Ende mit der XXL-Kultur bei der Ernährung: Krankenkassenchef für Zuckersteuer

Alfred Domke
Immer mehr Diabetiker: Krankenkassen-Chef fordert Zuckersteuer
Immer mehr Menschen in Deutschland leiden an Diabetes. Verantwortlich für die Zunahme ist vor allem die Ernährung. Der Chef der Krankenkasse AOK Rheinland/Hamburg fordert nun Konsequenzen: Man müsse weg von der XXL-Kultur. Er spricht sich – wie auch andere Gesundheitsexperten – für die Einführung einer Zuckersteuer aus.

Immer mehr Diabetiker in Deutschland
Die sogenannte Zuckerkrankheit breitet sich immer weiter aus: Mittlerweile leben fast sieben Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland. Dies geht aus dem „Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2017“ hervor, in dem auch ein Beitrag zu finden ist, der den Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum, Übergewicht und Typ-2-Diabetes darlegt. Hier werden evidenzgesicherte Argumente zusammengetragen, „an denen auch die Lebensmittel- und Zuckerindustrie zukünftig nicht mehr vorbeisehen kann“, erklärte die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG). Die Diabetes-Prävention durch höhere Steuern wäre laut Experten eine Möglichkeit, um dem Problem zu begegnen.

In Deutschland gibt es immer mehr Diabetiker. Verantwortlich für die Zunahme ist vor allem die Ernährung. Gesundheitsexperten fordern die Einführung einer Zuckersteuer. (Bild: Jiri Hera/fotolia.com)

Zahlreiche Folgeerkrankungen drohen
Diabetes wird langfristig mit zahlreichen Folgeerkrankungen in Zusammenhang gebracht, da ein schlecht eingestellter Blutzucker zum Beispiel zu Amputationen, Neuerblindungen, Herz- und Gefäßkomplikationen führen kann. „Drei Viertel aller Menschen mit Diabetes sterben letztlich an Herzinfarkt oder Schlaganfall“, erläuterte die DDG.

In den letzten Jahren haben viele deutsche Gesundheitsexperten angeregt, dem Beispiel anderer Länder zu folgen und eine Zuckersteuer einzuführen, um Übergewicht, Adipositas, Diabetes und daraus resultierende Krankheiten zu bekämpfen.

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Nun hat sich auch der Chef der Krankenkasse AOK Rheinland/Hamburg, Günter Wältermann, für eine solche Steuer ausgesprochen.

Viel Bewegung und gesunde Ernährung
In der „Rheinischen Post“ (RP) forderte er angesichts der steigenden Zahl von Diabetikern eine „gesamtgesellschaftliche Strategie“. Neben viel Bewegung und gesunder Ernährung in Kitas und Schulen gehörten dazu auch gut sichtbar und klar verständliche Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen.

Laut Wältermann müsse man auch wegkommen von der XXL-Kultur bei der Ernährung. „Auch eine Zuckersteuer muss in Betracht gezogen werden“, sagte der Krankenkassen-Chef.

Gesundheitsexperten für Zuckersteuer
In manchen Ländern gibt es bereits eine Zuckersteuer. Die Mehrheit der Deutschen lehnt die Zuckersteuer allerdings ab, wie eine Umfrage der DAK-Gesundheit zeigte.

Im vergangenen Jahr hatte sich auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gegen eine Fett- und Zuckersteuer ausgesprochen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hingegen hatte erst im Oktober Sondersteuern auf zuckerhaltige Getränke gefordert, um Übergewicht weltweit zu bekämpfen. Nach Expertenangaben sind solche Softdrinks oft Ursache für Übergewicht und Fettleibigkeit.

Erhöhtes Herzinfarktrisiko für Diabetiker
Wie die RP berichtet, geht aus dem noch unveröffentlichten Gesundheitsreport der AOK Rheinland/Hamburg hervor, dass der Anteil der Diabetes-Kranken an den Versicherten der Krankenkasse von etwa 9,5 Prozent im Jahr 2010 auf nun elf Prozent gestiegen ist.

Die Zuckerkrankheit zieht viele andere Leiden nach sich. So ist das Herzinfarktrisiko dem AOK-Report zufolge für Diabetiker achtfach so hoch wie für nicht Erkrankte. Zudem treffen auch andere Herzkrankheiten, chronische Wunden und Nierenleiden Diabetiker häufiger. (ad)