Ernährung: Diäten zum Abnehmen oft nachteilig

Fabian Peters

Diäten bringen häufig erhebliche gesundheitliche Nachteile mit sich

19.10.2011

Diäten zum Abnehmen können für den Körper eine erhebliche Belastung sein und haben oftmals einen deutlichen Wiederanstieg des Gewichts nach dem Ende der Diät zu Folge. Um von den überschüssigen Kilos runterzukommen, empfiehlt sich daher im Ernstfall eine generelle Umstellung des Lebensstils.

Mehr zum Thema:

Viele Menschen in Deutschland hegen den Wunsch zum Abnehmen. Entsprechend verbreitet sind die verschiedensten Diätformen. Doch oftmals folgt unmittelbar nach dem Ende der Diät der Jojo-Effekt und die Betroffenen nehmen erneut deutlich zu. Zudem kann eine Diät für den Organismus eine erhebliche Belastung sein, wodurch der Grundumsatz des Körpers bis zu zwölf Monate aus dem Takt gerät, warnte Professor Ingo Froböse vom Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“.

Diäten reduzieren den Grundumsatz des Organismus
Wie der Experte vom Zentrum für Gesundheit der Deutschen Sporthochschule Köln erläuterte, kann schon eine drei- bis vierwöchige Diät den Grundumsatz des Organismus für rund zwölf Monate aus dem Takt bringen. Wird im Anschluss an die „Diät wieder normal gegessen, setzt deshalb der berüchtigte Jojo-Effekt ein“, so die Aussage von Prof. Froböse. Dem Ernährungsfachmann zufolge machen sich insbesondere zahlreiche Frauen heutzutage mit dem Hype um Diäten das Leben schwer. Viele von ihnen haben laut Prof. Froböse ihren Kalorienverbrauch soweit heruntergefahren, dass sie im Zuge ihrer Diäten oftmals deutlich unter 1.000 Kilokalorien (kcal) pro Tag zu sich nehmen, was gerade einmal „zwei Käsebrötchen am Tag“ entspricht. Mehr Nahrung benötigt der Organismus dieser Frauen nicht, um den Energiebedarf zu decken, erläuterte Froböse. Normalerweise liege der durchschnittliche Grundumsatz von Frauen zwischen 1.200 und 1.500 Kilokalorien (kcal) täglich, bei Männern betrage dieser 1.800 Kilokalorien, betonte der Experte. Allerdings beziehen sich diese Angaben ausschließlich auf den Grundumsatz, der benötigt wird, um die lebenswichtigen Funktionen des Körpers wie zum Beispiel Herz-, Lungen- und Gehirnfunktion aufrecht zu erhalten. Sämtliche zusätzlichen körperlichen Leistungen benötigen laut Aussage von Prof. Froböse weitere Energie. So verbrenne der menschliche Organismus zum Beispiel beim Joggen innerhalb einer Stunde im Schnitt rund 650 Kilokalorien. Der Leistungsumsatz beinhaltet jegliche Energie die durch Aktivitäten wie Sport oder körperliche Arbeit verbrannt wird.

Diäten signalisiere dem Körper einen künstlichen Notstand
Im Falle einer Diät, werde dem Körper, der generell bestrebt ist, möglichst viele Funktionen aufrechtzuerhalten, künstliche ein Notstand signalisiert, wodurch generell weniger Energie für den Leistungsumsatz zur Verfügung stehe und auch der Grundumsatz deutlich reduziert beziehungsweise auf die wesentlichen Funktionen konzentriert wird, erläuterte Prof. Froböse. Dem Experten zufolge ist die Diät „der größte Feind des Grundumsatzes.“ Ein hoher Grundumsatz kann jedoch dazu beitragen, dass generell nicht so leicht zugenommen wird, denn auch im Ruhezustand verbrennt der Organismus so deutlich mehr Energie als bei niedrigem Grundumsatz. Daher ist laut Aussage des Experten eine Diät, die den Grundumsatz aus dem Takt bringt, durchaus kritisch zu beurteilen. Um den Grundumsatz wieder auf das vorherige Niveau zu bringen, benötigen die Betroffenen viel Geduld, betonte Prof. Froböse. Demnach werde bei kontinuierlichen Bemühungen zum Wiederaufbau des Grundumsatzes ungefähr zwölf Monate nach einer Diät wieder das Normalmaß erreicht. Wer also unmittelbar nach dem Ende der Diät wieder wie gewohnt isst, nimmt höchstwahrscheinlich deutlich zu, da sein Grundumsatz noch unter dem Maß liegt, dass im Vorfeld der Diät vorlag, erläuterte der Experte. In erster Linie sollte daher versucht werden, den Grundumsatz des Organismus zu steigern, um nachhaltig Gewicht zu verlieren.

