Erneut Dioxin verseuchtes Futtermittel aufgetaucht

Fabian Peters

Behörden warnen vor Dioxin belastetem Futtermittel

01.04.2011

Erneut Dioxin in Futtermitteln. Dioxin belastetes Futteröl – ein sogenanntes Ergänzungsfuttermittel – wurde von Niedersachsen aus an Futtermittelhersteller in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Österreich geliefert. Das Dioxin verseuchte Futteröl wurde von einer niedersächsischen Fischmehlfabrik an sieben Futtermittelproduzenten in Deutschland und Österreich ausgeliefert. Der Dioxin-Gehalt des zu Futtermitteln verarbeiteten Öls habe den zulässigen Grenzwert um das vierfache übertroffen, warnte das niedersächsische Landwirtschaftsministerium. Bei Untersuchungen des mit dem Ergänzungsfuttermittel angemischten Tierfutters lag der Dioxin-Gehalt jedoch deutlich unter der kritischen Grenze von 1,5 Nanogramm, teilten die zuständigen Behörden mit.

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Grenzwert für Dioxin-Belastung um das vierfache überschritten
Dioxin belastetes Futtermittel hatte hierzulande erst vor kurzem einen der größten Dioxin-Skandale seit langem ausgelöst. Ende des letzten Jahres warnten die Gesundheitsbehörden vor Dioxin verseuchten Eiern, die in den Handeln gelangt waren. Die Belastung wurde damals eindeutig auf die Verwendung verseuchten Futtermittels zurückgeführt. Und auch im aktuellen Fall hätte die Belastung des Futteröls weitreichende Konsequenzen haben können, denn der zulässige Grenzwert wurde um das vierfache überschritten. Allerdings ist das Futteröl lediglich mit einem vier prozentigen Anteil dem Schweinefutter beigemischt worden, wodurch die Dioxin-Belastung des Futtermittels am Ende unter 1,5 Nanogramm lag, teilten die Behörden mit. Eine Rückrufaktion des Mischfutters oder belasteten Schweinefleischs sei daher voraussichtlich nicht notwendig. Die weitere Abgabe des Futteröls wurde vom Agrarministerium indes untersagt und ein Rückruf der belasteten Chargen veranlasst. Darüber hinaus sollen weitere Analysen der Futtermittelproben erfolgen, um ein gesundheitliches Risiko für die Verbraucher definitiv auszuschließen.

Dioxin als Sammelbegriff gefährlicher Umweltgifte
Der Begriff Dioxin ist eine Sammelbezeichnung für Umweltgifte mit ähnlichen chemischen Verbindungen, die meist als Nebenprodukte bei der Herstellung chlororganischer Chemikalien oder bei Verbrennungsreaktionen (Müllverbrennung) entstehen. Die langlebigen organischen Schadstoffe werden auf natürlichem Wege kaum abgebaut und reichern sich über die Nahrungskette in lebenden Organismen an. Heute sind 75 Dioxinarten und 135 mit dem Dioxin eng verwandten Furane bekannt, die zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen können. Folgen einer erhöhten Dioxin-Belastung können Störungen des Immunsystems, des Nervensystems und des Hormonhaushaltes sowie schwere Hauterkrankungen (Chlorakne), Atemwegserkrankungen, Schilddrüsenprobleme und Beeinträchtigungen des Verdauungstraktes sein. Darüber hinaus gelten zahlreiche Dioxine als krebserregend. Liegt eine akute Dioxin-Vergiftung vor, besteht kaum eine Möglichkeit zur raschen Entgiftung, da die Stoffe sich im Gewebe des Körpers einlagern und sogar eine Blutwäsche nur einen minimale Reduzierung der Dioxin-Belastung bewirken kann. Daher ist bei potenziell Dioxin verseuchten Nahrungsmitteln besondere Vorsicht geboten und die entsprechenden Produkte sollten keinesfalls verzehrt werden.

Fragwürdiges Verhalten in der Futtermittelindustrie
Kritiker haben bereits im Rahmen des Dioxin-Skandals Ende letzten Jahres darauf hingewiesen, dass bei der Futtermittelerzeugung teilweise äußerst fragwürdige Verfahren angewendet werden. Insider behaupteten, dass belastete Produkte oftmals extra so lange weiter verdünnt werden, bis die Dioxin-Belastung wieder unter dem zulässigen Grenzwert liegt. Vor diesem Hintergrund erscheint auch der aktuelle Fall des verseuchten Futteröls in einem leicht anderen Licht. Denn auch hier konnte der Grenzwert im Endprodukt nur dadurch eingehalten werden, dass das Futteröl mit einem Anteil von lediglich vier Prozent dem Futtermittel beigemischt wurde. Da stellt sich die Frage, ob die Dioxin-Grenzwert nicht entlang der kompletten Erzeugungskette strenger kontrolliert werden sollten, um die Weiterverarbeitung belasteter Produkte möglichst auszuschließen. (fp)