. Erst vor 20 Jahren wurde das Broken-Heart-Syndrom bekannt. Forscher fanden nun heraus, dass das gebrochene Herz-Syndrom (Broken-Heart-Syndrom) tatsächlich zu länger anhaltenden Schäden am Herzmuskel führen kann.

Ähnlich wie bei einem Herzinfarkt. „Das Broken-Heart-Syndrom ist eine Herzmuskelerkrankung, die durch ein hohes Level an Stresshormonen ausgelöst wird“, berichtet Felix Schröder vom Herz- und Gefäßzentrum im Albertinen-Krankenhaus Hamburg, der gerade ein Buch über das Herz geschrieben hat. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)

Die Wissenschaftler der University of Aberdeen stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass das sogenannte Tako-Tsubo-Syndrom (Broken-Heart-Syndrom) zu lang anhaltenden Schäden am Herzmuskel führen kann. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Journal of the American Society of Echocardiography“.

Bewegungen des Herzens wurden verzögert und reduziert
Alleine in Großbritannien betrifft das Tako-Tsubo-Syndrom jedes Jahr etwa 3.000 Menschen. Bei der aktuellen Studie wurden insgesamt 52 Tako-Tsubo-Patienten über einen Zeitraum von vier Monaten medizinisch überwacht, erläutern die Forscher. Mit der Hilfe von Ultraschall- und MRT-Scans des Herzens fanden die Experten heraus, dass die Erkrankung die Bewegungen des Herzens dauerhaft beeinflusst. „Die verdrehende Bewegung des Herzens, welche dieses während des Herzschlags macht, wurde verzögert und die quetschende Bewegung des Herzen wurde reduziert“, erläutern die Autoren der Studie.

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Langfristige Überlebensraten ähnlich wie bei einem Herzinfarkt
Außerdem stellten die Wissenschaftler fest, dass Teile des Herzmuskels durch feine Narben ersetzt werden. Dadurch wird die Elastizität des Herzen reduziert und so verhindert, dass es sich ordnungsgemäß zusammenziehen kann, sagen die Wissenschaftler. Die Ergebnisse der Untersuchung könnten helfen zu erklären, warum das sogenannte Takotsubo-Syndrom zu ähnlichen langfristigen Überlebensraten führt, wie bei Menschen mit einem Herzinfarkt, sagen die Wissenschaftler.

Broken-Heart-Syndrom führt zu lange andauernden Schäden am Herzen
Bislang meinte man, dass Menschen mit dem Tako-Tsubo-Syndrom sich auch ohne medizinische Eingriffe wieder vollständig erholen. Die Untersuchung hat jetzt aber gezeigt, „dass diese Krankheit viel länger andauernde schädliche Auswirkungen auf die Herzen der Betroffenen hat, als vermutet“, erklären die Forscher in einer Mitteilung zu den Studienergebnissen.

Erkrankung tritt häufiger auf
„Jüngste Studien haben gezeigt, dass diese Krankheit nicht so selten ist, wie wir bisher annahmen“, sagen die Autoren. Die Auswirkungen des sogenannten gebrochenen Herzen-Syndroms auf das Herz von Patienten seien so gravierend, dass dieses Thema durchaus ernst genommen werden sollte.

Erholung kann länger dauern oder überhaupt nicht eintreten
Die Studie hat klar gezeigt, dass bei einigen Patienten mit dem Tako-Tsubo-Syndrom verschiedene Aspekte der Herzfunktionen bis zu einem Zeitraum von vier Monaten anormal beeinflusst werden. Besonders besorgniserregend ist, dass die Herzen der Erkrankten eine Form von Narbenbildung aufweisen. Dies deutet darauf hin, dass eine vollständige Erholung bei solchen Personen viel länger dauern kann oder schlimmstenfalls gar nicht eintritt, sagen die Autoren. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit , „dringend neue und effektivere Behandlungen für das verheerende Syndrom zu entwickeln“, betonen die Studienautoren. (sb, as)