Erhöhte Sterblichkeit bei Epilepsie

Astrid Goldmayer

Ziel der Therapie von Epilepsie ist die Vermeidung von Anfällen

25.03.2014

Etwa ein Prozent der Bevölkerung leidet an Epilepsie. Dabei tritt im Gehirn der Betroffenen ein „neuronales Gewitter“ auf, bei dem sich die Nervenzellen unkontrolliert entladen. In der Folge treten Krampfanfälle auf, bei denen die Patienten kurzzeitig das Bewusstsein verlieren und der Körper unkontrolliert zuckt. Bisher gingen Fachleute davon aus, dass nur bei einer Anfallsserie eine erhöhte Gefahr besteht. Der Salzburger Neurologe Eugen Trinka wies jüngst bei einer Pressekonferenz in Wien anlässlich der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neuorologie und des Europäischen Jahres des Gehirns auf eine aktuelle Studie hin, die Epilepsie mit einer erhöhte Sterblichkeit in Verbindung bringt. Demnach führen dabei sogenannte Komorbiditäten wie Verletzungen, Ertrinken, Depressionen und Angst zu einer erhöhten Mortalität.

Komorbiditäten verursachen bei Epilepsie erhörte Sterblichkeit
„Eine aktuelle Studie zeigt, dass die Sterblichkeit im Zusammenhang mit Epilepsien wesentlich höher ist als bisher vermutet", erläuterte Trinka gegenüber der Nachrichtenagentur „APA“. Demnach seien vor allem Verletzungen und andere Komorbiditäten dafür verantwortlich, dass die Mortalität bei Epileptikern dreimal höher als in der Gesamtbevölkerung ist. Da epileptische Anfälle unerwartet und unkontrolliert auftreten, können sich Betroffene dabei zum Teil schwer verletzen. So sind Knochenbrüche infolge heftiger Stürze keine Seltenheit.

Am häufigsten sind Senioren von Epilepsie betroffen. Etwa 250 Neuerkrankungen werden unter 100.000 alten Menschen registriert, bei Kindern sind es 100 und bei Erwachsenen (ohne Senioren) lediglich 30. Auch andere neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall oder Demenz treten signifikant häufiger im fortgeschrittenen Alter auf.

Bei rund 70 Prozent der Patienten verhindern Medikamente, sogenannte Antiepileptika, dass erneut Anfälle auftreten. Das setzt jedoch voraus, dass die Betroffenen die richtige Diagnose und die passende Therapie erhalten. Die Forschung sei bereits recht weit, erläuterte Trinka. So wird in der Therapie mittlerweile mit dem körpereigenen Botenstoff Adenosin eingesetzt, um Anfalle zu reduzieren. Da der Stoff starke Nebenwirkungen hat, kann er aber nicht systemisch verabreicht werden. In Tierversuchen wurden erfolgreich Adenosin-freisetzende Zellen in die Nähe eines epileptischen Fokus implantiert. Beim Menschen kommt dieses Verfahren aber noch nicht zum Einsatz.

Bei sehr starker Epilepsie und einer strukturellen Läsion des Gehirns als Ursache für die Anfälle kann ein chirurgischer Eingriff sinnvoll sein (Epilepsiechirurgie).

Europäisches Jahr des Gehirns
Neben Epilepsie sollen im Rahmen des „Europäischen Jahrs des Gehirns“ auch auf andere Erkrankungen und Therapien aufmerksam gemacht werden, die das Organ betreffen. Ausgerufen wurde das Aktionsjahr vom European Brain Council (EBC), das von mehr als 200 europäischen Organisationen aus dem Gesundheitswesen, der Wissenschaft und der Industrie unterstützt wird. Zudem arbeitet das EBC mit verschiedene EU-Gremien und der WHO zusammen, um die Erforschung und die Lehre des Gehirns weiter voranzutreiben.

Das EBC spricht Regina Katzenschlager, Präsidentin der österreichischen Neurologen, zufolge von 220 Millionen Menschen mit neurologischen Erkrankungen. Davon litten 150 Millionen Patienten an Kopfschmerzen, knapp 50 Millionen Betroffene an Schlafstörungen und mehr als 8 Millionen Menschen an Schlaganfällen. Die Diagnose und Therapie neuro-psychiatrischer Erkrankungen verursacht jährlich Kosten in Höhe von rund 800 Millionen Euro in den europäischen Volkswirtschaften. (ag)

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