Energydrinks sind gesundheitsgefährdend

Heilpraxisnet

Ärzte warnen: Energydrinks gefährden die Gesundheit

29.12.2014

Sie gelten als leistungsfördernd und als Wachmacher. Doch mehren sich die Warnungen von Medizinern vor den Gefahren der meist abartig süßen Getränke. Vor allem für Jugendliche und in Kombination mit Alkohol stellen sie ein Risiko da.

Zu Silvester dürfte der Absatz wieder boomen, dann werden große Mengen Energydrinks mit Wodka gemischt und verzehrt. Der Absatz steigt seit Jahren. Und es werden immer mehr Stimmen laut, die vor den Gefahren, die von den Drinks ausgehen warnen. So hat neben Verbraucherschützern und Medizinern auch die WHO jüngst ein Verkaufsverbot der Getränke an Jugendliche gefordert. Litauen ist dieser Forderung nun als erste Nation nachgekommen, dort dürfen keine Energydrinks mehr an minderjährige verkauft werden. Zur Begründung hieß es, Kinder und Jugendliche würden besonders empfindlich auf Koffein reagieren. Schon für Erwachsene führen eine Überdosierung zu Herzrasen, Bluthochdruck, Übelkeit und Erbrechen.

Hoher Koffeinanteil im Getränk
Bis zu 300 Milligramm Koffein pro Tag und Erwachsenem sind laut Ärzten unbedenklich. Das entspricht ca. 4 Energydrinks a 250 ml oder acht Tassen Kaffee. Allerdings verändert sich die Situation schlagartig, wenn Alkohol mit ins Spiel kommt. Ca. jeder zweite Konsument trinkt seinen Energydrink nämlich mit Alkohol, so die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) in einer neueren Studie. Es gibt sogar Stimmen, die den Mix aus Energydrinks und Hochprozentigem für Todesfälle verantwortlich machen. "Die Assoziation ist da, aber kausal belegt werden konnte der Zusammenhang nicht", sagt Anke Ehlers vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). "Das gesundheitliche Risiko besteht nicht darin, dass jemand ab und zu eine Dose trinkt, sondern vor allem in dem hohen Konsum, und speziell im Zusammenhang mit sportlicher Betätigung oder Alkohol."

Eine 2014 vom BfR erstmals durchgeführte Datenerhebung, bei der 500 Konsumenten befragt wurden, kam zu dem Ergebnis, dass pro Person bis zu einem Liter des Alkohol-Energydrink-Gemischs während einer Disco Nacht verzehrt wurde, bei sogenannten Lanpartys, deren Teilnehmer bis zu 48 Stunden wach sind, sogar bis zu fünf Liter. „Energy-Drinks mit nicht-alkoholischen Getränken gemischt waren spielten praktisch keine Rolle und wurden von nahezu von niemandem konsumiert.“ Konsumenten seien hauptsächlich Männer zwischen 20 und 25 Jahren. Motiv für den hohen Konsum ist der Wunsch wach und leistungsfähig zu bleiben. "Das Problembewusstsein ist nicht da und Verzehrempfehlungen werden nicht beachtet", so Ehlers.

Kardiologen warnen
Mit wachsender Sorge betrachten Kardiologen den Konsum. Herzkranken und Kindern raten sie gänzlich vom Konsum der Getränke ab. In einigen Fällen soll der übermäßige Verzehr bei Kindern sogar Herzmuskelerkrankungen ausgelöst haben. Laut Efsa hat in Deutschland jeder Fünfte zwischen 8 und 10 Jahren schon einmal einen Energydrink getrunken und einige trinken sogar vier bis fünf Dosen pro Woche. Eine Konsequenz ist, dass seit Mitte Dezember größere Warnhinweise auf den Verpackungen Pflicht sind. Ob Kinder und Jugendliche diese lesen, ist dabei nur die eine Frage. Die andere Frage ist, ob sie diese auch beherzigen. Denn süße, gekühlte Brause trinkt sich sehr viel einfacher, als etwa heißer und bitterer Kaffee.

Die Hersteller weisen unterdessen darauf hin, dass ihre Getränke in den meisten Ländern uneingeschränkt zugelassen sind, weil sie unbedenklich seien. Dazu Marktführer Red Bull: "Energy Drinks werden seit über 25 Jahren in mehr als 165 Ländern vertrieben, da Gesundheitsbehörden auf der ganzen Welt zu der Erkenntnis gekommen sind, dass diese sicher zum Verzehr sind." Allerdings hat das Unternehmen zuletzt eine herbe Schlappe vor einem amerikanischen Gericht hinnehmen müssen. Dieses verurteilte den Konzern zu 13 Millionen Dollar Schadensersatz, weil es irreführende Werbung betrieben hatte. Ein Konsument hatte den Slogan „Red Bull verleiht Flügel“ wohl zu wörtlich genommen und „enttäuscht“ geklagt. (jp)

Bild: Grey59 / pixelio.de