Erhöhter Kaffeekonsum als Schutz vor Diabetes II

Alfred Domke

Gesteigerter Kaffeekonsum soll Diabetes-Risiko senken

Einer US-amerikanischen Studie zufolge soll ein erhöhter Kaffeekonsum womöglich vor einer Diabetes-2-Erkrankung schützen. In der Untersuchung wurden Daten von über 120.000 Menschen ausgewertet. Experten zweifeln jedoch an der Aussagekraft der Studie.

Gesteigerter Kaffeekonsum soll Diabetes-Risiko senken
Kaffee ist das beliebteste Getränk der Deutschen, noch vor Mineralwasser oder Bier; knapp 150 Liter trinkt jeder Bundesbürger durchschnittlich pro Jahr davon. Möglicherweise tun sie dabei ihrer Gesundheit etwas Gutes. Wie US-Forscher kürzlich bekannt gaben, könnten Menschen, die ihren Kaffeekonsum steigern, womöglich damit das Risiko einer Diabetes-2-Erkrankung senken. Sie veröffentlichten die Ergebnisse der Studie, für die Daten von mehr als 120.000 Menschen ausgewertet wurden, am Freitag im Fachblatt „Diabetologia“. Demnach hätten Personen, die über eine Zeitraum von vier Jahren ihren Kaffeekonsum um eineinhalb Tassen erhöhten – im Vergleich zu Menschen, deren Kaffeekonsum gleich blieb – ein elf Prozent niedrigeres Risiko, später an Diabetes 2 zu erkranken.

Daten von über 120.000 Personen ausgewertet
Für die Untersuchung hatten die Wissenschaftler um Shilpa Bhupathiraju von der Harvard School of Public Health in Boston die Daten von 95.000 Krankenschwestern ausgewertet, die an zwei Gesundheitsstudien in den USA teilnahmen. Außerdem flossen in die Auswertung Daten von 28.000 Männern ein, die ebenfalls im Gesundheitssektor arbeiteten und ursprünglich an einer anderen Studie teilgenommen hatten.Über einen Zeitraum von vier Jahren untersuchten die Forscher den Kaffeekonsum der Teilnehmer und errechneten das Risiko, in den folgenden Jahren an Diabetes 2 zu erkranken. Das Risiko an Altersdiabetes (wie die Krankheit früher oft genannt wurde) zu erkranken, stieg den Ergebnissen zufolge bei denjenigen um 18 Prozent, die im Untersuchungszeitraum ihren Konsum um etwa zwei Tassen am Tag gesenkt hatten. Daher folgern die Studien-Autoren: „Änderungen beim Kaffeekonsum scheinen das Diabetes-Risiko in einer recht kurzen Zeit zu beeinflussen.“

Für den Effekt ist nicht das Koffein verantwortlich
Zudem hätten Personen, die insgesamt viel Kaffee trinken – mindestens drei Tassen täglich – der Studie zufolge ein um 37 Prozent geringeres Diabetes-2-Risiko gehabt, als diejenigen, die nur eine Tasse oder weniger tranken. Bereits frühere Untersuchungen hatten auf einen Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und einem geringeren Diabetes-2-Risiko schließen lassen. Dabei sei unter anderem auch festgestellt worden, dass das Risiko bei Männern stärker reduziert wurde als bei Frauen. Wissenschaftler meinten im Zusammenhang mit älteren Untersuchungen, dass vor allem die enthaltenen Antioxidantien, Polyphenole oder Mineralstoffen die Schutzwirkung entfalten und nicht das Koffein. Denn bei entkoffeiniertem Kaffee sei der Effekt in gleicher Weise messbar.

Erhöhtes Diabetes-Risiko bei erhöhtem Blutdruck und Cholesterinspiegel
Die Autoren der aktuellen Studie warnten jedoch, ihre Ergebnisse könnten zwar eine „wahre Änderung des Risikos“ aufzeigen. Es sei aber auch möglich, dass Studienteilnehmer ihren Kaffeekonsum aus einem bestimmten Grund senkten, beispielsweise weil bei ihnen ein erhöhter Blutdruck oder ein erhöhter Cholesterinspiegel gemessen wurde. Sie hätten deswegen ohnehin ein höheres Diabetes-2-Risiko als andere Menschen, auch unabhängig von ihrem Kaffeekonsum.

Experten zweifeln an Aussagekraft der Studie
Die Datenauswertung der Studie wurde jedoch von Experten als „potentiell irreführend“ bezeichnet. Sie hatten die Untersuchung für die unabhängige Wissenschaftskontrollorganisation Science Media Centre unter die Lupe genommen. Es seien lediglich mögliche kurzfristige Auswirkungen einer Veränderung des Kaffeekonsums untersucht worden. Dafür, dass ein langfristiger Kaffeekonsum das Diabetes-Risiko senke, gebe es keine Belege. Ihr Fazit lautet daher: „Von dieser Studie lassen sich keine Empfehlungen zum Kaffeekonsum ableiten.“ Experten meinen schon seit längerem, dass solche Ernährungs-Beobachtungsstudien nur Hypothesen liefern, die einerseits spannend klingen, andererseits aber oft überinterpretiert werden. So erläuterte etwa Diplom-Ernährungswissenschaftler Uwe Knop bereits vor Jahren: „Genießen Sie Ihren Kaffee, wenn er Ihnen schmeckt und wohl bekommt – aber glauben Sie besser nicht an die zahlreichen Berichte, sie senken `mit mehr als vier Tassen täglich´ Ihr Risiko für Diabetes, Depressionen, Krebs, Alzheimer, Gicht, Schlaganfall und Herzerkrankungen!“ (ad)

Bild: Denise / pixelio.de