Ersatzmöglichkeiten zu Tierversuchen gefragt

Fabian Peters
Neuer Forschungsverbund soll Alternativen zu Tierversuchen entwickeln
Tierversuche sind bis heute äußerst umstritten und es besteht ein erheblicher Bedarf nach möglichen Alternativen. Mit einem neuen Forschungsverbund, der vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen mit 4,5 Millionen Euro gefördert wird, sollen Ersatzmethoden entwickelt und die Tierversuche künftig deutlich reduziert werden.

Der neue Forschungsverbund „R2N – Replace und Reduce aus Niedersachsen – Ersatz und Ergänzungsmethoden für eine zukunftsweisende biomedizinische Forschung“ wird von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), der Tierärztlichen Hochschule Hannover, der Universitätsmedizin Göttingen und der Leibniz Universität Hannover getragen. Initiator ist das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur. Ziel ist eine drastische Reduzierung der Tierversuche.

Der Verzicht auf Tierversuche und eIn besserer Schutz von Versuchstieren sind dringend erforderlich. Ein neuer Forschungsverbund soll hier deutliche Fortschritte bringen. (Bild: Sven Hoppe/fotolia.com)

Gesellschaftlicher Verantwortung gerecht werden
Mit der Millionenförderung soll der Forschungsverbund Ersatz- und Ergänzungsmethoden für Tierversuche entwickeln, so dass die Tierversuche in der Forschung deutlich reduziert und nur noch als Ultima Ratio eingesetzt werden, erläutert die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajić. „Zugleich geben wir der gesellschaftlichen Verantwortung der Wissenschaft und ethischen Fragen mehr Gewicht“, betont die Ministerin. Neben den Hochschulen und Universitäten sind das Fraunhofer-Institut für Toxikologie und experimentelle Medizin, das Deutsche Primatenzentrum und das TWINCORE – Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektionsforschung an dem Verbund beteiligt.

Zahl der Tierversuche auf das unerlässliche Maß reduzieren
Professor Dr. Nils Hoppe, Sprecher des Centre for Ethics and Law in the Life Sciences (CELLS) an der Leibniz Universität Hannover, betont, dass bei dem „Vorhaben ganz besonders auch die rechtliche und ethische Dimension gefragt“ ist. Die rechtliche Komponente spielt laut Aussage des Experten eine wichtige Rolle, weil die besten Alternativmethoden nicht helfen, wenn sie von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nur mit großen Mühen rechtlich etabliert werden können. Über eine Laufzeit von vier Jahren werden die Forscher Ersatz- und Ergänzungsmethoden für Tierversuche entwickeln, um damit Tierversuche zu vermeiden bzw. die Zahl der Tiere in Versuchen auf das unerlässliche Maß zu beschränken.

Auch ethische Fragestellungen werden berücksichtigt
Laut Mitteilung der Leibniz Universität werden in dem Verbund gezielt Methoden erforscht, die Versuche am lebenden Tier durch Untersuchungen an Organen ex vivo und durch Forschung an Zellkulturen ersetzen. Doch auch Methoden, „die den Einsatz von Tieren für bestimmte Fragestellungen nicht vollständig ersetzen, aber die Tierzahl für diese Fragestellung deutlich reduzieren können“, werden hier erforscht. In verschiedenen Teilprojekten sollen Alternativmethoden in der Grundlagenforschung und der sogenannten translationalen Forschung entwickelt werden. Auch ethische Fragestellungen werden in dem Verbund bearbeitet.

„Die Leibniz Universität spielt in diesem Verbund ihre große Stärke aus: Die Verbindung von Naturwissenschaften mit den Geisteswissenschaften im Zusammenhang mit der Erforschung verantwortungsbewusster und reflektierter Wissenschaft“, betont Professor Dr. Nils Hoppe. Auch der Austausch zwischen den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern soll in dem Verbund gefördert und der Aufbau eines Netzwerkes für Alternativmethoden ermöglicht werden. (fp)