Endometriose: Frauenleiden häufig unerkannt

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Endometriose: Frauenleiden häufig unerkannt oder falsch diagnostiziert

Endometriose ist eine bei Frauen äußerst häufig auftretende chronische Erkrankung, bei der die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) außerhalb der Gebärmutterhöhle krankhaft wuchert. Die schmerzhafte Erkrankung bleibt oft über Jahre hinweg unerkannt. In Deutschland leiden nach Schätzungen der Experten mehr als eine Million Frauen an den Wucherungen gebärmuttereigenen Gewebes im Bauchraum.

Endometriose: häufiges und schwer zu diagnostizierendes Frauenleiden
Endometriose gilt unter den Fachleuten als eines der häufigsten aber auch der am schwierigsten zu diagnostizierende Frauenleiden. Daher widmen sich Endometriose-Zentren wie am Universitätsklinikum Jena (UKJ) explizit der Diagnose und Behandlung von Endometriose. Hier wird das Fachwissen der Experten gebündelt. Um den betroffenen Frauen besser und vor allem schneller helfen zu können. Denn bisher vergehen meist mehrere Jahre bis eine entsprechende Diagnose vorliegt. So gehen die verschiedenen Schätzungen der Fachleute von drei bis 11 Jahren bzw. sechs bis 12 Jahren aus, die zwischen dem erstmaligen Auftreten der massiven Unterbauchschmerzen und der Erstdiagnose vergehen. Endometriose verursacht jedoch nicht nur massive Schmerzen sondern führt in zahlreichen Fällen auch zu ungewollter Kinderlosigkeit.

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Endometriose-Zentrum Stufe III am Universitätsklinikum Jena
Das UKJ wurde aktuell als einziges derartiges Zentrum im gesamten mitteldeutschen Raum von der Europäischen Endometriose Liga (EEL) mit dem Zertifikat der höchsten Qualitätsstufe als „Endometriose-Zentrum Stufe III“ ausgezeichnet. In der begleitenden Presseerklärung betonte der Direktor der Gynäkologie am UKJ, Ingo Runnebaum: „Die Endometriose stellt uns immer wieder vor große Herausforderungen.“ Bis heute werden die Beschwerden der betroffenen Frauen nach Ansicht des Fachmanns viel zu häufig „als Regelschmerzen abgetan, auch von Ärzten, die oft zu wenig über das zwar weit verbreitete, aber unbekannte Krankheitsbild wissen.“ Das wollen die Fachleute am Endometriose-Zentrum des UKJ ändern. Hier finden die betroffenen Frauen alle Ansprechpartner vom Operateur über den Endokrinologen bis hin zum Schmerztherapeuten und Psychologen unter einem Dach.

Endometriose bedingt ungewollte Kinderlosigkeit
Prof. Jürgen Weiss, Endokrinologe am Endometriose-Zentrum, erklärte, dass „etwa in 20 bis 30 Prozent aller Fälle von ungewollter Kinderlosigkeit (…) Endometriose die Ursache“ ist. Mit Hilfe von Operationen können die Ursache jedoch behoben werde, so der Experte weiter. In weniger schweren Fällen können auch Medikamenten helfen, um die Beschwerden zu lindern, erläuterte der Endokrinologe die Behandlungsmöglichkeiten am Jenaer Endometriose-Zentrum. Da die Experten davon ausgehen, „dass sich während der Regelblutungen Gewebezellen über die Eileiter außerhalb der Gebärmutter ansiedeln“ und so die Menstruation selbst Ursache der Erkrankung ist, besteht die Lösung nach Ansicht von Prof. Weiss „darin (…), den Zyklus zu regulieren“. So könne durch die Kombination von medikamentösen Behandlungen auf Basis von Hormonpräparaten (z. B. Antibaby-Pille) mit minimal-invasiven operativen Therapien erfolgreich gegen die Krankheit vorgegangen werden. Wobei nach Aussage des Fachmanns, die operativen Eingriffe, dank moderner chirurgischer Verfahren, schonend und mit kleinsten Schnitten erfolgreich durchgeführt werden können.

Schmerzen als wesentliches Symptom der Endometriose
Am häufigsten von Endometriose betroffen sind Frauen im Alter um die 30 Jahre. Nach Aussage der Europäischen Endometriose Liga, wird bei 70 – 80% aller Frauen mit chronischen Unterbauchschmerzen eine Endometriose als Ursache dieser Schmerzen diagnostiziert. Zudem seien etwa 10% der Frauen im gebärfähigen Alter von einer Endometriose betroffen, so die EEL. Bezüglich der möglichen Anzeichen erklärte Prof. Dr. Ludwig Kiesel, Direktor der UKM-Frauenklinik: „Häufige Symptome für eine Endometriose sind Schmerzen bei der Regelblutung, chronische Unterbauchschmerzen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.“

Frühzeitig auf die Symptome der Erkrankung reagieren
Frauen die entsprechende Anzeichen bei sich beobachten, sollten unbedingt ärztliche Hilfe hinzuziehen, da sich die Endometriose im Laufe der Zeit immer weiter ausbreitet. Dabei reagieren die Erkrankungsherde reagieren fast genauso auf die zyklischen hormonellen Veränderungen im Körper der Frauen wie das normale Gebärmuttergewebe. Sie werden regelmäßig auf- bzw. abgebaut und bluten zyklisch. Da das Blut im Normalfall nicht nach Außen abfließen kann, wachsen die Wucherungen im Körper immer weiter. So können sich mit Blut gefüllte Zysten entwickeln und Verwachsungen mit der Umgebung entstehen, welche oft Ursache heftiger Bauchschmerzen sind. Trotz der Behandlungsmöglichkeiten ist Endometriose chronisch, denn die Krankheit kann auch nach erfolgreicher Therapie immer wieder ausbrechen. Die Lebensqualität der betroffenen Frauen ist durch die Erkrankung meist erheblich beeinträchtigt. Zum Beispiel gaben 65 Prozent der Edometriose-Patientinnen in einer Umfrage an, dass sich die Krankheit negativ auf ihr Berufsleben ausgewirkt hat, wobei 30 Prozent ihr Arbeitsverhältnis aufgrund der Erkrankung beenden und 10 Prozent der Frauen ihre Arbeitszeit reduzieren mussten. (fp, 16.11.2010)