Erneuter Legionellen-Alarm in Berlin

Alfred Domke

Legionellen erneut in Berlin nachgewiesen

28.09.2013

Wiedereinmal sorgen Legionellen für Schlagzeilen. In einer Berliner Wohnanlage wurde festgestellt, dass das Trinkwasser mit Legionellen verseucht sei. Anwohner durften nicht mehr duschen und waren besorgt.

Deutlich mehr als erlaubt
Nachdem in den letzten Wochen vor allem Warstein in Bezug auf Legionellen in die Schlagzeilen geriet, wurde jetzt ein Fall im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg bekannt. Dort seien in einer Wohnanlage im Trinkwasser Legionellen über dem erlaubten Maß festgestellt worden. Die erhöhten Werte der Bakterien seien aufgrund der neuen Trinkwasserverordnung festgestellt worden, welche Hausverwalter beziehungsweise Eigentümer von größeren Wohneinheiten verpflichtet, Wasser auf Legionellen hin testen zu lassen. In der Wohnanlage wurden bis zu 16.300 „kolonienbildende Einheiten“ (KBE) pro 100 Milliliter Wasser gemessen. Nach der deutschen Trinkwasserverordnung sind 100 KBE erlaubt. Von einer möglichen Gesundheitsgefährdung wird ab ab 10.000 KBE pro 100 Milliliter ausgegangen.

Tausende Gebäude in der Vergangenheit betroffen
In der Hauptstadt gab es in den letzten Jahren immer wieder Anlässe zu einer Legionellen-Warnung, so etwa im Dusch-Bereich der Fußball-Profis von Hertha BSC (2010), im Stadtbad Lankwitz (2010) oder im Klinikum Westend (2009). Nach Angaben des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen waren in der Vergangenheit in Berlin rund 115.000 Gebäude und in Brandenburg 100.000 Gebäude betroffen. Dr. Christina Rhede, Leiterin vom Bereich Hygiene und Umweltmedizin im Gesundheitsamt Pankow, erklärte jedoch: „Legionellen kommen generell im Trinkwasser vor und werden erst bei erhöhter Konzentration zur Gefahr.“

Gefahr durch stehendes Wasser
Die Hauptursachen für eine plötzliche Legionellen-Explosion seien stehendes Wasser in Rohren durch geringen Wasserverbrauch sowie dauerhafte Wassertemperaturen zwischen 25 und 55 Grad. Die Bakterien sterben ab 55 Grad ab. Beim Duschen können die Keime in menschliches Gewebe gelangen. „Sie stecken in feinsten Wasser-Tröpfchen, die über die Luft eingeatmet werden“, so Dr. Rhede. Überträger seien auch Klimaanlagen oder Whirlpools.

Verseuchtes Wasser ist trinkbar
Die Bakterien können sich beim Einatmen wie bei einer Grippe in den Schleimhäuten festsetzen und in die Lunge geraten. Betroffene können Fieber, Husten, Kopfschmerzen, Atemnot und sogar eine Lungenentzündung bekommen. Allerdings bestehe keine Gefahr einer Legionellose, wenn man mit Legionellen verseuchtes Wasser trinkt. Für die Bewohner im Prenzlauer Berg scheint die Gefahr durch das Einsetzen von speziellen Filtern in Duschen und durch Reinigungsmaßnahmen gebannt. (ad)

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