Erschöpfungs-Syndrom: Ursache unterdrückte Infekte

Heilpraxisnet

Chinesische Medizin setzt auf Kräuter, weniger auf Akupunktur

21.08.2013

Patienten mit chronischem Müdigkeitssyndrom schwächen oftmals kleinste Handlungen bereits so sehr, dass sie den Rest des Tages nur noch schlafen. Häufig prägen Schwächeanfälle die Tagesabläufe der Betroffenen, auch berichten einige von einem ständigen Erkältungs- oder Fiebergefühl. Vom Fibromyalgie-Syndrom sprechen Experten, wenn zusätzlich noch diffuse Schmerzen im Bereich von Muskeln, Sehnen, Weichteilen, Schwellungsgefühle der Gliedmaßen und allgemeine Schmerzüberempfindlichkeit hinzukommt. Da sich beide Krankheit oft aber nicht durch schulmedizinische Untersuchungsmethoden nachweisen lassen, werden Patienten häufig mit psychischen Erklärungen abgewiesen. Die Chinesische Medizin hingegen sieht bei beiden Erschöpfungssyndromen körperliche Gründe als Ursachen.

Eine Besonderheit der chinesischen Medizin ist, dass sie die Symptomsprache des Menschen ernst nimmt und auf besondere Weise interpretiert. Auch beim Müdigkeits- oder Fibromyalgie-Syndrom liegt der Fokus auf der Krankengeschichte der Patienten. „Eine der bedeutendsten Schulen der TCM-Tradition lehrt, dass Fehlentwicklungen der immunologischen Steuerung, wie sie nach unserer Auffassung auch den beiden Erkrankungen zugrunde liegen, meist von wiederholt nicht ‚erfolgreich‘ durchgestandenen Infekten ihren Ausgang nehmen“, beschreibt Dr. Christian Schmincke, TCM-Experte und Leiter der Klinik am Steigerwald. So ist die Infekt-Vorgeschichte von Patienten mit Erschöpfungszuständen oft gekennzeichnet durch chronische, immer wiederkehrende oder erfolglose Infekte der Atemwege, die bis ins Kindesund Jugendalter zurückgehen können. „Zudem lässt sich oft feststellen, dass Erkrankungsschübe auch zeitlich mit Atemwegsinfekten einhergehen.“ Mit diesem Wissen und in Kombination mit den chinesischen Methoden der Puls-und Zungendiagnostik lassen sich daraus individuelle Behandlungspläne ableiten.

Als wichtige Säule gilt die chinesische Arzneitherapie mit individuell zusammengestellten Kräutern. „Ein Etappenziel der Behandlung ist erreicht, wenn Patienten erstmals wieder Infekte mit Schleimproduktion entwickeln. Nicht selten kommt es im weiteren Verlauf zur Ausheilung der Erkrankung“, zählt Dr. Schmincke die Behandlungsziele auf. Bei Fibromyalgie-Patienten enthält die chinesische Rezeptur oft schmerzlindernde Bestandteile, wie Fructus Chaenomelis, die Frucht einer japanischen Wildquitte. Beim Chronischen Müdigkeitssyndrom kann die Wurzel der Scrophularia ningpoensis Hemsl wiederum wichtiger Bestandteil werden. Diese zu den Braunwurzgewächsen gehörende Heilpflanze hat die Fähigkeit, einen Krankheitszustand, den die chinesische Medizin „toxische Bluthitze“ nennt, zu neutralisieren und auszuleiten. Neben dem Kernbaustein Arzneitherapie setzt die chinesische Medizin auf weitere Stützpfeiler: chinesische Diätik, Akupunktur, QiGong und Körpertherapie. „Wobei Akupunktur in der Behandlung beider Krankheiten meist eine Nebenrolle spielt, da viele Patienten wegen ihrer Schmerz-Überempfindlichkeit keine Akupunkturnadeln tolerieren.“ (pm)

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Bildnachweis: Klinik am Steigerwald_Chinesische Arzneien4