Erneuter Streik am Berliner Klinikum Charité

Sebastian

Wieder streiken Beschäftigte am Universitätskrankenhaus Charité

12.09.2011

Erneut streiken Angestellte am Universitätsklinikum Charité in Berlin. Der auf unbefristete Zeit ausgelegte Streik hat in den frühen Morgenstunden begonnen. Zum dem Arbeitskampf der rund 1800 Beschäftigten der Klinik Tochtergesellschaft Charité Facility Management (CFM) hat die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aufgerufen. Um sich mit den Streikenden zu solidarisieren, haben sich weitere 750 Bedienstete der Charité Hauptklinik dem Arbeitsausstand angeschlossen.

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Streik der Krankenhaus-Servicekräfte
Am renommierten Berliner Krankenhaus Charité wird erneut gestreikt. Bereits Anfang Mai diesen Jahres hatten rund 1500 Pflegekräfte, Technische Angestellte und Reinigungskräfte am Universitätsklinikum Charité und am Virchow-Klinikum gestreikt. Der Streik konnte nach gut einer Woche mit einer Einigung beendet werden. Nun streiken erneut an drei verschiedenen Standorten die Angestellten der Tochtergesellschaft Charité Facility Management (CFM) seit Montagmorgen 5.00 Uhr, wie die Gewerkschafterin und Verhandlungsführerin Sylvi Krisch (Verdi) in einer Pressemitteilung erklärte. Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben sich seit heute auch rund 750 Bedienstete der Hauptgesellschaft Charité dem Arbeitsausstand angeschlossen. Seit 10.00 Uhr findet eine Demonstration und Kundgebung auf dem Gelände des Krankenhauses in Berlin-Mitte statt. Aufgrund der Schichtdienste werden sich etwa 300 bis 400 Menschen täglich dem Streik anschließen, wie die Verdi-Aktivistin erklärte. In einer vorab durchgeführten Urabstimmung hatte sich eine große Mehrheit von 98,6 Prozent der Servicekräfte für den Streik ausgesprochen.

Bei der Tochtergesellschaft CFM sind die Arbeitnehmer vor allem im Bereich des Dienstleistungssektor beschäftigt. Sie kümmern sich um die Bereitstellung der Patientenverpflegung, arbeiten im Labor, transportieren Kranke, reinigen Patientenzimmer und OP-Säle und arbeiten im hauseigenem Wachschutz. Im Streit mit der Geschäftsführung will die Dienstleistungsgewerkschaft einen Tarifvertrag durchsetzen. Bislang wurden an CFM-Beschäftigte nur ein Hausvertrag vergeben. Verdi fordert aber für die Streikenden einen einheitlichen Tariflohn sowie eine Anhebung der Bruttolöhne um mindestens 168 Euro pro Monat. Zuvor waren alle Verhandlungen für das nicht-medizinische Personal zwischen Verdi und der Geschäftsführung gescheitert.

Verdi fordert Lohnerhöhungen und einheitliche Tarifverträge
Verdi wirft der Klinikleitung – wie bereits in der Vergangenheit geschehen – ein „Spiel auf Zeit“ vor. „Die Tarifkommission fordert abermals die Geschäftsführung auf, umgehend ein verhandlungsfähiges Angebot zu unterbreiten und das Taktieren auf Kosten des Servicepersonals und letztlich der Patienten zu beenden“, so eine Sprecherin der Gewerkschaft. Den rot-roten Berliner Senat fordert Verdi auf, „das Profitdenken der Minderheitsgesellschafter in die Schranken zu weisen und Vernunft und Verantwortungsbewusstsein walten zu lassen“. Die Charité ist Eigentum des Landes Berlin und untersteht damit der Politik.

Seit Ende Mai verhandeln nun schon beide Parteien. Die CFM hatte die Forderung der Gewerkschaft in den Verhandlungen mehrmals zurückgewiesen. Schließlich habe man angeboten, die bislang acht unbezahlten Überstunden künftig zu vergüten. Demnach sei nach Ansicht der Geschäftsleitung eine „deutliche Anhebung der Löhne“ bereits angeboten worden. Für einige wenige Mitarbeiter wurde ein Urlaubsgeld, eine leichte Erhöhung der Urlaubstage sowie Mindestlöhne unterhalb der Durchschnittslöhne als Angebot unterbreitet. Die Arbeitnehmerseite hatte die Vorschläge als unzureichend abgewiesen.

Keine Notfalldienstvereinbarung
Nach Angaben der Gewerkschaft besteht keine Notfalldienstvereinbarung. Demnach könnte es zu Engpässen in der Klinikversorgung kommen. Die medizinische Versorgung von Patienten ist nach Angaben der Gewerkschaftskreise allerdings nicht gefährdet. Von Seiten der CFM Geschäftsführung oder Charité liegen derzeit keine Stellungnahmen vor. (sb)