Erkrankung kann tödlich enden: Risiken einer Lungenentzündung oft unterschätzt

Husten mit eitrigem oder blutigem Auswurf, Fieber und Schüttelfrost können Anzeichen einer Lungenentzündung sein. Die Erkrankung darf nicht verharmlost werden, sie kann tödlich enden. (Bild: absolutimages/fotolia.com)
Alfred Domke
Nicht verharmlosen: Lungenentzündung kann tödlich enden
Die Lungenentzündung ist laut Gesundheitsexperten noch immer eine vernachlässigte Gefahr, die tödlich enden kann. Laut Gesundheitsexperten führt die Erkrankung bundesweit zu rund 35.000 Todesfällen. Die Infektionskrankheit wird häufig erst spät erkannt und behandelt.

Bei Husten mit blutigem Auswurf zum Arzt
Bei Beschwerden wie Husten, Fieber und Abgeschlagenheit denkt man schnell an einen Atemwegsinfekt, aber nicht unbedingt an eine Lungenentzündung. Doch genau das ist das Tückische an der Krankheit. Wenn zu den beschriebenen Symptomen noch Schüttelfrost dazu kommt oder der Husten mit einem eitrigem oder gar blutigem Auswurf einhergeht, sollte unbedingt rasch ein Arzt aufgesucht werden. Denn all dies sind Anzeichen für eine Pneumonie.

Husten mit eitrigem oder blutigem Auswurf, Fieber und Schüttelfrost können Anzeichen einer Lungenentzündung sein. Die Erkrankung darf nicht verharmlost werden, sie kann tödlich enden. (Bild: absolutimages/fotolia.com)
Husten mit eitrigem oder blutigem Auswurf, Fieber und Schüttelfrost können Anzeichen einer Lungenentzündung sein. Die Erkrankung darf nicht verharmlost werden, sie kann tödlich enden. (Bild: absolutimages/fotolia.com)

35.000 Tote durch Lungenentzündung
Wie bei den meisten Krankheiten, gilt auch bei einer Lungenentzündung, dass es umso besser ist, je früher eine Therapie beginnt. Der Frage, wie erkenne ich eine Lungenentzündung, kann eine lebensrettende Bedeutung zukommen. Die Pneumonie ist die am häufigsten zum Tod führende Infektionskrankheit in Westeuropa.

Gesundheitsexperten zufolge sterben laut Schätzungen allein in Deutschland jährlich rund 35.000 Menschen an einer Lungenentzündung. 680.000 Personen erkranken hierzulande pro Jahr daran, etwa 230.000 von ihnen müssen stationär behandelt werden.

Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind besonders gefährdet
In einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa erläuterte Prof. Tobias Welte von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin: „Besonders gefährdet, an einer Lungenentzündung zu erkranken, sind Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.“

In vielen Fällen geht ihr ein Infekt im Hals- und Rachenbereich voraus. „Ausgelöst wird eine Pneumonie weit überwiegend durch Bakterien, etwa durch Pneumokokken, aber auch hin und wieder durch Viren oder andere Erreger“, so Welte.

Übertragung per Tröpfcheninfektion
Die Erreger einer bakteriellen Lungenentzündung werden in den meisten Fällen per Tröpfcheninfektion – beim Sprechen, Husten oder Niesen – übertragen. Es führt aber nicht jeder Erreger automatisch zu einer Pneumonie.

Beim Ausbruch der Krankheit sind die Lungenbläschen und manchmal auch das Lungengewebe entzündet und angeschwollen. Der Arzt kann mithilfe einer Blutuntersuchung sowie Röntgenaufnahmen der Lunge feststellen, ob in der Tat eine Pneumonie vorliegt.

Therapieplan des Arztes einhalten
Eine durch Bakterien ausgelöste Lungenentzündung wird in erster Linie mit Antibiotika therapiert. Zeigt sich innerhalb von 24 Stunden nach Einnahme des Präparats keine Verbesserung, werden dem Patienten normalerweise andere Antibiotika verschrieben.

„In aller Regel müssen die Antibiotika je nach ärztlicher Verordnung fünf bis sieben Tage eingenommen werden“, erklärte Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer in der dpa-Meldung. Der Therapieplan des Arztes muss unbedingt eingehalten werden, Antibiotika dürfen keinesfalls zu früh abgesetzt werden, auch dann nicht, wenn die Beschwerden abgeklungen sind. „Wer zu früh die Medikamente weglässt, riskiert einen Rückfall“, warnte Sellerberg.

Kortison gegen Lungenentzündungen
Interessant in diesem Zusammenhang sind auch Erkenntnisse, die sich aus Langzeitstudien an Schweizer Krankenhäusern ergeben haben. Demnach soll Kortison gegen Lungenentzündung helfen. Die Wissenschaftler berichteten in der Fachzeitschrift „The Lancet“, dass Pneumonien schneller heilen, wenn bei der Therapie Antibiotika mit Kortison ergänzt wird. Die Forscher meinten bei der Veröffentlichung im vergangenen Jahr, dass ihre Studie wohl die Behandlung von Lungenentzündungen „weltweit verändern“ werde.

Vorbeugende Impfung
Eine durch Viren ausgelöste Lungenentzündung hingegen kann mit Medikamenten nicht beeinflusst werden. Hier beschränkt sich die Therapie auf die Linderung der Symptome. Um einer Lungenentzündung vorzubeugen, sollte man sich laut Gesundheitsexperten gegen Pneumokokken, dem häufigsten Erreger der bakteriellen Lungenentzündung, impfen lassen.

Diese Schutzmaßnahme wird auch in den überarbeiteten Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) besonders hervorgehoben. In einer Mitteilung des RKI heißt es: „Pneumokokken stellen in Europa die Hauptursache von bakteriellen Lungenentzündungen dar. Die STIKO schätzt, dass jedes Jahr mehr als 5.000 Menschen in Deutschland an den Folgen einer Pneumokokken-Erkrankung sterben.“

Prof. Welte erklärte: „Diese Schutzimpfung wird vor allem Menschen über 60, chronisch Kranken sowie Kindern bis zum zweiten Lebensjahr empfohlen.“ Grundsätzlich wichtig ist, das Immunsystem zu stärken. Dafür sollte man sich unter anderem gesund – mit viel Obst und Gemüse – ernähren, sich regelmäßig bewegen und das Rauchen sein lassen. (ad)

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