Entwickelter Test für Prostatakrebs macht viele Prostata-Biopsie vermeidbar

Alexander Stindt
Mediziner suchen nach neuen Tests zur Feststellung von Prostatakrebs
Eine Prostata-Biopsie ist für die betroffenen Männer ein äußerst unangenehmes Ereignis. Das übliche Verfahren erfordert die Entfernung von Gewebe aus der Prostata. Forscher identifizierten jetzt die Moleküle, welche für den Geruch von Prostatakrebs verantwortlich sind. Ein neu entwickeltes Verfahren ist in der Lage diesen Geruch festzustellen. So könnten unangenehme Prostata-Biopsien in Zukunft vielleicht vermieden werden.

Den Wissenschaftlern von der Indiana University gelang es, bei einer Untersuchung spezielle Moleküle festzustellen, welche für den Geruch von Prostatakrebs verantwortlich sind. Ein neu entwickelter Test kann diese Moleküle finden und dadurch vielen Männern eine Prostata-Biopsie ersparen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie beim diesjährigen National Meeting of the American Chemical Society.

Prostatakrebs ist unter Männern in Deutschland weit verbreitet. Forscher entwickelten jetzt einen neuen Test, welcher unangenehme Prostata-Biopsien vermeiden könnte. (Bild: tashatuvango/fotolia.com)

Kann ein Sensor Prostatakrebs riechen?
Die Idee für dieses Projekt begann mit einer Studie, welche bereits im Jahr 2014 veröffentlicht wurde. Diese Untersuchung hatte ergeben, dass ausgebildete Hunde Prostatakrebs mit einer Genauigkeit von mehr als 97 Prozent erschnüffeln konnten, erklärt Autor Dr. Mangilal Agarwal vom Integrated Nanosystems Development Institute an der Indiana University. Das Forscherteam arbeitete bereits seit einiger Zeit an einem Sensor, welcher eine Hypoglykämie anhand des Atems einer Person festzustellen kann.

Früherkennung ist entscheiden bei Prostatakrebs
Wenn Hunde Prostatakrebs riechen können, sollten wir auch dazu in der Lage sein, sagt die Forscherin Dr. Amanda Siegel. Prostatakrebs ist der am häufigsten auftretende Krebs bei Männern. Die Früherkennung ist entscheidend, um das Leben vieler Männer mit Prostatakrebs retten zu können, erläutern die Experten. Der jetzt verwendete Screening-Test beurteilt die sogenannten PSA-Werte in einer Blutprobe. Durch diesen Test wird dann bestimmt, ob eine Biopsie durchgeführt werden muss oder nicht.

Viele Biopsien sind unnötig
Die Prostata-Drüse produziert normalerweise ein bestimmtes Protein in kleinen Mengen, aber erhöhte Werte können auf viele verschiedene Bedingungen hinweisen, einschließlich Prostatakrebs, erläutern die Experten. Das Ergebnis des Tests wird häufig fehlerhaft gedeutet und dies führt oft zu unnötigen Biopsien. Gegenwärtig müssten etwa 60 Prozent der Männer, die eine Biopsie zur Feststellung von Prostatakrebs bekommen, eigentlich einen solchen Test nicht über sich ergehen lassen, erklären die Autoren in dem Wirstschaftsmagazin „Forbes“.

Risikofaktoren für Prostatakrebs, die Sie unbedingt beachten sollten:
– Im Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für Prostatakrebs
– Erkrankungen in der Familiengeschichte
– Große Menschen erkranken häufiger an Prostatakrebs
– Schwarzhäutige Männer haben ein erhöhtes Risiko
– Übergewicht ist ein Risikofaktor für Prostatakrebs
– Bestimmte vorherige Krebserkrankungen erhöhen das Risiko für Prostatakrebs

Unnötige Eingriffe können durch neuen Test vermieden werden
Wir hoffen, dass unsere Forschung Ärzten und Patienten helfen wird, besser informierte Entscheidungen darüber zu treffen, ob sie eine Biopsie durchführen müssen, sagen die Forscher. So können unberechtigte Eingriffe hoffentlich vermieden werden.

Experten untersuchten 100 Urinproben von Männern mit Prostata-Biopsie
Für ihre Untersuchung sammelten die Mediziner Urinproben von 100 Männern, die sich einer Prostata-Biopsie unterzogen. Zur Vermeidung von Problemen, die ähnliche Studien mit dem Probenabbau hatten, entwickelte das Team von Dr. Agarwal einen speziellen Vorverarbeitungsschritt. Sie fügten Natriumchlorid hinzu und neutralisierten die Säure. So sollte sichergestellt werden, dass die Proben während der Analyse intakt bleiben würden, erläutern die Wissenschaftler.

Mediziner entdecken Moleküle, welche zu 90 Prozent bei Prostatakrebs vorkamen
Die Forscher nutzten dann die sogenannte Gaschromatographie-Massenspektrometrie, um die flüchtigen organischen Verbindungen festzustellen. Mit dieser Methode identifizierten die Forscher einen kleinen Satz von Molekülen, der in 90 Prozent der Proben von Patienten mit Prostatakrebs auftauchte.

Weitere Forschung ist nötig
Als nächstes plant das Team umfangreiche Tests an mehreren Gesundheitszentren durchzuführen, um ihre Ergebnisse zu validieren. Mit einem Hundetrainer sollen die Ergebnisse des Tests außerdem mit den Ergebnissen von ausgebildeten Hunden verglichen werden. Die Forscher erklärten, dass ihr Test den Patienten und Ärzten schon in den nächsten Jahren zur Verfügung stehen könnte. (as)