Erhöhtes Gesundheitsrisiko durch rotes Fleisch

Alfred Domke

Carnitin in rotem Fleisch lässt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ansteigen

08.04.2013

Bei Fleischessern, die viel rotes Fleisch zu sich nehmen, treten häufiger Herzkreislaufleiden auf. Die Ergebnisse einer neuen Studie scheinen jetzt den Fleischbestandteil L-Carnitin als Teil des Problems erkannt zu haben. Forscher geben zu bedenken, dass die Substanz auch als Nahrungsergänzungsmittel verkauft wird.

Vegetarier erleiden seltener einen Herzinfarkt
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, dass der wöchentliche Konsum von Fleisch und Wurstwaren nicht höher als 300 bis 600 Gramm betragen soll. Gleichzeitig rät sie zu fettarmen Produkten. Vor allem Wurstwaren und rotes Fleisch, insbesondere in zu großen Mengen verzehrt, gelten als ungesund. So legen Studien zum Beispiel das erhöhte Risiko von Herzkreislauferkrankungen nahe. Britische Forscher ermittelten vor kurzem, dass es bei Vegetariern seltener zu einem Herzinfarkt kommt, was jedoch auch eventuell durch deren meist gesünderen Lebensstil erklärt werden könnte.

Rindersteak gefährlich für Gefäße?
Der hohe Salzgehalt und enthaltene Nitrite und Nitrate von Wurstwaren dürfte deren Verzehr nicht gerade eben gesundheitsfördernd machen, allerdings schien es Forschern bislang nicht klar zu sein, warum beispielsweise der Konsum eines Rindersteaks sich schädlich auf die Gefäße auswirken soll. Im Fachmagazin „Nature Medicine“ wurde jetzt von einer Gruppe um Robert Koeth von der Cleveland Clinic in Ohio eine Erklärung präsentiert. Diese besagt, dass L-Carnitin, (eine natürlich vorkommende, chemische Verbindung, die sich in großen Mengen in rotem Fleisch befindet) durch im Darm lebende Bakterien in das sogenannte Trimethylamin-N-oxid (TMAO) umgewandelt wird. Diese Substanz fördert die Arterienverkalkung. Gestützt werden diese Annahmen durch verschiedene Experiment an Mäusen als auch an Menschen. Bei Fleischessern wird TMAO in größeren Mengen gebildet als bei Vegetariern, da entsprechende Mikroben insbesondere dann zur Darmflora gehören, wenn jemand regelmäßig Fleisch konsumiert so die US-Forscher. Dies wurde durch Tests mit Veganern, Vegetariern, regelmäßigen Fleischessern sowie Fleischessern, deren Darmflora durch Antibiotika reduziert worden war, überprüft. Für die Studie war auch ein langjähriger Veganer bereit, ein Steak zu essen, damit seine anschließend ermittelten Blutwerte zu einer möglichst lebensnahen Versuchsreihe beitrugen.

Nahrungsergänzungsmittel genauer prüfen
Der menschliche Körper kann L-Carnitin zwar selbst bilden, nimmt es aber hauptsächlich über die Nahrung auf. Als Substanz die die Fettverbrennung steigern kann, wird Carnitin als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Kapseln und Pulver auf dem Markt beworben. Von den Forschern um Robert Koeth wurde angesichts der Studienergebnisse empfohlen, die Sicherheit solcher Nahrungsergänzungsmittel zu überprüfen. „Große Mengen eingenommenes L-Carnitin könnten unter bestimmten Bedingungen dazu führen, dass die Darmflora mehr TMAO produzieren kann und somit Arteriosklerose fördern", so die Wissenschaftler. Der Ernährungswissenschaftler Brian Ratcliffe (Robert Gordon University), der nicht an der Studie beteiligt war, sagte: „Menschen, die ohne medizinischen Grund L-Carnitin einnehmen, sollten das noch einmal überdenken". Vollkommene Klarheit ergibt die Studie allerdings nicht. TMAO ist zum Beispiel in Seefisch reichlich enthalten und im Gegensatz zu rotem Fleisch gilt Fisch als nicht schädlich für die Gefäße. (ad)

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