Enzym fördert Alkohol- und Tabaksucht

Fabian Peters

Nikotin- und Tabaksucht werden durch das selbe Enzym bedingt

13.09.2011

Alkohol und Nikotin sind in den europäischen Ländern die verbreitetsten Suchtmitteln. Oftmals tendieren Alkoholabhängige auch zu einem vermehrten Tabakkonsum – und umgekehrt. Die Ursache hierfür ist Anna M. Lee vom „Ernest Gallo Clinic and Research Center“ und Robert Q. Messing von der „University of California, San Francisco“ zufolge ein spezielles Enzym, dass gleichzeitig die Anfälligkeit für eine Alkohol- und für eine Tabaksucht erhöht.

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Die Wissenschaftler entdeckten bei Tierversuchen ein Enzym, dass sowohl die Alkohol- als auch die Nikotinsucht fördert. Durch das Ausschalten der sogenannte Proteinkinase C Epsilon bei Mäusen, entwickelten die Tiere keine Alkohol- oder Tabaksucht, berichten die Forscher in den US-Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS). Die Entdeckung legt den Schluss nahe, dass sich die Abhängigkeit von Alkohol und Tabak auf die selbe Weise lindern lässt. Außerdem bietet die Entdeckung der US-Wissenschaftler auch eine mögliche Erklärung für das relativ häufige Auftreten einer sogenannten Doppelsucht nach Tabak und Alkohol.

Wie die Wissenschaftler in dem Fachmagazin „PNAS“ berichten, ließ sich die Entwicklung einer Alkohol- oder Tabaksucht durch das Ausschalten des Enzyms Proteinkinase C Epsilon in den Tierversuchen vollständig verhindern. Das körpereigene Enzym reguliert laut Aussage der US-Forscher vermutlich das Belohnungssystem im Gehirn und steht so in direkten Zusammenhang mit dem Auftreten möglicher Süchte. Durch die Entwicklung entsprechender Enzymhemmer könnten in Zukunft möglicherweise sowohl Alkoholabhängige als auch Tabaksüchtige bei der Entzugstherapie medikamentös unterstützt werden, erklärten Anne Lee und Robert Q. Messing.

Dem Suchtbericht 2011 der Bundesregierung zufolge trinken mehr als neuen Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig zu viel Alkohol, 1,3 Millionen Menschen sind alkoholabhängig. Außerdem sterben jährlich knapp 140.000 Menschen an den Folgen ihrer Tabaksucht, wobei ein Großteil der Todesfälle durch Krebserkrankungen bedingt wird. Dabei zählen zum Beispiel Lungen-, Rachenraum-, Leber- und Bauchspeicheldrüsenkrebs zu den möglichen Folgen des Tabakkonsums. Ein Medikament, mit dessen Hilfe das Belohnungssystem im Gehirn überlistet und das Suchtgefühl gelindert werden kann, könnte den Betroffenen die Entwöhnung deutlich erleichtern und so zu einer deutlichen Reduzierung der entsprechenden Folgeerkrankungen beitragen, erklärten die US-Wissenschaftler. (fp)