Erhöhte Tuberkulose-Rate bei Kindern

Sebastian

RKI: Anstieg der Tuberkulose Fälle bei Kindern in Deutschland

20.03.2012

Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts haben sich in der Vergangenheit wieder mehr Kinder mit der Infektionskrankheit Tuberkulose angesteckt, als es bisher der Fall war. Die Experten vermuten ein erneutes Aufflammen der gefährlichen Lungenkrankheit.

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Die Tuberkulose (TBC), in früheren Zeiten auch Schwindsucht genannt, ist eine durch Bakterien hervorgerufene Erkrankung. Die bakterielle Entzündung betrifft beim Menschen in den meisten Fällen die Lunge. Weltweit gehört sie zu den Infekten mit den meisten Todesfällen. Allein im Jahre 2008 starben weltweit allein 1,8 Millionen Menschen an der TBC. In Deutschland erkranken vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder einer genetischen bedingten Anfälligkeit an der Lungenerkrankung. In den vergangenen Jahrzehnten schien die Infektionskrankheit in Deutschland beinahe in Vergessenheit zu geraten, da ein Auftreten eher selten ist.

Mehr Infektionsfälle bei Kindern
Laut einer Auswertung des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben sich seit dem Jahre 2008 wieder mehr Kinder mit den Tuberkulose-Erregern infiziert. Seitdem steigen die Fallzahlen laut RKI Jahr für Jahr an. Waren es 2008 noch 124 Patienten, lag die Patientenzahl der Kinder im Jahre 2009 bereits bei 142. Im Jahre 2010 stieg die Zahl der erkrankten Kinder noch einmal auf 158 an. Das RKI berücksichtigte dabei nur Kinder und Jugendliche unter dem 16. Lebensjahr (15 Jahre). Gesundheitsexperten der Behörden sehen darin ein Anzeichen für ein erneuten Vormarsch der Tuberkulose in Deutschland.

Da die Erkrankung zu den meldepflichtigen Krankheiten gehört, kann eine genaue Fallziffer Deutschlandweit ermittelt werden. Im Jahre 2010 haben sich insgesamt 4330 Menschen mit einem Tuberkulose-Keim angesteckt. Im Vorjahreszeitraum 2009 waren es kaum mehr als 2010. Zwar ist die Lungenkrankheit bei rechtzeitiger Therapie mit einer Kombination aus antibiotischen Medikamenten gut beherrschbar, war die Todesrate dennoch verhältnismäßig hoch. Insgesamt 136 Menschen starben an der Tuberkulose, wie das RKI ermittelte. „In Anbetracht der Schwere der Krankheit und der Behandlungsdauer von mindestens sechs Monaten ist das immer noch eine zu hohe Zahl“, erklärte Dr. Reinhard Burger, Vorsitzender des RKI. Bis zum Jahre 2008 konnte das Institut noch eine sinkende Neuerkrankungsrate feststellen. Seit dem Jahr steigt nun die Zahl der neuen Infektionen und nähert sich laut RKI „einem Plateau“. In Folge dessen arbeiten die Gesundheitsbehörden und Ämter verstärkt daran, die Gründe und Ketten der Infektionen zu ermitteln und entsprechend zu unterbrechen. Wurde TBC bei Kindern diagnostiziert, war die Infektion eher zeitnah zurückliegend.

Tuberkulose ist einer Tröpfcheninfektion
Die Übertragung der TBC erfolgt meist über Tröpfchen erkrankter Personen in der näheren Umgebung. Wurden spezifische Keime im Sputum festgestellt, sprechen Mediziner von einer „offenen Tuberkulose“. Sind Bakterien in anderen Sekreten des Körpers nachweisbar, sprechen Ärzte von einer „potentiell offenen Tuberkulose“. Durch Husten werden die Keime in die Umwelt befördert, in der sie in der Raumluft über Stunden überleben können. Ein häufiger Übertragungsweg ist der Konsum von nicht-pasteurisierte Milch, da auch Rinderherden sich mit TBC infizieren können. Daher sollten vor allem Kinder, ältere Menschen und Immungeschwächte nur pasteurisierte Milch trinken. (sb)