Erneutes Auftreten der Vogelgrippe in Deutschland

Ein Schwan in Ungarn war das erste bekannte Opfer der derzeitigen Vogelgrippe
Dr. Utz Anhalt
Die Vogelgrippe breitet sich erneut in Europa aus, bereits 2015 grassierte eine hoch ansteckende Vogelgrippe im Emsland. Bisher meldeten fünf Länder Fälle des hoch ansteckenden Virus.

In Deutschland waren zuerst Vögel in Schleswig-Holstein betroffen, jetzt sind auch kranke Tiere vom Bodensee bekannt: Dort fanden sich 70-80 gestorbene Vögel. Schweiz und Österreich registrieren ebenso an der Epidemie verendete Wildvögel wie Ungarn und Polen.

Ein Schwan in Ungarn war das erste bekannte Opfer der derzeitigen Vogelgrippe in Europa
Ein Schwan in Ungarn war das erste bekannte Opfer der derzeitigen Vogelgrippe

Was ist Vogelgrippe?
Das Robert-Koch-Institut informiert:“Das Wort „Vogelgrippe“ (aviäre Influenza) bezeichnet in erster Linie eine Erkrankung durch Influenza-A-Viren bei Vögeln. (…) Hoch­patho­gene aviäre Influenza A-Viren der Subtypen H5 und H7 können bei Nutzgeflügel, zum Beispiel Hühnern, zu schweren Schäden an den Tierbeständen führen, weil ein Großteil des infizierten Geflügels an der Krankheit verendet.“

Das H5N8-Virus
Der Virus ist ein Erreger vom Typ H5N8. H und N bezeichnen die beiden wichtigsten Eiweiße auf der Hülle des Influenzavirus, Hämagglutinin und Neuraminidase.

Ein Schwan in Ungarn
Thomas Mettenleiter vom Friedrich-Löffler-Institut erläutert: „Vor einigen Tagen ist in einem Zoo in Indien das Virus offenbar in seiner jetzigen Form nachgewiesen worden, dann in Ungarn bei einem Schwan sowie in einem Putenbestand und jetzt in Polen, am Bodensee und in Schleswig-Holstein bei Wildvögeln. Wir haben verschiedene Puzzleteile, die wir zusammensetzen müssen.“

Gefahr für Nutzgeflügel
Die Ansteckungs-Gefahr für Geflügel ist sehr hoch. Deshalb gilt in den betroffenen Gebieten in Baden-Würtemberg umgehend eine Stallpflicht für Hühner, Puten und anderes Federvieh.

Es handelt sich um 1000 Meter vom Bodenseeufer und 500 Meter vom Rheinufer für zunächst drei Monate. Die Tierhalter müssen zudem Schutzanzüge beim Kontakt mit den Vögeln tragen.

Stallpflicht in Schleswig-Holstein
In Schleswig-Holstein gilt die Stallpflicht seit Dienstag dieser Woche für alle Nutzvögel. Rund um Plön lagen erkrankte Seevögel an mindestens acht Seen, aus anderen Orten sind Verdachtsfälle bekannt, die derzeit überprüft werden. Insgesamt sind aus Schleswig-Holstein um die 240 Wildvögel bekannt, die am H5N8-Virus starben.

Gefahr für Menschen?
November 2014 tauchten H5N8-Viren unter Nutzgeflügel in Deutschland und Europa auf.

Bisher gab mehr als 800 Erkrankungen bei Menschen durch hochpathogene aviäre Influenza A(H5N1)-Viren, und mehr als die Hälfte der Erkrankten starb. Infektionen mit Influenza A(H5N1) betrafen Länder in Asien, Afrika und im Nahen Osten, in Ägypten, Vietnam, Indonesien, Kambodscha und China verzeichnet. Anfang 2014 gab es in Kanada eine Erkrankung.

Menschen sind bisher von dem jetzigen Virus nicht betroffen. Theoretisch ist es zwar denkbar, sich über Nahrung mit dem Erreger anzustecken, aber unwahrscheinlich.

Das Robert-Koch-Institut klärt auf: „Tritt Influenza A(H5N1), A(H5N8), A(H5N2) oder ein anderes Vogelgrippevirus bei Nutzgeflügel auf, sind in erster Linie Beschäftigte in der Geflügelindustrie und Tierärzte in den Betrieben gefährdet, die sich entsprechend den Vorgaben des Arbeitsschutzes schützen müssen; für die breite Bevölkerung wird kein Risiko gesehen.“ Unbekannt ist das Virus nicht: In Irland zum Beispiel trieb es schon 1983 sein Unwesen.

Eine Massenepidemie?
Seuchen – Viren und Bakterien im Endzeitepos sind in Literatur und Film derzeit weit verbreitet, und hier spielt die Angst eine Rolle – Angst vor Krankheiten, die sich heute global schneller verbreiten können als in der Vergangenheit. Das H5N8-Virus wird indessen die Menschheit nicht dahin raffen. (Dr. Utz Anhalt)

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