Entdeckt: Medikament gegen Schuppenflechte reduziert das Krebswachstum

Krebs ist eine gefährliche Erkrankung die weltweit jedes Jahr viele Menschen tötet. Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrums entdeckten jetzt, dass eine Medikament gegen Schuppenflechte auch helfen kann Krebstumore zu behandeln.(Bild: vitanovski/fotolia.com)
Alexander Stindt
Wirkstoff in Psoriasis-Medikament hilft bei der Bekämpfung von Krebszellen
Krebs ist eine ernsthafte Erkrankung, die weltweit sehr viele Menschen betrifft. Mediziner und Wissenschaftler suchen daher intensiv nach neuen Wegen, um Krebserkrankungen effektiver zu behandeln. So wird derzeit am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) ein vielversprechender Wirkstoff geprüft, der Tumore des Immunsystems bekämpfen soll.

Krebszellen haben verlernt, auf Signale zu reagieren, die normalerweise den vorprogrammierte Zelltod einleiten sollen. Der untersuchte Wirkstoff kann aber anscheinend diese verlorengegangene Fähigkeit wiederherstellen. So wird das Krebswachstum eingeschränkt und die Metastasierung der vorhandenen Tumore verlangsamt. Ein vielversprechender Ansatz zur Krebstherapie.

Krebs ist eine gefährliche Erkrankung die weltweit jedes Jahr viele Menschen tötet. Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrums entdeckten jetzt, dass eine Medikament gegen Schuppenflechte auch helfen kann Krebstumore zu behandeln.(Bild: vitanovski/fotolia.com)
Krebs ist eine gefährliche Erkrankung die weltweit jedes Jahr viele Menschen tötet. Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrums entdeckten jetzt, dass eine Medikament gegen Schuppenflechte auch helfen kann Krebstumore zu behandeln.(Bild: vitanovski/fotolia.com)

Die Wissenschaftler vom deutschen Krebsforschungszentrum fanden heraus, dass ein Medikament gegen Psoriasis (Schuppenflechte) dabei helfen kann, das Wachstum und die Metastasierung von Krebstumoren abzubremsen. Die Arznei bewirkt, dass Krebszellen wieder auf verlernte Signale reagieren, welche normalerweise die sogenannte Apoptose einleiten. Unter dieser verstehet man eine Art Suizidprogramm einzelner Zellen. Die Experten vom Krebsforschungszentrum veröffentlichten eine Pressemitteilung mit den Ergebnissen ihrer Untersuchung.

Das Sézary-Syndrom
Es gibt im menschlichen Körper sogenannte kutane T-Zell-Lymphome, die überwiegend auf der menschlichen Haut auftreten. Diese bösartige Erkrankung beginnt meist ab dem 50. Lebensjahr und betrifft öfter Männer als Frauen (2:1). Die Lymphome bilden sich dabei aus entarteten T-Zellen unseres Immunsystems, erklären die Autoren. Es gibt eine besondere Form dieses Tumors, welche unter dem Begriff Sézary-Syndrom bekannt ist. Bisher exitiert es für dieses Erkrankung noch keine Heilungsmöglichkeiten. Beim Sézary-Syndrom werden entartete Zellen nicht nur auf der Haut gebildet, sie können auch im Blut von erkrankten Menschen gefunden werden, sagen die Wissenschaftler. Von dort sind sie dann leider auch in der Lage, die anderen menschlichen Organe zu befallen.

Viele Krebsmedikamente lösen eine Apoptose aus
Die Gefahr und Bösartigkeit des sogenannten Sézary-Syndroms beruht hauptsächlich darauf, dass die Krebszellen nicht mehr auf bestimmte Signale reagieren, erläutern die Experten. Diese Signale sollen normalerweise die Apoptose einleiten, eine Form des programmierten Zelltodes. Da diese unterbleibt, wird die Behandlung der Krankheit erheblich erschwert. Denn die meisten Krebsmedikamente bauen darauf auf, eine gezielte Apoptose entarteter Zellen auszulösen, fügen die Mediziner hinzu.

Überlebensfaktor von Krebszellen auszuschalten
Erfreulicherweise ist es Forschern vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) jetzt gelungen, den Überlebensfaktor in Tumorzellen auszuschalten. Dadurch wird in den Zellen wieder der programmierten Zelltod durchgeführt, erklären die Autoren. Für ihr Projekt arbeitete die Forscher um Karsten Gülow (DKFZ) mit Jan Nicolay von der Hautklinik der Universität Mannheim zusammen.

NFkappaB macht Zellen resistent gegen Apoptose
Unsere menschlichen Lymphomzellen enthalten eine Art wichtigen Überlebensfaktor (NFkappaB). Dieser ist dauerhaft aktiv. Aus diesem Grund sind diese Zellen resistent gegen die Apoptose, erläutert Autor Karsten Gülow. Wissenschaftler hatten schon versucht, Wirkstoffe einzusetzen, um diesen Faktor zu hemmen oder auszuschalten. Leider waren diese Hemmstoffe zu giftig, um sie als zuverlässiges ungefährliches Medikament einzusetzen, fügen die Forscher hinzu.

Wissenschaftler testen die Wirkung von Dimethylfumarat (DMF) auf Krebserkrankungen
Die Spezialisten vom deutschen Krebsforschungszentrum und der Universität Mannheim erprobten jetzt beim kutanen T-Zell-Lymphom erstmals den Wirkstoff Dimethylfumarat (DMF). Dieser wirkt ebenfalls gegen NfkappaB, erklären die Autoren. Der Wirkstoff ist bereits bei Multipler Sklerose und bei Psoriasis (Schuppenflechte) als Medikament zugelassen. Dies ist ein großer Vorteil, da schon viel über vorhandene Nebenwirkungen bekannt ist und die Zeit für eine komplette Neuentwicklung gespart werden kann.

DMF lässt Krebstumore langsamer wachsen und verhindert den Befall anderer Organe
Die Wissenschaftler untersuchten jetzt die Wirkung von Dimethylfumarat (DMF) auf die sogenannten T-Zellen. Diese hatten sie zuvor aus dem Blut von Patienten mit dem Sézary-Syndrom isoliert. Die Tumorzellen wurden anschließend unter die Haut von Mäusen transplantiert. Dort wuchsen sie zu Tumoren heran. Die erkrankten Mäuse wurden dann mit Dimethylfumarat behandelt. Nach dem Abschluss der Therapie konnten die Mediziner beobachten, dass die Tumore langsamer wuchsen. Außerdem wurde ersichtlich, dass DMF zwar selektiv Tumorzellen abtötet, gesunde Zellen aber von dieser Wirkung verschont bleiben, erklären die Experten. Die Behandlung mit Dimethylfumarat war in der Lage die Metastasierung bei den transplantierten Tumoren beinahe komplett zu unterbinden. Mit anderen Worten hilft der Wirkstoff den Befall der anderen Organe zu verhindern, fügen die Forscher hinzu.

Gleich wirksam und besser verträglich
DMF scheint mindestens vergleichbar wirksam und dabei besser verträglich zu sein als die meisten anderen Wirkstoffe, die gegen kutane Lymphome eingesetzt werden, erläutert Peter Krammer vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Die neuen Erkenntnisse sind sehr vielversprechend und aus diesem Grund begannen wir sofort, das Potenzial des Medikaments zu prüfen, fügt Krammer hinzu. Die Studie wurde in Zusammenarbeit des Deutschen Krebsforschungszentrums mit der Hautklinik der Universität Mannheim initiiert und von der Helmholtz Alliance for Immunotherapy gefördert. (as)

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