Erkrankter trank Wurmeier gegen chronische Darmerkrankung Colitis ulcerosa

Darmwürmer als Heilmittel bei chronischen Darmerkrankungen? Noch ist die Methode nicht ausgereift. Bild: Dr_Kateryna - fotolia
Sebastian
Darmwürmer als Therapieoption bei Colitis ulcerosa?
Können Würmer bei chronischen Darmerkrankungen helfen? In einem Experiment schluckte ein Patient eine bestimmte Sorte und Anzahl von Darmwurmeiern. In Folge verbesserten sich die Colitis ulcerosa Symptome. Der Versuch wurde wissenschaftlich begleitet, allerdings sollten Betroffene keinen Selbstversuch unternehmen.

Wurmeier gegen chronische Darmerkrankung
Wissenschaftler der University School of Medicine in New York berichten im Wissenschaftsmagazin „Science Translational Medicine“ von einem ungewöhnlichen Experiment. Ein Patient hat Wurmeier des Peitschenwurms geschluckt, um seine chronische Darmerkrankung zu therapieren. Vorausgegangen waren Beobachtungen des Wissenschaftsteams um P’nG Loke, wonach die Darmkrankheit Colitis ulcerosa in einigen Ländern wesentlich seltener auftritt, in denen Wurminfektionen weit verbreitet sind. Andere Studien wiesen zudem daraufhin, dass Würmer durchaus Entzündungen stoppen und mindern können.

Darmwürmer als Heilmittel bei chronischen Darmerkrankungen? Noch ist die Methode nicht ausgereift. Bild: Dr_Kateryna - fotolia
Darmwürmer als Heilmittel bei chronischen Darmerkrankungen? Noch ist die Methode nicht ausgereift. Bild: Dr_Kateryna – fotolia

Für das medizinische Experiment schluckte der Patient freiwillig Eier des Peitschenwurms (Trichuris trichiura). Im Studienverlauf untersuchten die Wissenschaftler die Blutwerte des 34-Jährigen. Die Untersuchungen fanden vor und nach dem Konsum der Würmer statt. Tatsächlich verbesserte sich nach einigen Monaten der gesundheitliche Zustand des Patienten. Die Forscher fanden heraus, dass sich durch den Wurminfekt Immunabwehrzellen im Körper des Patienten vermehrt hatten. Insbesondere hatte sich das Eiweiß „Interleukin 22“ zahlreich gebildet. Das Protein ist u.a. für die Stabilisierung und Heilung der Schleimhäute verantwortlich. Die Forscher vermuten, dass durch die Wurminfektion die Immunabwehr vermehrt Abwehrzellen gebildet hat, um die Schleimhäute zu stärken, um den Wurm zu absorbieren. Andere Mediziner vermuten, dass die Würmer selbst wirksame Substanzen absondern. In Tierexperimenten konnte nachgewiesen werden, dass durch die Methode, Beschwerden von Autoimmunerkrankungen (zum Beispiel Asthma) gelindert werden konnten.

Wurmbefall. Bild: Carolina K Smith MD - fotolia
Wurmbefall. Bild: Carolina K Smith MD – fotolia

Forscher raten davon ab, die Behandlung nachzuahmen
Trotz des momentan erfolgreichen Verlaufs der alternativen Behandlungsform raten Forscher dringend davon ab, das Experiment nachzuahmen. Denn auch von den Würmern selbst gehen gesundheitliche Gefahren aus. „Das Problem ist, dass diese Würmer dem Darm selbst leichte oder schwere Schäden zufügen können“, schreiben die Studienautoren. Derzeit sei noch völlig unklar, bei welchem Patienten die Therapie hilft und wie der weitere Krankheitsverlauf ist. Um künftig das Risiko für Patienten zu mindern, wollen die Forscher damit beginnen, mit Würmern zu experimentieren, die normalerweise weniger gefährlich für den Menschen sind. Dazu gehören Würmer, die eher Schweine befallen und für den Menschen beinahe ungefährlich sind. Schweinewürmer sterben im menschlichen Körper innerhalb von 14 Tagen ab und können nicht auf andere Menschen übertragen werden.

Colitis ulcerosa ist eine chronische Darmerkrankung
Die Colitis ulcerosa ist eine chronische Darmerkrankung, die zu vielfachen Entzündungen im Darm führt. Zumeist sind der Mastdarm und der Dickdarm betroffen. Anders als bei der chronisch verlaufenden Morbus Chron Erkrankung, breitet sich die Entzündung vom Mastdarm kontinuierlich aus. Hierdurch entstehen häufig kleinere und größere Geschwüre, die mit Hilfe von Medikamenten und chirurgischen Eingriffen entfernt werden müssen. Die Betroffenen leiden unter Durchfall, Blähungen und starken Bauchschmerzen. Neben den Symptomen treten u.a. auch Begleiterkrankungen wie Spondylitis, Sakroiliitis oder Osteoporose auf. Nach Angaben der Deutschen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Gesellschaft sind in Deutschland rund 168.000 Menschen betroffen. Die genauen Ursachen der Krankheit sind bis heute noch ungeklärt. (sb)

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