Erhöht Schlafapnoe bei älteren Menschen das Risiko für eine Alzheimer-Erkrankungen?

Alexander Stindt

Forscher untersuchen die Zusammenhänge zwischen Schlafapnoe und Alzheimer

Eine obstruktive Schlafapnoe kann bei älteren Menschen zu einem erhöhten Risiko für die Entwicklung der Alzheimer-Krankheit führen. Biomarker für Amyloid beta nehmen im Laufe der Zeit bei älteren Erwachsenen mit Schlafapnoe zu. Umso ausgeprägter die Schlafapnoe ist, umso mehr steigen die Werte dieser Biomarker. Wenn Menschen also unter mehr Apnoen pro Stunde leiden, führt dies zu einer größere Anhäufung von Hirnamyloid.

Die Wissenschaftler von der New York University School of Medicine stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass Menschen mit Schlafapnoe ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Alzheimer aufweisen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine“.

Viele Menschen leiden nachts unter Atemstörungen im Schlaf. Ein sogenanntes CPAP-Gerät kann da Abhilfe schaffen. Mediziner stellten bei einer Untersuchung fest, dass Schlafapnoe das Risiko für Alzheimer zu verstärken scheint. (Bild: kudosstudio/fotolia.com)

Kausalität für Verbindungen zwischen Alzheimer und Schlafapnoe war bisher schwer zu überprüfen

Alzheimer ist eine sogenannte neurodegenerative Erkrankung, an der alleine etwa fünf Millionen ältere Amerikaner erkrankt sind. Schlafapnoe tritt noch häufiger auf und betrifft 30 bis 80 Prozent der älteren Menschen, je nach der Definition von Schlafapnoe, sagen die Autoren. Verschiedene Studien kamen bereits zu der Einschätzung, dass Schlafstörungen zu Amyloidablagerungen beitragen und den kognitiven Verfall bei Personen mit einen Risiko für Alzheimer beschleunigen können, erläutert Dr. Ricardo S. Osorio von New York University School of Medicine. Bisher war es jedoch schwierig, die Kausalität für diese Verbindung zu überprüfen, weil Alzheimer und Schlafapnoe bestimmte gemeinsame Risikofaktoren teilen und häufig koexistieren, fügt der Experte hinzu.

Mediziner untersuchen Amyloid-Ablagerungen bei Menschen mit Schlafapnoe

Der Zweck der aktuellen Studie bestand darin, die Assoziationen zwischen der Schwere der Schlafapnoe und den Veränderungen in Biomarkern für Alzheimer zu untersuchen. Besonders interessant war dabei für die Forscher, ob die sogenannten Amyloid-Ablagerungen im Laufe der Zeit bei gesunden älteren Teilnehmern mit Schlafapnoe zunehmen.

Forscher untersuchen 208 Probanden

Für ihre Studie untersuchten die Experten 208 Teilnehmer im Alter von 55 bis 90 Jahren mit normaler Kognition, welche durch standardisierte Tests und klinische Bewertungen gemessen wurde. Die Teilnehmer wurden nicht von einem Schlafzentrum überwiesen, nutzten keine sogenannte CPAP-Beatmung, waren nicht depressiv oder litten unter medizinischen Zuständen, welche die Gehirnfunktionen beeinträchtigen, erklären die Wissenschaftler.

104 Probanden nahmen an der zweijährigen Längsschnittstudie teil

Die Untersuchung ergab, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmer unter Schlafapnoe litt, darunter 36,5 Prozent mit leichter Schlafapnoe und 16,8 Prozent mit mäßiger bis schwerer Schlafapnoe, sagen die Forscher. 104 der Probanden nahmen dann an einer zweijährigen Längsschnittstudie teil. Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigten eine Zunahme der Amyloidablagerungen im Gehirn.

Veränderungen finden in den präklinischen Stadien von Alzheimer statt

Diese Studie konnte überraschenderweise nicht feststellen, dass die Schwere der Schlafapnoe eine kognitive Verschlechterung bei gesunden älteren Erwachsenen vorhersagen kann, berichtet Autor Dr. Andrew Varga von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York. Dieser Befund deutet darauf hin, dass diese Veränderungen in den präklinischen Stadien von Alzheimer stattfanden.

Ergebnisse könnten auf Einschränkungen der Untersuchung zurückzuführen sein

Die Beziehung zwischen der Amyloidbelastung und der Kognition ist wahrscheinlich nicht linear und hängt von zusätzlichen Faktoren ab, erklärt der Experte weiter. Dieser Studienbefund könnte auch auf die relativ kurze Studiendauer, hochgebildete Teilnehmer und die Verwendung von Tests zurückzuführen sein, welche subtile oder vom Schlaf abhängige Veränderungen der kognitiven Fähigkeiten nicht erkennen.

Nutzen von besseren Screening-Tools wäre enorm

Die Ergebnisse aus dieser und anderen Studien, welche darauf hindeutet, dass Schlafapnoe, kognitiver Abbau und Alzheimer zusammenhängen. Möglicherweise seien die bekannten Auswirkungen der Schlafapnoe wie Schläfrigkeit, kardiovaskulärer und metabolischer Dysfunktion Ursache einer zunehmenden Gehirnbeeinträchtigung im Alter, erklärt Dr. Osorio. Sollte dies der Fall sein, dann wäre der potenzielle Nutzen der Entwicklung besserer Screening-Tools zur Diagnose von Schlafapnoe bei älteren Menschen enorm, fügt der Experte hinzu. (as)