Erste Gebärmutter-Transplantation durchgeführt

Ärzte in Tübingen haben erstmals in Deutschland eine Gebärmutter-Transplantation durchgeführt. In Schweden hatte eine Frau mit transplantierter Gebärmutter vor zwei Jahren ein Kind zur Welt gebracht. (Bild: satyrenko/fotolia.com)
Alfred Domke
Erstmals erfolgreich Gebärmutter in Deutschland transplantiert
Mit Unterstützung schwedischer Experten haben Ärzte in Tübingen die erste Gebärmutter-Transplantation in Deutschland durchgeführt. Die Operation der jungen Patientin, die aufgrund einer angeborenen Fehlbildung unfruchtbar war, verlief erfolgreich. Vor zwei Jahren hatte eine Frau mit einer transplantierten Gebärmutter erstmals weltweit ein gesundes Baby zur Welt gebracht.

Erste Gebärmutter-Transplantation in Deutschland
Die Transplantationsmedizin hat im vergangenen Jahrzehnt enorme Fortschritte gemacht. So werden beispielsweise seit Jahren immer wieder erfolgreiche Gesichtstransplantationen vorgenommen und erst im letzten Jahr ist Medizinern die sensationelle Transplantation einer Schädeldecke gelungen. Häufiger sind jedoch Transplantationen von Organen. Ärzte in Tübingen haben nun die erste Gebärmutter-Transplantation in Deutschland durchgeführt.

Ärzte in Tübingen haben erstmals in Deutschland eine Gebärmutter-Transplantation durchgeführt. In Schweden hatte eine Frau mit transplantierter Gebärmutter vor zwei Jahren ein Kind zur Welt gebracht. (Bild: satyrenko/fotolia.com)
Ärzte in Tübingen haben erstmals in Deutschland eine Gebärmutter-Transplantation durchgeführt. In Schweden hatte eine Frau mit transplantierter Gebärmutter vor zwei Jahren ein Kind zur Welt gebracht. (Bild: satyrenko/fotolia.com)

Operation verlief ohne Komplikationen
Wie das Universitätsklinikum Tübingen mitteilte, ist Ärzten erstmals in Deutschland die Transplantation einer Gebärmutter gelungen. Den Angaben zufolge sei die mehrstündige Operation der 23-jährigen Patientin ohne Komplikationen verlaufen. Nach Klinikangaben sei die junge Frau wegen einer angeborenen Fehlbildung, des sogenannten Mayer-Rokitanski-Küster-Hauser (MRKH) –Syndroms, unfruchtbar gewesen und habe die Gebärmutter als Lebendspende erhalten.

Betroffene Frauen hatten kaum Chancen Kinder zu bekommen
Laut Mitteilung betrifft die „absolute uterine Infertilität“ drei bis fünf Prozent aller Frauen und „war bis vor kurzem eine praktisch unheilbare Ursache der weiblichen Unfruchtbarkeit“. Weiter heißt es dort: „Die einzigen Möglichkeiten für diese Frauen, Mütter zu werden oder sogar genetisch eigene Kinder zu bekommen, waren die Adoption oder die Leihmutterschaft, die wiederum in Deutschland nicht erlaubt ist.“

Frau mit Spender-Gebärmutter brachte Baby zur Welt
In den vergangenen Jahren waren schon in verschiedenen Ländern Gebärmuttertransplantationen durchgeführt worden, um Frauen ihren Kinderwunsch zu erfüllen. In Großbritannien ist die erste Gebärmuttertransplantation geplant. Dass die OP machbar und erfolgversprechend ist, hat der Gynäkologe Prof. Mats Mats Brännström mit Transplantationen in Schweden gezeigt. Dort hat eine Frau in Göteborg mit Spender-Gebärmutter im Jahr 2014 ein gesundes Baby bekommen. Mittlerweile sind fünf Kinder auf diese Weise geboren worden.

Planungen auch in weiteren Kliniken
Prof. Brännström und Kollgen waren mit dem Uterustransplantationsteam des Universitätsklinikums Göteborg auch an dem Eingriff in Tübingen beteiligt. Die Planungen dafür liefen nach eigenen Angaben seit Jahren. Auch in weiteren deutschen Krankenhäusern soll eine Gebärmutter-Transplantation durchgeführt werden, unter anderem von Medizinern der Universitätsklinik Erlangen.

Beherrschbares Risiko
Der Direktor der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen, Prof. Dr. Matthias Beckmann erklärte in einer Mitteilung im Sommer: „Wir bereiten uns derzeit auf die erste Gebärmuttertransplantation vor. Aber zunächst müssen wir die dafür erforderlichen Genehmigungen vom bayerischen Gesundheitsministerium erhalten und den Eingriff am Tiermodell trainieren.“ Er meinte damals, er sei überzeugt, dass das Risiko beherrschbar ist und sich lohnt. Der Erfolg in Tübingen bestätigt ihn nun.

Lebende Verwandte sind bevorzugte Spenderinnen
Experten zufolge kommen für eine solche Operation Frauen infrage, deren Gebärmutter zu klein ist oder von Geburt an fehlt oder entfernt werden musste. Laut Fachleuten gelten lebende Verwandte wie Mutter oder Schwester als bevorzugte Spenderinnen. Die Eingriffe seien dann besser planbar. Von der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin wurde die Gebärmuttertransplantation zunächst abgelehnt, nach den Erfolgen in Schweden wurde die Skepsis dann aber abgelegt. (ad)

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