Erhöhtes Herzinfarkt-Risiko nach einer Fehlgeburt

Fabian Peters

Nach einer Fehlgeburt steigt laut einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums das Herzinfarkt-Risiko bei Frauen an. Besonders bedroht sind Frauen, die drei oder mehr Aborte bereits erlebt haben.

(03.12.2010) Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten haben, leiden unter einem erhöhten Herzinfarkt-Risiko. Besonders hoch ist das Risiko für Frauen, die drei oder mehr Aborte (Fehlgeburten) erlebt haben. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg bei der Auswertung der medizinischen Daten von über 11.500 Frauen.

Die Forscher um Elham Kharazmi vom Deutschen Krebsforschungszentrum haben in einer umfassenden Studie die medizinischen Daten von 11.518 Frauen, die in ihrem Leben mindestens einmal schwanger waren, analysiert. Rund ein Viertel der Frauen (2.876) hatte mindestens eine Fehlgeburt hinter sich, 69 hatten sogar mehr als drei Fehlgeburten erlitten. Die Daten der untersuchten Frauen entstammen der EPIC-Studie, einer großen europäischen Untersuchung mit über 500.000 Teilnehmern aus zehn Ländern zur Ermittlung des Einflusses von Ernährung und Lebensstil auf das Krebsrisiko. In den zehn statistisch erfassten Jahren, die der aktuellen Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums zugrunde liegen, hatten 82 der Frauen einen Herzinfarkt und 112 einen Schlaganfall erlitten, so die Aussage der Heidelberger Forscher bei der Veröffentlichung ihrer Studie im Fachmagazin „Heart“. Und während sich statistisch gesehen kein Zusammenhang zwischen den Aborten und den Schlaganfällen feststellen ließ, habe die Datenanalyse ergeben, dass mit Fehlgeburten und Totgeburten ein deutlich erhöhtes Herzinfarkt-Risiko einhergehe, erklärten die Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum.

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Mit jeder Fehlgeburt erhöhte sich das Risiko für einen späteren Herzinfarkt um etwa 40 Prozent, so das Ergebnis der Studie des DKFZ. Bei Frauen, die mehr als drei Fehlgeburten erlitten haben, verfünffachte sich das Risiko sogar, so die Wissenschaftler weiter. Allerdings seien die Aborte nicht unbedingt Ursache der Herzinfarkte gewesen, so die Experten vom DKFZ, sondern es haben offenbar Faktoren vorgelegen, die sowohl die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt als auch die eines Herzinfarktes erhöhen. Die Frauen, die eine Fehlgeburt und einen Herzinfarkt erlitten haben, seien zum Beispiel im Durchschnitt dicker als die anderen und häufiger Raucherinnen bzw. Ex-Raucherinnen gewesen. Beides seien bekannte Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Fehlgeburten, erklärten die Heidelberger Forscher weiter. Außerdem tendierten die Frauen, welche eine Totgeburt erlitten haben nicht nur zu einem höheren Körpergewicht, sondern sie waren älter, weniger gebildet, trieben weniger Sport und hatten häufiger Diabetes als der Durchschnitt, so das Ergebnis der Datenauswertung im Rahmen der aktuellen Studie. Wiederholte Fehlgeburten könnten demnach laut Aussage der Forscher des DKFZ in Zukunft als eine Art Indikator für mögliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen dienen. Den betroffenen Frauen raten die Wissenschaftler, wiederholte Fehlgeburten als klaren Hinweis für ein angegriffenes Herz-Kreislauf-System zu werten und intensive Vorsorge zu betreiben.

Doch sind nach Aussage der DKFZ-Wissenschaftler auch noch weitere Effekte denkbar, bei denen die Fehlgeburten nicht nur Folge sondern auch Ursache möglicher Störungen des Herz-Kreislauf-Systems sind. So könnten beispielsweise die Veränderungen des Hormonstatus durch eine vorzeitig beendeten Schwangerschaft ebenfalls eine Rolle bei dem Herzinfarkt-Risiko spielen. Auch geht mit den Fehlgeburten ein erhöhtes Risiko für bestimmte Infektionen einher, die das Gefäßsystem schädigen und so das Herzinfarkt-Risiko erhöhen können, erklärten die Wissenschaftler. Ein Aspekt, der in der aktuellen Studie des DKFZ nicht beleuchtet wird, ist hingegen die Auswirkung der seelischen Belastungen des traumatischen Erlebnisses einer Fehlgeburt auf das individuelle Herzinfarkt-Risiko. So hatten Thomas Buckley und seine Forscherkollegen von der University of Sydney erst vor kurzen im Rahmen einer umfassenden Trauer-Studie nachgewiesen, dass die Trauer über den Tod eines Familienangehörigen oder des Lebenspartners, das Herzinfarkt-Risiko eindeutig erhöht. Hier wäre eine Übersicht, über den zeitlichen Zusammenhang der Herzinfarkte und Fehlgeburten sowie eine entsprechende Bewertung durch die Experten im Rahmen der aktuellen DKFZ-Studie sicher hilfreich gewesen, um abschätzen zu können inwieweit die Trauer nach einer Fehlgeburt, das Herzinfarkt-Risiko erhöht. (fp)