Erhöhtes Suchtpotenzial durch Sportwetten während der Fußball-WM

Alfred Domke

Experten warnen: Erhöhte Suchtgefahr bei Wetten zur Fußball-WM

Experten zufolge sind rund eine halbe Million Menschen in Deutschland von einer Spielsucht betroffen. Die Sucht gilt als eine psychische Störung. Während der Fußball-Weltmeisterschaft ist das Suchtpotenzial deutlich erhöht, warnt nun die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).


Eine halbe Million Deutsche von Spielsucht betroffen

Experten warnen immer wieder vor der großen Suchtgefahr des Glücksspiels. Laut einer älteren Studie zu Pathologischen Glücksspielen und Epidemiologie (PAGE) sind rund 500.000 Menschen in Deutschland von einer Spielsucht betroffen. Zehntausende Menschen sind gefährdet. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) weist nun zur Fußball-Weltmeisterschaft auf ein erhöhtes Suchtpotenzial durch Sportwetten hin.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) weist anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft auf ein erhöhtes Suchtpotenzial von Sportwetten hin. (Bild: drubig-photo/fotolia.com)

Sportwetten vor allem für junge Männer attraktiv

Wie es in einer Mitteilung heißt, zeigen neue Ergebnisse der Repräsentativbefragung der BZgA „Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland 2017“, dass rund 1,4 Millionen Menschen in Deutschland innerhalb der letzten zwölf Monate auf ein sportliches Ereignis gewettet haben.

Vor allem für junge Männer sind Sportwetten attraktiv. Den Angaben zufolge haben 5,7 Prozent der 16- bis 25-Jährigen im genannten Zeitraum Erfahrungen mit Sportwetten gemacht.

Von ihnen setzen rund 20 Prozent mindestens jede Woche Geld auf Sportereignisse.

Gefahr des finanziellen Ruins

Viele Fußballfans meinen zu wissen, wer Fußball-Weltmeister 2018 wird. Der Reiz, darauf zu wetten, ist also groß.

Die BZgA weist darauf hin, dass Sportwetten mit einem hohen Risiko für eine Suchtentwicklung verbunden sein können.

Kritisch seien insbesondere sogenannte Live-Wetten – vor allem die Ereignis-Wette, bei der Geldeinsätze auf bestimmte Ereignisse während eines Spiels abgegeben werden können.

„Spieler müssen wissen, dass Online-Sportwetten in Deutschland bisher grundsätzlich verboten sind“, erklärt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler.

„Das heißt: Keine Rechtssicherheit – keiner kann garantieren, dass man den Gewinn auch erhält, den man gewonnen hat. Darüber hinaus bergen Sportwetten ein hohes Suchtpotenzial, können Menschen in den finanziellen Ruin treiben und Familien auseinander bringen“, so die Expertin.

Ausgang hängt vom Zufall ab

„In der BZgA-Befragung geben sieben Prozent der Befragten an, jemals in ihrem Leben an Sportwetten teilgenommen zu haben. Dies entspricht rund vier Millionen Personen“, betont Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der BZgA.

„Die Hoffnung auf den großen Gewinn verführt dazu, dass unkontrolliert gespielt wird und die Risiken unterschätzt werden. Wer wettet, setzt sein Geld auf die Mannschaft, die seiner Meinung nach die besten Gewinnchancen hat“, sagt Dr. Thaiss.

„Doch sind Sportwetten Glücksspiele und ihr Ausgang hängt vom Zufall ab. Auch Erfahrungen durch aktive Teilnahme am Sport oder jahrelange Fußball-Leidenschaft verhelfen nicht zum Gewinn. Besonders problematisch ist, dass Sportwetten rund um die Uhr online angeboten werden und dadurch leicht und ständig verfügbar sind.“

Die BZgA führt alle zwei Jahre Repräsentativbefragungen zum Glücksspielverhalten und zur Glücksspielsucht in Deutschland durch. Für die aktuelle Studie waren bundesweit 11.500 Personen im Alter zwischen 16 und 70 Jahren im Zeitraum von April bis Juli 2017 befragt worden.

Nach den Ergebnissen der Befragung gelten hierzulande aktuell 326.000 Menschen als problematisch und 180.000 als pathologisch Spielende. Die Folgen der Glücksspielsucht können gravierend sein. Sie reichen von familiären Problemen bis hin zur völligen Überschuldung. (ad)