Drei Schritte zum erfolgreichen Abnehmen
Dabei führen Prof. Froböse zufolge drei Schritte zum Erfolg. Als erste sollten die Abnehmwilligen Muskelmasse aufbauen, denn Muskeln verbrennen auch im Ruhezustand mehr Energie als Fettgewebe. Zu diesem Zweck empfiehlt der Experte zum Beispiel Krafttraining im Fitnessstudio, bei dem gezielt Muskeln auf Kraft trainiert werden. Darüber hinaus sollten die Betroffenen mit Ausdauertraining ihren Grundumsatz steigern, erläuterte Froböse. Denn durch Ausdauersport wie Laufen, Schwimmen oder Radfahren werde die Anzahl der winzigen Zellkraftwerke (Mitochondrien) gesteigert, die für die Energieversorgung der Zellen verantwortlich sind, was ebenfalls dazu beiträgt den Grundumsatz zu erhöhen. Umso höher die Anzahl der Mitochondrien pro Zelle, desto mehr Energie können diese produzieren, wobei sich die Anzahl der winzigen Zellkraftwerke pro Zelle um bis zu 100 Prozent steigern lässt, erklärte Prof. Froböse. Als dritten Schritt zum nachhaltigen Abnehmen nannte der Experte die Ausrichtung der Essensaufnahme am Bio-Rhythmus des Stoffwechsels. Dabei kommen dem Körper drei Mahlzeiten am Tag mit jeweils fünf Stunden Pause dazwischen entgegen, so Prof. Froböse weiter. Zwischenmahlzeiten sind laut Aussage des Experten am besten zu vermeiden und in Bezug auf den unterschiedlichen Umfang der Mahlzeiten erklärte Prof. Froböse, dass am Morgen besonders viele Kohlenhydrate aufgenommen werden sollten, mittags eher nährstoffreiche Nahrung vorzuziehen ist und abends Eiweißhaltige Nahrungsmittel auf den Teller kommen sollte. Dies bedeute morgens Vollkornmüsli und Vollkornbrot, mittags Gemüse, Fisch oder Fleisch mit Beilagen wie Kartoffeln oder Reis und abends Eier, Pute oder Salat, erläuterte der Experte.

Weitere Nachteile von Diäten zu befürchten
Haben die Betroffenen ihren Grundumsatz auf ein Normalmaß hochgefahren, kann die Nahrungsaufnahme langsam wieder gesteigert werden, ohne eine Gewichtszunahme befürchten zu müssen. Denn der Organismus verbrennt wieder mehr Kalorien und die zusätzlichen Kilokalorien bringen nicht automatisch zusätzliche Fettpolster mit sich, betonte Prof. Froböse. Dem heute weit verbreiteten Diätwahn sollte nach Ansicht des Experten endlich ein Ende gesetzt werden, da der gewünschte Gewichtsverlust oftmals nur von Kurzer Dauer ist, die negativen Folgen für den Organismus jedoch langfristig bestehen bleiben. Dabei spielt nicht nur der von Prof. Froböse angesprochenen Grundumsatz eine wesentliche Rolle, sondern zum Beispiel auch die Schadstoffkonzentration im Organismus. So hatten Experten im Fachmagazin „International Journal of Obesity“ bereits im September vergangenen Jahre davor gewarnt, dass bei einer Gewichtsabnahme die Konzentration von chemischen, potenziell schädlichen Stoffen im Körper deutlich ansteigt. Hierzu zählen zum Beispiel die Dioxin-ähnlichen polychlorierten Biphenyle (PCB), die generell als krebserregend bewertet werden. Ein langfristiger Gewichtsverlust biete hier deutliche Vorteile gegenüber einer starken Gewichtsreduzierung innerhalb kurzer Zeit, wie sie bei vielen Diäten erzielt werden kann, so die Aussage der Experten im „International Journal of Obesity“ (fp)