Ernährungsbericht 2018 – Regionale Produkte und bessere Tierhaltung gefordert

Volker Blasek

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft befragt Deutsche nach ihren Ernährungsgewohnheiten

Stolze 90 Prozent der Deutschen sind laut des aktuellen Ernährungsberichtes bereit, mehr Geld für Produkte zu bezahlen, wenn dafür bessere Bedingungen in der Tierhaltung ermöglicht werden. Vier von fünf Verbrauchern befürworten ein staatliches Label für artgerechte Tierhaltung. 78 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher (78 %) gaben an, beim Einkauf Lebensmittel zu bevorzugen, die aus der Region kommen. Der Ernährungsbericht 2018 wurde kürzlich in Berlin vorgestellt.


„Wir müssen die Ernährungsbildung im Stundenplan fest verankern – am besten als eigenes Schulfach“ – mit diesen Worten beginnt Christian Schmidt, Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, den Ernährungsbericht 2018. Der Bericht des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) bezieht sich auf eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitut forsa, dass zu diesem Zwecke beauftragt wurde. 1.000 Bundesbürgerinnen und -bürger ab 14 Jahren wurden zu ihren Ess- und Einkaufsgewohnheiten befragt. Die wichtigsten Ergebnisse sind in dem Ernährungsreport 2018 in 11 Kategorien zusammengefasst.

Der Lebensmittelbericht 2018 gibt Aufschluss über die Kauf- und Essgewohnheiten der Deutschen. (Bild: bit24/fotolia.com)

Mehr Geld für bessere Tierhaltung

Zusammengefasst zeigten 90 Prozent der befragten Menschen Bereitschaft, mehr Geld für Tierprodukte auszugeben, wenn die Tiere besser gehalten werden, als es das geltende Recht vorschreibt. Nur ein sehr kleiner Anteil von zwei Prozent will auf keinen Fall mehr Geld für das Tierwohl ausgeben. Die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher (52 Prozent) wären bereit, für die besseren Haltungsbedingungen einen Aufpreis von 20 bis 50 Prozent zu zahlen. 23 Prozent sind sogar bereit, einen Aufpreis von 50 bis 100 Prozent in Kauf zu nehmen.

Gut muss es schmecken

Da sind sich 99 Prozent der Befragten einig: Das Essen muss gut schmecken. Dicht gefolgt vom Faktor Gesundheit. Hier sind 92 Prozent der Meinung, dass das Essen gesund seien sollte. Je älter die Befragten, desto mehr Priorität hat gesundes Essen. Bei der Zubereitung des Essens legen mehr als die Hälfe (54 Prozent) der Großstädter darauf Wert, dass das Essen schnell zubereitetet werden kann, wogegen dies bei Menschen in Kleinstädten nur bei 40 Prozent eine Rolle spielt.

Tägliche Ess- und Trinkgewohnheiten in Deutschland

Spitzenreiter sind hier Obst und Gemüse. Fast drei Viertel (72 Prozent) der Umfrageteilnehmer gönnen sich täglich Obst und Gemüse. Auch Milchprodukte erfreuen sich großer Beliebtheit. Bei 65 Prozent der Befragten stehen Käse, Joghurt und Quark auf dem täglichen Speiseplan. 40 Prozent trinken noch täglich Frischmilch, Buttermilch oder Molke dazu. Fleisch und Wurst liegen bei knapp jedem Dritten (30 Prozent) täglich auf dem Teller. Unter den Durstlöschern ist das gute alte Wasser mit 91 Prozent auf Platz 1. Dicht gefolgt von klassischen Heißgetränken wie Kaffee oder Tee mit 84 Prozent. Cola, Limonade, Säfte und andere Softdrinks kommen nur bei 24 Prozent täglich ins Glas.

Wie und wo kaufen wir ein?

78 Prozent der Befragten legen Wert darauf, dass die Lebensmittel aus ihrer Region stammen. Wobei Frauen mit 85 Prozent Anteil mehr Wert auf die Regionalität legen als Männer mit 70 Prozent. Hier zeigte sich, dass dieser Faktor mit zunehmendem Alter wichtiger wird. Ein weiterer Trend ist die Wertschätzung von Siegeln. 41 Prozent gaben an, beim Einkauf darauf zu achten. Auch die spontane Inspiration im Geschäft ist für 55 Prozent der Konsumenten ein Kaufkriterium.

Was wollen die Deutschen über ihre Produkte wissen?

Über drei Viertel (79 Prozent) finden Angaben über Inhalts- und Zusatzstoffen zur Herkunft der Waren sowie Warnhinweise wichtig. Auch das Mindesthaltbarkeitsdatum findet bei 73 Prozent Beachtung. Zahlreiche Menschen wünschen sich zusätzlich Informationen, die nicht gesetzlich vorgeschrieben sind. Bei Fleisch- beziehungsweise Tierprodukten möchten 85 Prozent der Teilnehmer genauere Informationen über die Haltungsbedingungen haben. 79 Prozent wünschen sich sogar ein staatliches Tierwohllabel. Weiterhin interessieren sich die Befragten mit jeweils über 80 Prozent für die Themen Fairness bei der Produktion, Umweltverträglichkeit und ob ein Produkt gentechnikfrei produziert wurde.

Das Internet ist auf den Vormarsch

Zwar nutzen etwa zwei Drittel (69 Prozent) die Informationen am Ort des Einkaufs, doch mit steigender Tendenz geben 42 Prozent der Befragten an, sich per Onlinerecherche über Lebensmittel zu informieren. Dies ist verstärkt bei den jüngeren Teilnehmern festzustellen. 31 Prozent der unter 30-Jährigen nutzen Soziale Medien zur Informationsbeschaffung, wogegen dies bei den über 60-Jährigen nur vier Prozent tun. Ganze 91 Prozent sind der Meinung, dass Kinder die Grundlagen guter Ernährung in der Schule erlernen sollten.

Kochen macht Spaß – aber nicht jeden Tag

Drei Viertel (73 Prozent) der Umfrageteilnehmer haben Freude am regelmäßigen Kochen. 54 Prozent der weiblich Teilnehmer kochen täglich. Bei Männern sind es nur 31 Prozent. Bei fast der Hälfte der Menschen (43 Prozent) sind außer Haus Mahlzeiten beliebt. Bei den Erwerbstätigen bleibt die Brotdose oder Lunchbox der Klassiker. 56 Prozent essen bei der Arbeit das, was sie sich selbst von zu Hause mitgebracht haben. Nur 19 Prozent der Erwerbstätigen nutzen das Angebot einer Kantine. Die Preise für den Mittagstisch sind durchschnittlich von 6,20 Euro auf 7,30 Euro angestiegen.

Verbraucher übernehmen Verantwortung gegen Lebensmittelverschwendung

86 Prozent der Befragten möchten die Lebensmittelabfälle reduzieren. 63 Prozent kaufen bereits bewusster ein und mehr als die Hälfte gibt an, sich Mühe bei der Verwertung von Lebensmittelresten zu geben, damit Abfälle reduziert und Ressourcen nicht verschwendet werden. (fp)